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Was ist Heilpraktiker?

Ein Heilpraktiker ist ein in Deutschland anerkannter Heilberuf, der naturheilkundliche und komplementärmedizinische Verfahren zur Diagnose und Therapie einsetzt.

Was ist Heilpraktiker?

Der Heilpraktiker ist ein deutscher Sonderweg. In kaum einem anderen Land existiert ein staatlich geregelter Heilberuf, der ohne Medizinstudium ausgeübt werden darf und dennoch die Erlaubnis besitzt, Krankheiten zu diagnostizieren und zu behandeln. Grundlage ist das Heilpraktikergesetz von 1939, das bis heute in seiner Kernstruktur gilt.

Wer als Heilpraktiker arbeiten will, legt eine amtsärztliche Überprüfung beim zuständigen Gesundheitsamt ab. Geprüft wird nicht das Können in einem bestimmten Verfahren, sondern das Ausschlusswissen: Erkennt der Prüfling Krankheiten, die er nicht behandeln darf, und weiß er um die Grenzen seiner Tätigkeit? Bestimmte Bereiche sind Ärzten vorbehalten, darunter meldepflichtige Infektionskrankheiten, Geburtshilfe, Zahnheilkunde und die Verschreibung von Betäubungsmitteln.

In der Praxis kombinieren Heilpraktiker sehr unterschiedliche Verfahren. Häufig anzutreffen sind Phytotherapie, Homöopathie, Akupunktur, Schröpfen, Neuraltherapie, Bachblüten, Osteopathie, Bioresonanz und Ernährungsberatung. Genau diese Vielfalt hat die Berufsgruppe zu einem Studienobjekt gemacht. Naraindas beschreibt 2011 in Anthropology & Medicine die Feldstudie eines Heilpraktikers, der in einem katholisch geprägten deutschen Dorf einen Ayurveda-Kurbetrieb führt. Patienten reisen an, andere schicken Körperproben per Post. Der Autor spricht von einer "Poly-Therapie" und deutet sie als Symptom einer epistemischen Sackgasse innerhalb der Schulmedizin, aus der Patienten heraus in eine wandernde Suche nach Heilung geraten.

Die Diskussion um Qualitätssicherung ist alt. Ernst hat bereits 1996 im International Journal for Quality in Health Care die Frage aufgeworfen, ob das deutsche Heilpraktiker-Modell für andere Länder als Vorbild taugen könnte. Sein Fazit fällt zurückhaltend aus: Die Regulierung sei zwar besser als völlige Ungeregeltheit, das Modell selbst aber keine optimale Lösung. Ernst weist auf erhebliche Wissenslücken im Bereich der Komplementärmedizin hin und plädiert für strengere Regulierung und mehr Forschung. Eine kurze Bestandsaufnahme des Berufsbildes findet sich zusätzlich bei Demling 2002 in Complementary Therapies in Medicine.

Wichtig für dich als Kunde: Der Heilpraktiker ist kein Arzt und kein Ersatz für einen Arzt. Er darf keine Rezepte für apothekenpflichtige oder verschreibungspflichtige Arzneimittel ausstellen und keine Krankschreibung erteilen. Rechnungen werden in aller Regel privat bezahlt, gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht oder nur in eng begrenzten Ausnahmen. Private Zusatzversicherungen für Heilpraktikerleistungen sind weit verbreitet.

Die Ausbildung selbst ist nicht einheitlich geregelt. Es gibt keine staatliche Ausbildungsordnung wie bei Ärzten oder Krankenpflegern, keine Studienzeit, keine Approbation. Manche Heilpraktiker haben mehrere Jahre an privaten Schulen gelernt, andere sich autodidaktisch vorbereitet. Was zählt, ist das Bestehen der amtsärztlichen Prüfung. Diese Ungleichheit im Ausbildungsniveau ist einer der Punkte, die Ernst 1996 kritisch aufgreift. Rechnet man die Prüfungsanforderung gegen ein Medizinstudium, ergibt sich ein deutlicher Unterschied: Ein Mediziner absolviert in Deutschland mindestens sechs Jahre plus praktisches Jahr, insgesamt rund 12 Semester Regelstudienzeit, bevor er die Approbation erhält. Für die Heilpraktikererlaubnis reicht die bestandene Kenntnisprüfung.

Seit 2018 gibt es die eingeschränkte Erlaubnis "Heilpraktiker für Psychotherapie", die ausschließlich zur psychotherapeutischen Tätigkeit berechtigt. Daneben existiert die "sektorale Heilpraktikererlaubnis" für Physiotherapeuten, die damit ohne ärztliche Verordnung behandeln dürfen.

Was die Forschung nicht zeigt: Für die meisten der von Heilpraktikern angewandten Verfahren gibt es keine belastbaren Wirksamkeitsnachweise auf dem Niveau, das für zugelassene Arzneimittel gefordert wird. Die drei genannten Publikationen behandeln den Beruf als soziales und regulatorisches Phänomen, nicht die Wirksamkeit einzelner Therapien. Wer einen Heilpraktiker aufsucht, sollte deshalb gezielt nach Ausbildungshintergrund, Erfahrung und Grenzen der Behandlung fragen und bei ernsten oder unklaren Beschwerden immer parallel ärztlichen Rat einholen.

Auch bekannt als

Naturheilkundler

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