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Was ist Lipophil / Hydrophil?

Lipophil bedeutet 'fettliebend', hydrophil 'wasserliebend'. Diese Eigenschaften bestimmen, wie Stoffe vom Körper aufgenommen und transportiert werden.

Was ist Lipophil / Hydrophil?

Ob ein Vitamin mit dem Wasserglas geschluckt oder besser zum Salat mit Olivenöl gegessen wird, entscheidet sich an einer einzigen chemischen Eigenschaft: lipophil oder hydrophil. Beide Begriffe beschreiben, wie sich ein Molekül gegenüber Wasser und Fett verhält – und damit auch, wie der Körper es aufnimmt, transportiert und speichert.

Lipophil kommt aus dem Griechischen: lipos für Fett, philos für Freund. Ein lipophiler Stoff löst sich gut in Fetten und Ölen, aber schlecht in Wasser. Hydrophil bedeutet wörtlich "wasserliebend" – solche Moleküle gehen bereitwillig in wässrige Lösung, meiden aber die Fettphase. Manchmal wird auch "fettlöslich" und "wasserlöslich" gesagt. Das ist im Alltag dasselbe, in der Chemie aber leicht unterschiedlich: Löslichkeit ist der messbare Endpunkt, lipophil/hydrophil beschreibt die Tendenz.

Der Grund liegt in der Molekülstruktur. Wasser ist ein polares Lösungsmittel – seine Moleküle tragen positive und negative Teilladungen. Andere polare Stoffe wie Zucker, Salze oder Vitamin C lösen sich darin gut, weil sich Ladungen anziehen. Fette dagegen bestehen überwiegend aus langen Kohlenwasserstoffketten ohne nennenswerte Ladungsverteilung. Sie sind unpolar. Nach der einfachen Faustregel "Ähnliches löst sich in Ähnlichem" mischen sich unpolare Stoffe mit Fett, polare mit Wasser. Öl und Wasser bleiben getrennt – jeder kennt das aus der Salatschüssel.

Für die Ernährung ist die Unterscheidung praktisch relevant. Die Vitamine A, D, E und K sind lipophil. Ohne etwas Fett im Darm werden sie kaum resorbiert. Wer eine fettarme Rohkost isst und einen Vitamin-D-Tropfen dazu nimmt, holt weniger heraus als jemand, der denselben Tropfen zusammen mit einem Löffel Öl einnimmt. Umgekehrt sind Vitamin C, die B-Vitamine und die meisten Mineralstoffe hydrophil. Sie brauchen kein Fett, werden aber auch kaum gespeichert – der Überschuss geht mit dem Urin. Das erklärt, warum ein Zuviel an Vitamin C selten ein Problem wird, ein Zuviel an Vitamin A dagegen schon.

Auch pflanzliche Wirkstoffe verhalten sich unterschiedlich. Curcumin aus Kurkuma ist stark lipophil und in reinem Wasser praktisch unlöslich. Deshalb wird es in Kapseln oft mit Öl, Lecithin oder als Mizelle formuliert. Piperin aus schwarzem Pfeffer verändert die Aufnahme zusätzlich, das ist der Grund für die gängige Kombination. Anthocyane aus Beeren dagegen sind hydrophil – sie färben Wasser, aber kein Öl. Polyphenole liegen dazwischen, je nachdem, wie viele Zuckerreste oder Hydroxylgruppen am Grundgerüst hängen.

Im Körper spielt die Eigenschaft an mehreren Stellen eine Rolle. Die Zellmembran besteht aus einer Doppelschicht aus Phospholipiden – innen fett, außen wasserfreundlich. Kleine lipophile Moleküle wandern relativ leicht durch, hydrophile brauchen Transporter oder Kanäle. Im Blut übernehmen Lipoproteine wie LDL und HDL den Transport fettlöslicher Substanzen, während wasserlösliche einfach im Blutplasma gelöst mitreisen. Die Leber baut lipophile Fremdstoffe in mehreren Schritten um, damit sie hydrophil genug werden, um über die Nieren ausgeschieden zu werden. Genau das machen die Enzyme des Cytochrom-P450-Systems – aus "öllöslich" wird "wasserlöslich", damit der Körper den Stoff loswird.

Ein messbarer Kennwert dafür ist der logP-Wert, der Logarithmus des Verteilungsköffizienten zwischen Octanol und Wasser. Ein logP von 0 heißt: gleich viel in beiden Phasen. Werte über 3 gelten als deutlich lipophil, Werte unter 0 als hydrophil. Coffein liegt bei etwa -0,07, ist also leicht hydrophil. Vitamin D3 liegt bei rund 7 – extrem fettliebend. Diese Zahl bestimmt, wie ein Stoff formuliert werden muss, damit er beim Menschen überhaupt ankommt.

Für den Alltag lassen sich daraus schlichte Regeln ableiten: Fettlösliche Vitamine und Extrakte immer zu einer Mahlzeit mit etwas Öl, Nüssen, Avocado oder Milchprodukten nehmen. Wasserlösliche Präparate sind flexibler, wirken aber oft kürzer, weil der Körper nicht speichert. Pulver, die sich in Wasser klumpen und obenauf schwimmen, sind meist lipophil – dann hilft ein Shake mit Milch oder Pflanzendrink. Sinkt das Pulver einfach ab und löst sich, ist es überwiegend hydrophil.

Auch bekannt als

fettlöslich, wasserlöslich

BioverfügbarkeitNährstoffaufnahmeZellmembran