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Was ist Curcumin?

Der primäre aktive Wirkstoff in der Kurkuma-Wurzel, bekannt für seine starken entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften.

Was ist Curcumin?

Curcumin ist der gelb-orange Farbstoff, der Currypulver seine typische Farbe gibt. Chemisch gehört es zur Gruppe der Polyphenole, genauer zu den Curcuminoiden. In der frischen oder getrockneten Kurkuma-Wurzel (Curcuma longa) steckt es nur in kleinen Mengen – Nelson und Kollegen beziffern den Anteil im Journal of Medicinal Chemistry 2017 auf bis zu etwa fünf Prozent. Das bedeutet konkret: In 100 Gramm getrocknetem Kurkumapulver stecken höchstens rund fünf Gramm reine Curcuminoide. Wer also einen halben Teelöffel Kurkuma (etwa ein Gramm) übers Essen streut, nimmt maximal 50 Milligramm Curcumin auf – bevor der Körper überhaupt anfängt, es zu verarbeiten.

Und genau da liegt der interessanteste Punkt an diesem Stoff: seine miserable Bioverfügbarkeit. Anand und Kollegen fassten das 2007 in Molecular Pharmaceutics zusammen. Curcumin wird im Darm schlecht aufgenommen, in Leber und Darmwand schnell umgebaut und danach zügig wieder ausgeschieden. Selbst wenn Phase-I-Studien zeigten, dass der Stoff bis 12 Gramm täglich beim Menschen sicher vertragen wird, kommt davon im Blut nur ein winziger Bruchteil an. Diese Lücke zwischen theoretischer Aufnahme und tatsächlicher Blutkonzentration ist der Grund, warum reines Curcuminpulver in der Kapsel meist wenig Sinn ergibt.

Die Forschung hat mehrere Wege ausprobiert, das zu umgehen. Anand nennt fünf Ansätze: die Kombination mit Piperin (dem Scharfstoff aus schwarzem Pfeffer), liposomales Curcumin, Nanopartikel, Phospholipid-Komplexe und strukturelle Curcumin-Analoga. Der bekannteste Weg ist die Pfeffer-Kombination – Shoba und Kollegen zeigten schon 1998 in Planta Medica an gesunden Freiwilligen, dass 20 Milligramm Piperin die Bioverfügbarkeit von zwei Gramm Curcumin um 154 Prozent erhöhen können. Piperin hemmt bestimmte Leberenzyme, sodass Curcumin länger im Blut zirkuliert.

Was die Forschung zu möglichen Effekten sagt, ist gemischt. Peng und Kollegen beschrieben 2021 in Drug Design, Development and Therapy einen breiten Blick auf entzündliche Prozesse und diskutieren Curcumin als Kandidatenmolekül für Untersuchungen bei Erkrankungen wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Psoriasis und Atherosklerose. Zia und Kollegen fanden 2021 in Biomedicine & Pharmacotherapy im Rahmen einer Übersicht Hinweise darauf, dass Curcumin und seine Abbauprodukte in Modellorganismen wie Fadenwürmern (C. elegans), Fruchtfliegen, Hefe und Mäusen die mittlere Lebensspanne verlängerten. Wichtig dabei: Das sind Modellorganismen, keine Menschen.

Es gibt auch die kritische Gegenseite, und die verschweigen wir nicht. Nelson und Kollegen argumentieren 2017 im Journal of Medicinal Chemistry, dass Curcumin sowohl als PAINS (pan-assay interference compound) als auch als IMPS (invalid metabolic panaceas) einzuordnen sei. Auf Deutsch: Der Stoff stört in Laboruntersuchungen häufig Messverfahren und liefert falsch-positive Ergebnisse. Nach ihrer Zählung wurden über 120 klinische Studien mit Curcuminoiden gegen unterschiedlichste Erkrankungen durchgeführt – und keine einzige doppelblinde, placebokontrollierte Studie war erfolgreich. Diese Position ist in der Fachwelt umstritten, aber sie gehört dazu, wenn man ehrlich über den Forschungsstand redet.

Was heißt das für den Alltag? Erstens: Kurkuma als Gewürz ist eine harmlose und kulinarisch spannende Sache – das indische Currygericht, die Goldene Milch, die Reispfanne mit einer Prise Gelbwurz. Zweitens: Wer Curcumin gezielt aufnehmen möchte, sollte auf die Zubereitung achten. Fett hilft, weil Curcumin fettlöslich ist. Schwarzer Pfeffer hilft ebenfalls, wie Shoba 1998 belegte. Drittens: Bei Extrakten mit hohem Curcuminoid-Anteil (oft 95 Prozent Curcuminoide standardisiert) enthält eine 500-Milligramm-Kapsel rechnerisch etwa 475 Milligramm Curcuminoide – das entspricht in etwa der Curcuminmenge aus rund 10 Gramm getrocknetem Kurkumapulver, also zwei bis drei Esslöffeln Gewürz.

Wichtig zu wissen ist auch, was Curcumin nicht ist: kein Medikament, kein Ersatz für ärztliche Behandlung, kein Stoff mit belegter Heilwirkung. In der EU gibt es für Curcumin bisher keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Was es gibt, ist ein sehr aktives Forschungsfeld mit vielversprechenden Laborbefunden, überzeugenden Sicherheitsdaten in hohen Dosen und einer bis heute ungelösten Frage: Wie bekommt man diesen Stoff eigentlich zuverlässig in den Blutkreislauf – und was passiert dort dann wirklich?

Auch bekannt als

Kurkumin, Curcuminoide, Gelbwurz-Extrakt

KurkumaEntzündungshemmendAntioxidansBioverfügbarkeit