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Was ist Antioxidans?

Moleküle, die Zellen vor Schäden durch freie Radikale schützen, indem sie diese neutralisieren.

Was ist Antioxidans?

Der Begriff Antioxidans taucht auf Verpackungen, in Werbetexten und in wissenschaftlichen Journalen gleichermaßen auf — und wird dabei oft sehr unterschiedlich gemeint. Chemisch gesehen sind Antioxidantien Moleküle, die andere Moleküle vor der Oxidation schützen, indem sie freie Radikale abfangen. Freie Radikale sind Verbindungen mit einem ungepaarten Elektron, die im Stoffwechsel bei der Energiegewinnung entstehen, aber auch durch UV-Strahlung, Rauchen oder Entzündungsprozesse. Ein Antioxidans gibt ein Elektron ab und stabilisiert das Radikal, ohne selbst zu einem aggressiven Radikal zu werden.

Die Vorstellung, dass mehr Antioxidantien automatisch besser sind, hat sich in den letzten zwanzig Jahren stark verändert. Hagymási und Kollegen fassen in Orvosi hetilap 2015 den Stand so zusammen: Nach anfänglichen Erfolgen zeigten große Interventionsstudien wie CARET und ATBC unerwünschte Effekte hochdosierter Antioxidantien, darunter auch prooxidative Wirkungen. Meta-Analysen konnten den Nutzen einer Antioxidans-Supplementierung in der Primär- und Sekundärprävention nicht bestätigen. Die Autoren diskutieren, warum kombinierte Antioxidantien in physiologischen Mengen günstiger abschneiden als isolierte Hochdosen einzelner Stoffe.

Eine interessante Perspektive öffnet die Arbeit von Mézes und Erdélyi in Orvosi hetilap 2018. Sie beschäftigen sich mit dem antioxidativen Effekt von Ballaststoffen — einem Aspekt, der lange kaum beachtet wurde. An die Polysaccharid-Komplexe der Pflanzenzellwand sind Polyphenole gebunden, die erst im Darm freigesetzt werden und dort als Antioxidantien wirken. Außerdem beschreiben die Autoren Calciumfructoborat aus pflanzlichen Zellwänden, bei dem nicht ein Polyphenol, sondern Bor die antioxidative Aktivität trägt. Genannt werden unter anderem Getreide, Kohl, Traubentrester, Kaffeebohnen und Guave als Lebensmittel mit hohem Gehalt an antioxidativen Ballaststoffen.

Ein dritter, sehr spezieller Anwendungsbereich taucht in der Arbeit von Przekwas et al. in Annals of Clinical Microbiology and Antimicrobials 2022 auf. Untersucht wurde, wie sich Ascorbinsäure (Vitamin C) und Rutosid — beides Substanzen mit antioxidativen Eigenschaften — in Kombination mit Fluorchinolon-Antibiotika auf die Biofilmbildung von Proteus mirabilis auswirken. Der Hintergrund: Resistenzen gegen Fluorchinolone nehmen zu, und die Kombination mit anderen Substanzen könnte klinisch interessant sein. Antioxidantien werden hier also nicht als Nahrungsergänzung diskutiert, sondern als möglicher Baustein antimikrobieller Strategien.

Was man aus diesen drei Arbeiten mitnehmen kann: Antioxidans ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Moleküle — Vitamine wie C und E, Polyphenole aus Obst und Gemüse, Carotinoide, Flavonoide wie Rutosid, aber auch Spurenelemente wie Bor in gebundener Form. Ihre Wirkung im Körper hängt von der Konzentration, der chemischen Umgebung und dem Zusammenspiel mit anderen Stoffen ab. In einer Zelle kann dasselbe Molekül je nach Situation als Antioxidans oder als Prooxidans auftreten. Deshalb reicht der Satz "reich an Antioxidantien" allein kaum als Qualitätsmerkmal.

In der Ernährungspraxis heißt das: Antioxidantien kommen am zuverlässigsten in Form ganzer Lebensmittel im Körper an. Beeren, dunkles Blattgemüse, Kräuter, Gewürze, Nüsse, Vollkornprodukte, Kakao, grüner und schwarzer Tee, Kaffee und hochwertige Pflanzenöle liefern jeweils unterschiedliche Verbindungen. Wer über den Tag verteilt fünf verschiedenfarbige pflanzliche Lebensmittel isst, nimmt dutzende dieser Verbindungen gleichzeitig auf — jede in kleiner Menge, aber im natürlichen Verbund mit Ballaststoffen, Enzymen und Cofaktoren.

Eine kleine Beispielrechnung zur Einordnung: Ein Teelöffel getrocknete Kräuter oder Gewürze wiegt etwa 2 Gramm. Selbst wenn ein Gewürz zu den polyphenolreichsten Lebensmitteln gehört, liefert dieser Teelöffel meist weniger als 100 Milligramm Polyphenole. Zum Vergleich: Eine Portion Beeren von 150 Gramm liegt oft im Bereich von mehreren hundert Milligramm. Nicht das einzelne "Superfood" macht den Unterschied, sondern die Summe über den Tag und die Woche.

Ehrlich bleiben muss man auch bei den Grenzen. Die Forschung zeigt bisher nicht, dass isolierte Antioxidantien in Kapselform Krankheiten verhindern oder heilen. Die zitierten Meta-Analysen kommen zum gegenteiligen Ergebnis. Der Körper besitzt zudem ein eigenes antioxidatives System aus Enzymen wie Superoxiddismutase, Katalase und Glutathionperoxidase, das über Selen, Zink, Mangan und Kupfer als Cofaktoren gesteuert wird. Eine sinnvolle Versorgung mit diesen Spurenelementen ist für die körpereigene Antioxidans-Abwehr oft wichtiger als jede einzelne Kapsel.

Auch bekannt als

Radikalfänger

ZellschutzFreie RadikaleOxidativer StressVitamine