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Astaxanthin

Astaxanthin, gewonnen aus der Blutregenalge, gilt als eines der stärksten Antioxidantien der Welt und bietet Schutz für Haut, Augen und das Herz-Kreislauf-System.

Astaxanthin
Ein Lachs, der stromaufwärts schwimmt, verdankt seine rosa Muskelfarbe genau diesem Molekül: Astaxanthin. Es ist ein Ketocarotinoid, das die Blutregenalge (Haematococcus pluvialis) unter Stress bildet — etwa bei Trockenheit oder starker Sonneneinstrahlung. Frisst ein Krebs die Alge, färbt er sich rot. Frisst ein Lachs den Krebs, wird sein Fleisch rosa. Die Farbe ist also gespeicherter Zellschutz, den die Alge aufgebaut hat, um selbst nicht zu verbrennen.

Chemisch gehört Astaxanthin zur Familie der Carotinoide, ist aber fettlöslich und trägt an beiden Enden Sauerstoffgruppen. Diese Struktur erklärt, warum es sich sowohl in wässrigen als auch in fettigen Zellbereichen einlagern kann. Donoso et al. berichten in Pharmacological Research 2021, dass die Sauerstoffradikal-Absorptionskapazität (ORAC) von Astaxanthin im Laborversuch 100- bis 500-mal höher liege als die von Alpha-Tocopherol (Vitamin E), und die Hemmung freier Radikale rund zehnmal stärker sei als bei Alpha-Carotin, Beta-Carotin, Lutein oder Lycopin. Das sind Laborwerte, keine Wirkungsversprechen für den Menschen — aber sie erklären, warum die Substanz in der Forschung so viel Aufmerksamkeit bekommt.

Die natürliche Quelle ist fast immer die Blutregenalge. Kumar et al. beschreiben im Journal of Basic Microbiology 2022, dass die Alge im Zwei-Stufen-Verfahren zuerst als grüne Zelle vermehrt und dann unter Stress zur Bildung des roten Farbstoffs gebracht wird. Higuera-Ciapara et al. hatten schon 2006 in Critical Reviews in Food Science and Nutrition darauf hingewiesen, dass sich natürliches und synthetisches Astaxanthin chemisch unterscheiden — der synthetische Rohstoff wird vor allem in der Lachszucht als Futterfarbstoff eingesetzt.

Wie viel steckt eigentlich in Lebensmitteln? Wildlachs enthält je nach Herkunft grob 1 bis 4 mg Astaxanthin pro 100 g Filet. Wer täglich 4 mg über die Nahrung aufnehmen wollte, müsste also im Bereich von 100 bis 400 g Lachs pro Tag essen. Das erklärt, warum in Studien meist Extrakte aus der Blutregenalge verwendet werden.

Die Forschung zu möglichen Effekten läuft in mehrere Richtungen. Si und Zhu fassen in Molecular Medicine Reports 2022 zusammen, dass Astaxanthin die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und deshalb im Kontext neurologischer Erkrankungen untersucht wird — Alzheimer, Parkinson, Schlaganfall, Rückenmarksverletzungen. Die Autoren betonen aber ausdrücklich, dass die meisten Ergebnisse bisher aus Tier- und Zellversuchen stammen. Übertragbarkeit auf den Menschen: offen. Donoso et al. 2021 haben sich speziell die menschlichen klinischen Studien angesehen und ordnen die Datenlage zu Haut, Augen und Herz-Kreislauf ein als Hinweise, nicht als Beweise.

Zur Sicherheit gibt es eine ausführliche Übersicht von Brendler und Williamson in Phytotherapy Research 2019. Sie werteten 87 Humanstudien aus, davon 35 mit Dosen von 12 mg pro Tag oder mehr, und fanden keine Sicherheitsbedenken bei natürlichem Astaxanthin. Genehmigte Tagesdosen variieren international zwischen 2 und 24 mg. Die Europäische Behörde EFSA hat einen ADI (acceptable daily intake) von 2 mg vorgeschlagen — dieser Wert basiert allerdings auf einer Rattenstudie mit synthetischem Astaxanthin, worauf Brendler und Williamson kritisch hinweisen, weil natürliches und synthetisches Astaxanthin sich chemisch unterscheiden.

Was die Forschung NICHT zeigt: Es gibt keine belastbaren Belege, dass Astaxanthin Krankheiten heilt oder verhindert. Die EU hat für Astaxanthin keinen einzigen gesundheitsbezogenen Health Claim zugelassen. Aussagen wie "schützt das Herz" oder "stärkt die Augen" sind rechtlich nicht gedeckt, auch wenn Laborwerte spannend aussehen. Vieles, was in populären Texten als bewiesen dargestellt wird, stammt aus Zellkulturen oder kleinen Studien mit wenigen Teilnehmern.

