Die Mariendistel (Silybum marianum) gehört zu den Korbblütlern und wird laut der Übersichtsarbeit von Abenavoli et al. (Phytotherapy Research, 2018) seit rund 2.000 Jahren als Heilpflanze verwendet. Die medizinisch interessanten Bestandteile sitzen nicht in Blatt oder Wurzel, sondern in den Früchten — botanisch korrekt sind das keine Samen, auch wenn sie umgangssprachlich so heissen. Diese Früchte enthalten ein Gemisch aus Flavonolignanen, das zusammengefasst Silymarin heisst. Der Hauptbestandteil davon ist Silybin, auch Silibinin genannt.
Was macht Silymarin für die Wissenschaft interessant? Abenavoli und Kollegen fassen die untersuchten pharmakologischen Eigenschaften zusammen: antioxidativ, entzündungsmodulierend, immunmodulierend, antifibrotisch und leberregenerierend — jeweils im präklinischen Modell. Klinisch wurden Silymarin-Präparate bei alkoholischer Leberkrankheit, nichtalkoholischer Fettleber, viraler Hepatitis, arzneimittelbedingten Leberschäden und Knollenblätterpilz-Vergiftung geprüft. Die Autoren ziehen ein ehrliches Fazit: Trotz vielversprechender Vorstudien braucht es weitere gut konzipierte, randomisierte klinische Studien, um den tatsächlichen Nutzen von Mariendistel-Präparaten bei Lebererkrankungen abschliessend zu belegen. Das ist Forschung, nicht Wirkversprechen.
Ein Wort zur Bioverfügbarkeit, das in der Übersichtsarbeit ebenfalls diskutiert wird: Silybin löst sich schlecht in Wasser. Das ist der Grund, warum Extrakte standardisiert werden und warum die Silymarin-Menge in Milligramm angegeben wird, nicht das Gewicht der zerkleinerten Frucht. Ein Blick auf die Produktangaben bei Leberkraft.com zeigt: 80 Milligramm Mariendistel-Extrakt liefern 1,5 Milligramm Silymarin. Das entspricht einem Silymarin-Anteil von rund 1,9 Prozent im Extrakt — deutlich weniger als die 70- bis 80-prozentigen Standardisierungen, die in vielen klinischen Studien eingesetzt wurden. In den in der Übersichtsarbeit erwähnten Untersuchungen kamen üblicherweise Silymarin-Dosen im dreistelligen Milligrammbereich pro Tag zum Einsatz. Wer also die Silymarin-Menge einer Studiendosis erreichen wollte, müßte ein Vielfaches der Tagesration nehmen. Das Produkt kombiniert die Mariendistel mit Artischocke (480 Milligramm Extrakt, davon 32,5 Milligramm Cynarin), Reishi (60 Milligramm), Ginseng und Curcuma — das mengenmäßige Schwergewicht liegt hier eindeutig auf der Artischocke, nicht auf der Mariendistel.
Synonyme für die Pflanze gibt es viele: Christi Krone, Donnerdistel, Fraündistel, Stechkörner. Der lateinische Name Silybum marianum verweist der Legende nach auf die Jungfrau Maria — die weissen Flecken auf den Blättern sollen von ihrer Muttermilch stammen, daher auch der deutsche Name Mariendistel und der englische Milk thistle. Botanisch ist sie eine ein- bis zweijährige Pflanze, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt und heute bis nach Mitteleuropa und Nordamerika verbreitet ist.
Wichtig zur Einordnung: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für Silymarin keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. In der EU darf ein Nahrungsergänzungsmittel mit Mariendistel-Extrakt daher nicht mit einer Leberwirkung beworben werden. Was die Forschung diskutiert und was ein Hersteller auf die Verpackung schreiben darf, sind zwei verschiedene Ebenen. Die Übersichtsarbeit von Abenavoli et al. beschreibt einen Forschungsstand — sie ist kein Freibrief für Heilaussagen. Wer die Studienlage kennen will, findet sie unter der DOI 10.1002/ptr.6171. Und wer wissen will, was in der eigenen Kapsel steckt, rechnet die Milligramm-Angabe des Herstellers durch — bei Leberkraft.com sind es die genannten 1,5 Milligramm Silymarin pro Portion in einer Formel, die vor allem auf Artischocke setzt.
