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Was ist Vitalpilz?

Vitalpilze, auch Heilpilze genannt, sind Pilze, die aufgrund ihrer hohen Dichte an wertvollen Inhaltsstoffen seit Jahrtausenden in der traditionellen Medizin zur Stärkung des Körpers eingesetzt werden.

Was ist Vitalpilz?

In China und Japan werden bestimmte Pilze seit über zweitausend Jahren gezielt gesammelt und getrocknet — nicht als Speisepilz, sondern als Bestandteil medizinischer Rezepturen. Aus dieser Tradition stammt der Sammelbegriff Vitalpilz. Gemeint sind höhere Pilze wie Reishi, Shiitake, Maitake, Hericium, Cordyceps oder Chaga, die heute unter dem Oberbegriff Mykotherapie zusammengefasst werden.

Botanisch gesehen sind Pilze weder Pflanze noch Tier, sondern ein eigenes Reich. Was im Wald aus dem Boden wächst, ist nur der Fruchtkörper — das eigentliche Lebewesen, das Myzel, ist ein feines Fadengeflecht im Holz oder in der Erde. Beide Teile können getrocknet und zu Pulver oder Extrakt verarbeitet werden, und beide enthalten unterschiedliche Stoffgruppen. Chaturvedi et al. (3 Biotech 2018) beschreiben Vitalpilze als fettarm mit hohem Ballaststoffanteil und listen als charakteristische Inhaltsstoffe Beta-Glucane, Triterpene, phenolische Verbindungen, Sterole, Eritadenin und Chitosan auf. Die Beta-Glucane sind Polysaccharide aus der Zellwand und die am intensivsten untersuchte Stoffgruppe.

Die wichtigsten Arten haben jeweils ein eigenes Profil. Reishi (Ganoderma lucidum) wächst an Laubholz, ist verholzt und wird nicht roh gegessen, sondern gekocht oder extrahiert. Shiitake (Lentinula edodes) ist gleichzeitig Speise- und Vitalpilz und wird auf Holzstämmen oder Sägemehlblöcken kultiviert. Hericium (Igelstachelbart, Löwenmähne) wächst auf abgestorbenem Buchen- oder Eichenholz. Cordyceps parasitiert im natürlichen Vorkommen auf Insektenlarven im Hochland Tibets — in der Produktion für den Weltmarkt wird heute fast ausschließlich die Form Cordyceps militaris auf Getreidesubstrat gezogen.

Weil die Wildvorkommen den weltweiten Bedarf längst nicht mehr decken, ist der Anbau die entscheidende Frage. Nikšić et al. (Advances in Biochemical Engineering/Biotechnology 2023) beschreiben, dass die künstliche Kultivierung der Fruchtkörper in den letzten rund 40 Jahren systematisch entwickelt wurde. Angebaut wird auf Holzstämmen, in Beeten, in Beuteln oder Flaschen — meist auf Substraten aus Reststoffen der Land-, Holz- und Lebensmittelwirtschaft, die durch das Myzel abgebaut und mit Proteinen sowie pilzeigenen Stoffen angereichert werden. Aus 40 Jahren intensiver Züchtung folgt: Wer heute einen Reishi-Extrakt kauft, bekommt ein Produkt aus einer relativ jungen industriellen Praxis, auch wenn die Verwendung des Pilzes selbst viel älter ist.

Zur medizinischen Datenlage lohnt der Blick in aktuelle Übersichtsarbeiten. Chang & Buswell (Advances in Biochemical Engineering/Biotechnology 2023) fassen zusammen, dass Polysaccharide, Polysaccharid-Protein-Komplexe, Triterpene, Lektine und fungale immunmodulierende Proteine die am ausführlichsten pharmakologisch untersuchten Bestandteile sind. Die Autoren nennen ein breites Spektrum an Eigenschaften, die im Labor beschrieben wurden — von antitumor über antioxidativ bis antidiabetisch. Entscheidend ist die Einschränkung: Ein Großteil dieser Arbeiten stammt aus Zellkultur oder Tierversuch, nicht aus klinischen Studien am Menschen.

Genau diese Lücke haben Narayanan et al. (Current Oncology Reports 2023) in einem systematischen Review geschlossen. Sie durchsuchten Medline, Embase, Scopus und Cochrane nach klinischen Studien zu Vitalpilzen in der Krebsbehandlung im Zeitraum Januar 2010 bis Dezember 2020, also über zehn Jahre. Das Ergebnis der Autoren: Patienten fragen im Alltag konkret nach solchen Pilzpräparaten, aber der Großteil der Forschung ist präklinisch geblieben. Die Zahl belastbarer klinischer Studien am Menschen ist im Vergleich zur Anzahl der Laborarbeiten überschaubar.

Für den Einkauf heißt das: Ein Vitalpilzprodukt ist kein Arzneimittel und trägt in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Wichtig ist stattdessen die Frage, was drin ist. Verwertbar sind vor allem Angaben zum Extraktverhältnis (etwa 10:1, was bedeutet, dass zehn Teile Pilzmaterial zu einem Teil Extrakt eingedampft wurden) und zum Beta-Glucan-Gehalt. Präparate, bei denen nur "Myzel auf Getreide" ohne Trennung angegeben ist, enthalten häufig einen großen Anteil des Substrats mit.

In der Küche bleibt Shiitake der Klassiker — frisch oder getrocknet, kurz eingeweicht und dann sautiert. Getrocknete Pilze werden vor der Verwendung eingeweicht, das Einweichwasser eignet sich als Brühebasis. Reishi ist wegen seiner holzigen Konsistenz und dem bitteren Geschmack für die Küche nicht geeignet und wird traditionell als langer Sud ausgekocht.

Auch bekannt als

Heilpilz, Medizinischer Pilz, Mykotherapie

AdaptogenImmunsystemTCMPilzePolysaccharide