Interessant ist der biologische Kontext: Die Blutregenalge selbst bildet Astaxanthin nicht zum Spaß, sondern als Überlebensstrategie. Sie kann mehrere Prozent ihres Trockengewichts als roten Farbstoff einlagern — bei kaum einer anderen Pflanzenzelle findet sich eine so hohe Konzentration eines einzelnen Carotinoids. Für die Alge ist es Sonnenschutz und Notreserve. Für Forscher ist genau diese Extremposition der Grund, warum das Molekül überhaupt untersucht wird.

Wirkung

Donoso et al. (Pharmacological Research 2021) berichten aus Laboruntersuchungen eine 100- bis 500-fach höhere ORAC-Antioxidanskapazität gegenüber Alpha-Tocopherol. Si und Zhu (Molecular Medicine Reports 2022) beschreiben in einem Review neuroprotektive Ansätze, weisen aber darauf hin, dass die Datenlage bisher überwiegend aus Tier- und Zellversuchen stammt. Für den Menschen sind gesundheitsbezogene Aussagen in der EU nicht zugelassen.

Dosierung

In der Sicherheitsübersicht von Brendler und Williamson (Phytotherapy Research 2019) wurden 87 Humanstudien ausgewertet, 35 davon mit Dosen ab 12 mg pro Tag, ohne Sicherheitsauffälligkeiten für natürliches Astaxanthin. Internationale Empfehlungen liegen zwischen 2 und 24 mg täglich. Die EFSA hat einen ADI von 2 mg vorgeschlagen — basierend auf einer Rattenstudie mit synthetischem Astaxanthin, was in der Fachliteratur diskutiert wird.

Natürliche Quellen

Blutregenalge (Haematococcus pluvialis), Lachs, Krill, Garnelen, Hummer

Wissenschaftliche Quellen

Si & Zhu, Molecular Medicine Reports 2022, DOI: 10.3892/mmr.2022.12816 Donoso et al., Pharmacological Research 2021, DOI: 10.1016/j.phrs.2021.105479 Kumar et al., Journal of Basic Microbiology 2022, DOI: 10.1002/jobm.202100391 Higuera-Ciapara et al., Critical Reviews in Food Science and Nutrition 2006, DOI: 10.1080/10408690590957188 Brendler & Williamson, Phytotherapy Research 2019, DOI: 10.1002/ptr.6514

Häufige Fragen

Woher kommt natürliches Astaxanthin?

Fast ausschließlich aus der Süßwasseralge Haematococcus pluvialis, auch Blutregenalge genannt. Kumar et al. (2022) beschreiben ein zweistufiges Verfahren: erst wird die grüne Alge vermehrt, dann unter Stress zur Bildung des roten Farbstoffs gebracht. Auch Lachs, Krill, Garnelen und Hummer enthalten Astaxanthin — sie nehmen es über die Nahrungskette aus Algen auf.

Wie viel Lachs müsste ich für 4 mg Astaxanthin essen?

Wildlachs enthält je nach Herkunft etwa 1 bis 4 mg Astaxanthin pro 100 g. Für 4 mg wären das grob 100 bis 400 g täglich. In Studien werden deshalb meist Extrakte aus der Blutregenalge verwendet.

Ist natürliches Astaxanthin dasselbe wie synthetisches?

Nein. Higuera-Ciapara et al. (2006) und Brendler und Williamson (2019) weisen darauf hin, dass natürliches und synthetisches Astaxanthin chemisch unterschiedlich sind. Synthetisches wird vor allem in der Lachszucht als Futterfarbstoff eingesetzt.

Warum ist der ORAC-Wert so hoch?

Donoso et al. (2021) beziffern die Sauerstoffradikal-Absorptionskapazität von Astaxanthin im Labor als 100- bis 500-fach höher als bei Alpha-Tocopherol und rund zehnfach höher als bei Beta-Carotin oder Lutein. Das ist ein Laborwert im Reagenzglas — er sagt nichts direkt über die Wirkung im Körper aus.

Gibt es zugelassene Health Claims für Astaxanthin?

Nein. In der EU ist derzeit kein gesundheitsbezogener Health Claim für Astaxanthin zugelassen. Aussagen wie "schützt die Zellen" oder "gut fürs Herz" sind rechtlich nicht gedeckt, auch wenn sie in Werbetexten häufig vorkommen.

Wie sicher ist eine tägliche Einnahme?

Brendler und Williamson (2019) prüften 87 Humanstudien, davon 35 mit mindestens 12 mg pro Tag, und fanden keine Sicherheitsauffälligkeiten für natürliches Astaxanthin. Die EFSA schlägt vorsorglich einen ADI von 2 mg vor. Andere Länder erlauben zwischen 2 und 24 mg.

Wirkt Astaxanthin im Gehirn?

Si und Zhu (2022) berichten in einem Review, dass Astaxanthin die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und in Tier- und Zellversuchen im Kontext von Alzheimer, Parkinson und Schlaganfall untersucht wird. Die Autoren betonen ausdrücklich, dass belastbare Studien am Menschen weitgehend fehlen.

Auf einen Blick

Kategorie
Antioxidantien
Auch bekannt als
Asta
Tags
AntioxidansHautAugenCarotinoid