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Knoblauch (Allicin)

Knoblauch ist bekannt für seine gesundheitsfördernden Eigenschaften, die hauptsächlich auf den Wirkstoff Allicin zurückzuführen sind. Er unterstützt das Herz-Kreislauf-System und wirkt antimikrobiell.

Knoblauch (Allicin)
Reibst du eine frische Knoblauchzehe an, passiert innerhalb von Sekunden Chemie: Das geruchlose Alliin trifft auf das Enzym Alliinase, und daraus entsteht Allicin — die schwefelhaltige Verbindung, die für den typischen Geruch verantwortlich ist. Genau dieses Allicin ist auch die Substanz, um die sich die meiste Forschung dreht.

Knoblauch (Allium sativum) gehört botanisch zu den Lauchgewächsen, also zur gleichen Familie wie Zwiebel, Schnittlauch und Bärlauch. Die Zwiebel besteht aus mehreren Zehen, die von einer papierartigen Haut umschlossen sind. Verwendet wird die Knolle frisch, getrocknet, als Pulver, als Öl-Mazerat oder als gealterter Knoblauch-Extrakt — und je nach Verarbeitungsform verändert sich das Profil der Inhaltsstoffe erheblich.

Eine Übersichtsarbeit von El-Saber Batiha et al. in Nutrients 2020 beschreibt Knoblauch als eine Pflanze, die reich an schwefelhaltigen Phytokonstituenten ist. Dazu zählen neben Alliin und Allicin auch Ajoene, Vinyldithiine sowie Flavonoide wie Quercetin. Die Autoren fassen zusammen, dass Extrakte und Einzelverbindungen aus Knoblauch in Labor- und Tierversuchen auf zahlreiche biologische Aktivitäten untersucht wurden — antibakteriell, antiviral, antifungal, antioxidativ und entzündungsbezogen. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um einen Review, der Forschungsergebnisse zusammenträgt, nicht um eine klinische Studie am Menschen mit einem bestimmten Endpunkt.

Shang et al. haben 2019 in der Fachzeitschrift Foods eine ähnliche Bestandsaufnahme veröffentlicht. Sie listen als bioaktive Verbindungen unter anderem Allicin, Alliin, Diallylsulfid, Diallyldisulfid, Diallyltrisulfid, Ajoen und S-Allyl-Cystein. In ihrem Review diskutieren sie Untersuchungen zu kardiovaskulären, hepatoprotektiven, neuroprotektiven und stoffwechselbezogenen Eigenschaften. Auch hier gilt: Das sind Sammlungen präklinischer und klinischer Daten aus unterschiedlichsten Studien. Eine einheitliche, für den Menschen zugelassene Health-Claim-Aussage der EU zu Allicin gibt es bis heute nicht.

Rechnen wir kurz mit, um die Mengen greifbar zu machen: Eine mittelgroße Knoblauchzehe wiegt etwa 3 bis 4 Gramm. Der Alliin-Gehalt einer frischen Zehe liegt laut Literatur bei rund 5 bis 14 Milligramm pro Gramm Frischgewicht — eine einzige Zehe kann also theoretisch zwischen 15 und 56 Milligramm Alliin enthalten, aus dem sich beim Zerkleinern in wenigen Minuten Allicin bilden kann. Erhitzt du den Knoblauch sofort nach dem Schneiden, wird das Enzym Alliinase deaktiviert, und die Allicin-Bildung bleibt weitgehend aus. Ein oft genannter Küchentrick: nach dem Hacken 10 Minuten stehen lassen, bevor er in die Pfanne kommt.

Worüber die beiden Reviews wenig sagen können, sind konkrete Dosierungsempfehlungen für den Alltag. In klinischen Studien wurden sehr unterschiedliche Zubereitungen eingesetzt: frischer Knoblauch, standardisierte Pulver, Öl-Extrakte, gealterter Knoblauch (Aged Garlic Extract, AGE). Die Dosen reichten typischerweise von 300 mg bis 900 mg Knoblauchpulver pro Tag über mehrere Wochen. Weil aber jedes Präparat anders standardisiert ist und der Allicin-Gehalt stark schwankt, lassen sich Ergebnisse zwischen den Studien nur eingeschränkt vergleichen.

Ehrlich gesagt: Was die Forschung bisher nicht liefert, ist ein einfacher Beweis nach dem Schema "Menge X täglich = messbarer Effekt Y beim gesunden Erwachsenen". Die beiden hier zitierten Übersichtsarbeiten machen genau das deutlich — sie beschreiben ein breites Spektrum untersuchter Aktivitäten, ohne für den Endverbraucher konkrete Wirkversprechen abzuleiten. Wer Knoblauch als Lebensmittel isst, tut das in erster Linie wegen Geschmack und Küchentradition.