Wirkung
In der Übersichtsarbeit von Abenavoli et al. (Phytotherapy Research, 2018) werden für Silymarin antioxidative, entzündungsmodulierende, antifibrotische und leberregenerierende Eigenschaften diskutiert — untersucht wurden diese bei alkoholischer Leberkrankheit, Fettleber, Hepatitis und Knollenblätterpilz-Vergiftung. Die Autoren betonen ausdrücklich, dass trotz vielversprechender Vorstudien weitere gut konzipierte randomisierte klinische Studien nötig sind, um den tatsächlichen Nutzen abschliessend zu belegen. Eine EU-zugelassene gesundheitsbezogene Angabe für Silymarin existiert nicht.
Dosierung
Leberkraft.com gibt pro Tagesdosis 80 Milligramm Mariendistel-Extrakt mit 1,5 Milligramm Silymarin an. In den in der Übersichtsarbeit von Abenavoli et al. (2018) erwähnten klinischen Untersuchungen wurden üblicherweise standardisierte Silymarin-Präparate im dreistelligen Milligrammbereich eingesetzt — die Produktdosis liegt also deutlich unter typischen Studiendosen.
Natürliche Quellen
Früchte (Samen) der Mariendistel, standardisierte Extrakte in Nahrungsergänzungsmitteln.
Wissenschaftliche Quellen
Abenavoli et al., Phytotherapy Research 2018, DOI: 10.1002/ptr.6171
Häufige Fragen
Was ist Silymarin überhaupt?
Silymarin ist kein einzelner Stoff, sondern ein Gemisch aus Flavonolignanen, das in den Früchten der Mariendistel vorkommt. Hauptbestandteil ist Silybin, auch Silibinin genannt (Abenavoli et al., 2018).
Wieviel Silymarin steckt in einer Portion Leberkraft.com?
Laut Herstellerangabe 1,5 Milligramm Silymarin bei 80 Milligramm Mariendistel-Extrakt. Der Silymarin-Anteil im Extrakt liegt damit bei etwa 1,9 Prozent.
Ist Mariendistel wissenschaftlich untersucht?
Ja, die Übersichtsarbeit von Abenavoli et al. in Phytotherapy Research (2018) fasst Untersuchungen bei alkoholischer Leberkrankheit, Fettleber, viraler Hepatitis und Knollenblätterpilz-Vergiftung zusammen. Die Autoren fordern jedoch weitere gut konzipierte randomisierte Studien.
Warum wird Mariendistel oft mit Artischocke kombiniert?
Beide Pflanzen werden traditionell im Zusammenhang mit der Leber diskutiert. Bei Leberkraft.com stellt die Artischocke mit 480 Milligramm Extrakt sogar den mengenmäßig größten Anteil, die Mariendistel liegt bei 80 Milligramm.
Warum ist Silymarin so schwer aufzunehmen?
Silybin löst sich schlecht in Wasser, was die Bioverfügbarkeit einschränkt. Aus diesem Grund werden Extrakte standardisiert und die Silymarin-Menge in Milligramm ausgewiesen (Abenavoli et al., 2018).
Woher stammt der Name Mariendistel?
Der Legende nach gehen die weissen Flecken auf den Blättern auf Muttermilch der Jungfrau Maria zurück. Daher auch der englische Name Milk thistle und die botanische Bezeichnung Silybum marianum.
Gibt es eine offizielle Wirkaussage für Silymarin in der EU?
Nein. Die EU hat keine gesundheitsbezogene Angabe für Silymarin zugelassen. Berichte über Wirkungen beziehen sich immer auf den Forschungsstand, nicht auf zugelassene Health Claims.


