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Was ist Flavonoide?

Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in vielen Obst- und Gemüsesorten vorkommen und für ihre antioxidativen Eigenschaften bekannt sind.

Was ist Flavonoide?

Wer eine Handvoll Heidelbeeren isst, ein Stück dunkle Schokolade abbricht oder grünen Tee aufgießt, nimmt jedes Mal eine Mischung aus Flavonoiden auf. Es handelt sich um eine große Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe mit über 6.000 bekannten Einzelverbindungen, die in Blüten, Früchten, Blättern und Rinden vieler Pflanzen vorkommen. Ihren Namen tragen sie nach dem lateinischen Wort flavus für gelb – viele der Verbindungen sind gelbe Farbstoffe, andere geben Beeren ihr Blauviolett oder Zitrusfrüchten das Bitteraroma.

Chemisch gehören Flavonoide zu den Polyphenolen. Sie besitzen ein charakteristisches Grundgerüst aus zwei aromatischen Ringen, die über eine Sauerstoffbrücke verbunden sind. Aus diesem Grundgerüst entstehen die Untergruppen, die im Alltag am häufigsten auftauchen: Flavone (etwa Apigenin aus Petersilie), Flavonole (Quercetin aus Zwiebel und Apfel), Flavanone (Hesperidin und Diosmin aus Zitrusfrüchten), Flavanole (Catechine aus grünem Tee und Kakao), Anthocyane (die roten und blauen Pigmente in Beeren) sowie Isoflavone aus Sojabohnen. Der Sammelbegriff Bioflavonoide wird oft synonym verwendet, meint aber meist die Untergruppen aus Zitrusfrüchten.

Eine durchschnittliche europäische Mischkost liefert grob geschätzt zwischen 150 und 600 Milligramm Flavonoide pro Tag – der genaue Wert hängt stark davon ab, ob Tee, Wein, Beeren oder Zwiebeln auf dem Speiseplan stehen. Eine große Tasse schwarzer Tee steuert schon 150 bis 200 Milligramm bei, eine mittelgroße rote Zwiebel liefert rund 50 Milligramm Quercetin. Wer also täglich zwei Tassen Tee trinkt und einen Apfel isst, kommt allein damit auf mehrere hundert Milligramm.

Zur medizinischen Anwendung wird eine besondere Zubereitung untersucht: die mikronisierte, gereinigte Flavonoidfraktion, kurz MPFF. Sie besteht zu rund 90 Prozent aus Diosmin und zu 10 Prozent aus anderen Flavonoiden wie Hesperidin und wird in einigen Ländern als Arzneimittel eingesetzt, vor allem bei venösen Beschwerden und im hämorrhoidalen Bereich. Medkova et al. veröffentlichten 2024 in Diseases of the Colon and Rectum eine offene, randomisierte kontrollierte Studie zum Einsatz von MPFF in der Phase nach einer Hämorrhoidektomie. Untersucht wurden häufige frühe postoperative Komplikationen, darunter Thrombosen und Ödeme der sogenannten mukokutanen Brücken. Diese Studie ist ein pharmakologischer Sonderfall – sie sagt nichts darüber aus, was ein Apfel oder eine Tasse Tee im Körper anrichtet.

Das ist ein Punkt, der oft übersehen wird: Der überwiegende Teil der Werbeaussagen zu Flavonoiden stammt aus Zell- und Tierversuchen oder aus Beobachtungsstudien. In der Petrischale zeigen viele dieser Moleküle eine ausgeprägte antioxidative Aktivität, weil sie Elektronen abgeben und freie Radikale abfangen können. Im menschlichen Körper ist die Lage komplizierter, denn die Bioverfügbarkeit ist meist niedrig. Von einer aufgenommenen Menge Quercetin gelangen je nach Quelle und Zubereitung nur einstellige Prozentbeträge unverändert ins Blut, der Rest wird von Darmbakterien umgebaut oder ausgeschieden. Was der Körper tatsächlich verwertet, sind oft Abbauprodukte, deren Wirkung anders sein kann als die des Ausgangsstoffs.

In der EU gibt es aus diesem Grund keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe (Health Claim) für Flavonoide als Nährstoff. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat entsprechende Anträge zu Quercetin, Rutin und anderen Einzelstoffen bisher abgelehnt, weil die vorgelegten Studien nicht ausreichten, um eine kausale Beziehung zwischen Aufnahme und einem gesundheitlichen Effekt zu belegen. Das heißt nicht, dass Flavonoide bedeutungslos wären – es heißt, dass die Beweislage nach den strengen Kriterien der EFSA nicht ausreicht.

In der Küche sind Flavonoide relativ hitzestabil, aber wasserlöslich. Wer Zwiebeln lange in viel Wasser kocht, verliert einen Teil des Quercetins ins Kochwasser. Auch Licht und langes Lagern reduzieren den Gehalt. Beeren tiefzugefrieren bewahrt Anthocyane besser als tagelange Kühllagerung im Kühlschrank. Ein einfacher Grundsatz: farbenfrohe pflanzliche Kost, wenig verarbeitet, ist die zuverlässigste Flavonoidquelle – deutlich sinnvoller als isolierte Präparate, deren Nutzen für gesunde Menschen unklar bleibt.

Auch bekannt als

Bioflavonoide

AntioxidantienPflanzenstoffeSekundäre PflanzenstoffeErnährung