Interessant ist auch der Blick auf die Formen: Frischer, roher Knoblauch enthält das höchste Allicin-Potenzial, verliert aber beim Erhitzen einen Großteil davon. Gealterter Knoblauch-Extrakt enthält kaum Allicin, dafür wasserlösliche Verbindungen wie S-Allyl-Cystein, das im Review von Shang et al. 2019 als besonders stabile Substanz erwähnt wird. Getrocknetes Knoblauchpulver liegt irgendwo dazwischen. Diese Vielfalt macht Knoblauch aus wissenschaftlicher Sicht spannend — und aus Verbrauchersicht unübersichtlich.

Wirkung

Zwei Übersichtsarbeiten — El-Saber Batiha et al. (Nutrients 2020) und Shang et al. (Foods 2019) — fassen präklinische und klinische Untersuchungen zu Knoblauch und seinen schwefelhaltigen Verbindungen wie Allicin, Ajoen und S-Allyl-Cystein zusammen. Beschrieben werden untersuchte Aktivitäten in den Bereichen Antioxidation, antibakterielle und antifungale Effekte sowie kardiovaskuläre Fragestellungen. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben der EU zu Allicin oder Knoblauch existieren nicht.

Dosierung

In klinischen Studien wurden typischerweise 300 bis 900 mg standardisiertes Knoblauchpulver pro Tag über mehrere Wochen eingesetzt. Frischer Knoblauch enthält je nach Sorte 5 bis 14 mg Alliin pro Gramm; eine mittelgroße Zehe (3 bis 4 g) bringt es damit auf rund 15 bis 56 mg Alliin. Weil sich Präparate in Zubereitung und Allicin-Freisetzung stark unterscheiden, sind Studienergebnisse nur bedingt übertragbar.

Natürliche Quellen

Knoblauch (Allium sativum)

Wissenschaftliche Quellen

El-Saber Batiha et al., Nutrients 2020, doi:10.3390/nu12030872 Shang et al., Foods (Basel, Switzerland) 2019, doi:10.3390/foods8070246

Häufige Fragen

Was ist Allicin genau?

Allicin ist eine schwefelhaltige Verbindung, die entsteht, wenn eine Knoblauchzelle verletzt wird — beim Schneiden, Pressen oder Kauen. Dabei trifft das geruchlose Alliin auf das Enzym Alliinase, und Allicin bildet sich innerhalb von Sekunden. Im Review von Shang et al. (Foods 2019) wird Allicin als eine der zentralen bioaktiven Substanzen im Knoblauch beschrieben.

Verliert Knoblauch beim Kochen seine Wirkstoffe?

Hitze deaktiviert das Enzym Alliinase, wodurch aus Alliin kein Allicin mehr entsteht. Ein bekannter Küchentipp: den Knoblauch hacken oder pressen und etwa 10 Minuten ruhen lassen, bevor er in die Pfanne kommt. So kann sich Allicin vorher bilden und ist danach hitzestabiler.

Roher oder gegarter Knoblauch — was ist besser?

Roher Knoblauch enthält das höchste Allicin-Potenzial. Gegarter Knoblauch schmeckt milder und ist bekömmlicher, verliert aber einen Teil der frisch gebildeten Verbindungen. Gealterter Knoblauch-Extrakt (AGE) enthält kaum Allicin, dafür stabile Verbindungen wie S-Allyl-Cystein.

Wieviel Knoblauch am Tag ist üblich?

In den in den Reviews zitierten Studien lagen Dosierungen häufig bei 300 bis 900 mg Knoblauchpulver pro Tag. Für den Küchengebrauch ist eine bis zwei Zehen täglich eine gängige Menge — das entspricht rechnerisch etwa 15 bis 112 mg Alliin.

Warum riecht Knoblauch so stark?

Der Geruch stammt von den schwefelhaltigen Abbauprodukten von Allicin, unter anderem Diallyldisulfid und Diallyltrisulfid. Diese Verbindungen werden über Lunge und Haut ausgeschieden, weshalb Knoblauchgeruch noch Stunden nach dem Essen wahrnehmbar sein kann.

Ist gealterter Knoblauch (Aged Garlic Extract) dasselbe?

Nein. Beim gealterten Knoblauch-Extrakt reifen geschälte Zehen über Monate in Ethanol-Wasser-Lösung. Dabei entstehen wasserlösliche Verbindungen wie S-Allyl-Cystein, die im Review von Shang et al. 2019 gesondert erwähnt werden. Allicin dagegen ist in AGE kaum enthalten.

Gibt es EU-zugelassene Health Claims für Knoblauch?

Nein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat bislang keine gesundheitsbezogenen Angaben zu Allicin oder Knoblauch offiziell zugelassen. Vorhandene Studien werden in Übersichtsarbeiten diskutiert, ergeben aber keine bestätigten Wirkaussagen für Lebensmittel.

Auf einen Blick

Kategorie
Pflanzenextrakte
Auch bekannt als
Allium sativum, Knobi
Tags
PflanzenextraktHerz-KreislaufImmunsystemAntioxidans