Ein Gramm Kollagen-Hydrolysat besteht aus tausenden winziger Peptid-Ketten — Bruchstücke, die durch enzymatische Spaltung aus dem ursprünglichen Kollagen-Molekül entstanden sind. Diese Zerlegung nennt sich Hydrolyse. Das intakte Kollagen ist eine riesige Tripelhelix, viel zu groß, um über den Darm aufgenommen zu werden. Nach der Hydrolyse bleiben Peptide mit einem Molekulargewicht von meist 2.000 bis 5.000 Dalton übrig, manche Produkte gehen sogar auf unter 1.000 Dalton herunter — dann spricht man von niedermolekularen Kollagen-Peptiden.
Kollagen selbst ist das häufigste Protein im menschlichen Körper. Es steckt in Haut, Sehnen, Bändern, Knochen und Knorpel und macht rund ein Drittel des gesamten Körperproteins aus. Zur Gewinnung des Hydrolysats wird tierisches Bindegewebe — meist Rinderhaut, Schweineschwarten oder Fischhäute — zunächst in Gelatine überführt und anschließend enzymatisch weiter zerlegt. Am Ende steht ein geruchsloses, in kaltem Wasser lösliches Pulver, das im Gegensatz zu klassischer Gelatine nicht mehr geliert.
Die Studienlage zu oral eingenommenem Kollagen-Hydrolysat hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verdichtet. Ein häufig zitierter Ausgangspunkt ist die placebokontrollierte Doppelblind-Studie von Proksch et al. in Skin Pharmacology and Physiology 2014: 69 Frauen zwischen 35 und 55 Jahren nahmen acht Wochen lang entweder 2,5 g, 5,0 g Kollagen-Hydrolysat oder ein Placebo. Gemessen wurden Hautelastizität, Feuchtigkeit, transepidermaler Wasserverlust und Rauigkeit. Die Autoren berichteten von messbaren Veränderungen der Elastizität, die auch vier Wochen nach dem Absetzen noch nachweisbar waren. Kim et al. verwendeten in ihrer Studie in Nutrients 2018 ein niedermolekulares Kollagen-Peptid mit über 15 Prozent Tripeptid-Anteil, dosiert mit 1.000 mg täglich über zwölf Wochen bei 64 Personen. Sie beschrieben Unterschiede bei Hydratation, Fältchenparametern und Elastizität gegenüber der Placebogruppe.
Eine systematische Übersicht von Choi et al. im Journal of Drugs in Dermatology 2019 wertete elf randomisierte Studien aus. Barati et al. lieferten in einer weiteren systematischen Übersicht im Journal of Cosmetic Dermatology 2020 (DOI 10.1111/jocd.13435) eine mechanistische Einordnung. Über die Haut hinaus untersuchte König et al. in Nutrients 2018 (DOI 10.3390/nu10010097) die Wirkung spezifischer Kollagen-Peptide auf die Knochendichte: 131 postmenopausale Frauen erhielten zwölf Monate lang täglich 5 g Peptide oder Placebo, gemessen wurde die Knochenmineraldichte an Oberschenkelhals und Wirbelsäule sowie Marker wie P1NP und CTX-1.
Rechnet man die Dosierungen aus den Studien um: Bei 5 g täglich, wie sie Proksch und König verwendeten, kommt man auf 150 g Kollagen-Hydrolysat pro Monat oder rund 1,8 kg pro Jahr. Ein handelsübliches 400-g-Pulver reicht bei dieser Dosis für etwa 80 Tage. Die niedermolekulare Variante nach Kim mit 1.000 mg entspricht rechnerisch nur 30 g pro Monat — die Studienautoren argumentieren, dass durch die kleinere Peptidgröße weniger Menge nötig sei. Ob diese Rechnung im Alltag aufgeht, hängt vom jeweiligen Produkt ab.
Wichtig zur Einordnung: Die zitierten Untersuchungen wurden meist über acht bis zwölf Wochen durchgeführt, teils an kleinen Gruppen von 60 bis 130 Personen. Langzeitdaten über mehrere Jahre fehlen weitgehend. Auch die Frage, ob orale Peptide gezielt in Haut oder Knochen wandern oder ob der Körper sie schlicht als hochwertigen Aminosäurelieferanten nutzt, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Kollagen ist zudem kein vollständiges Protein — es fehlt die essenzielle Aminosäure Tryptophan. Als alleinige Eiweißquelle ist es damit ungeeignet.
In der Küche lässt sich Kollagen-Hydrolysat unauffällig verwenden. Das Pulver löst sich in kalten wie warmen Flüssigkeiten, verändert Geschmack und Konsistenz kaum und lässt sich in Kaffee, Smoothies, Joghurt oder Suppen einrühren. Ein gehäufter Teelöffel entspricht etwa 5 g — also einer der in Studien untersuchten Tagesmengen. Vegetarier und Veganer greifen leer aus: Kollagen ist ausschließlich tierischen Ursprungs, pflanzliche Alternativen enthalten kein Kollagen, sondern höchstens Aminosäuren wie Prolin und Glycin, aus denen der Körper theoretisch selbst Kollagen aufbauen kann.
Auch bekannt als
Kollagen-Peptide, hydrolysiertes Kollagen


