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Weihrauch (Boswellia)

Weihrauch, das Harz des Boswellia-Baumes, ist für seine starken entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt und wird traditionell bei Gelenkerkrankungen wie Arthrose und entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt.

Weihrauch (Boswellia)
Aus dem Stamm des Boswellia-Baumes tritt bei Verletzung ein milchiger Saft aus, der an der Luft zu goldgelben bis rotbraunen Harztränen erhärtet. Diese Tränen sind das, was seit Jahrtausenden als Weihrauch gehandelt wird. Der Baum wächst nicht auf Plantagen im klassischen Sinn, sondern in trockenen, felsigen Bergregionen — in Indien, im Oman, im Jemen sowie am Horn von Afrika in Somalia, Äthiopien und Eritrea. Für die Ernte werden mit einem speziellen Messer flache Schnitte in die Rinde gesetzt. Das Harz braucht mehrere Wochen zum Trocknen, bevor es abgekratzt und nach Farbe, Reinheit und Geruch sortiert wird.

Botanisch gehört Weihrauch zur Gattung Boswellia, die etwa zwei Dutzend Arten umfasst. Für die Forschung besonders relevant ist Boswellia serrata, der Indische Weihrauch. Sein Harz enthält eine Gruppe pentazyklischer Triterpensäuren, die Boswelliasäuren, von denen bislang etwa ein Dutzend beschrieben sind. Die pharmakologisch am meisten untersuchte ist die 3-O-Acetyl-11-keto-beta-Boswelliasäure, kurz AKBA. Sie macht im ungereinigten Harz meist nur wenige Prozent aus, in standardisierten Extrakten wird ihr Anteil oft angehoben.

Wer sich mit dem Forschungsstand befasst, stößt auf zwei Anwendungsfelder, in denen Boswellia-Extrakte klinisch am besten dokumentiert sind: Kniearthrose und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Yu et al. veröffentlichten 2020 in BMC Complementary Medicine and Therapies eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zu Boswellia bei Osteoarthrose. Die Autoren beschreiben Boswellia serrata darin als potentiell entzündungshemmenden Wirkstoff, der bei OA untersucht wird — und weisen zugleich darauf hin, dass es für Osteoarthrose bis heute keine ursächliche Behandlung gibt. Eine ältere Monographie zu Boswellia serrata erschien 2008 in Alternative Medicine Review und fasst die pharmakologischen Daten und traditionellen Anwendungen zusammen.

Wichtig für die Einordnung: Eine Meta-Analyse ist kein Beweis für eine Heilwirkung, sondern ein statistischer Überblick über vorhandene Einzelstudien. Die Studienlage ist heterogen, die eingesetzten Extrakte unterscheiden sich in AKBA-Gehalt, Dosierung und Studiendauer. Für die EU bedeutet das: Es gibt keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zu Weihrauch. Kein Hersteller darf damit werben, dass sein Produkt gegen Arthrose, Colitis, Asthma oder sonst etwas hilft — unabhängig davon, was in Publikationen steht.

In typischen klinischen Studien wurden Tagesdosen zwischen 300 und 1.200 Milligramm standardisiertem Boswellia-Extrakt eingesetzt, aufgeteilt auf zwei bis drei Einzelgaben, über Studienzeiträume von meist acht bis zwölf Wochen. Die Angaben schwanken deutlich, weil sich Extrakte im Boswelliasäure-Gehalt unterscheiden. Ein Extrakt mit 65 Prozent Boswelliasäuren liefert bei 400 Milligramm rund 260 Milligramm Säurenanteil, ein 40-Prozent-Extrakt bei gleicher Kapselgröße nur 160 Milligramm. Wer Produkte vergleicht, sollte deshalb weniger auf die Kapselgröße schauen als auf den standardisierten Wirkstoffgehalt.

Traditionell wird Weihrauchharz nicht nur medizinisch, sondern auch rituell verwendet. Verbrannt auf Kohle setzt es ätherische Öle frei, darunter Alpha-Pinen, Limonen und verschiedene Boswellenole. Diese Verbindungen sind für den charakteristischen, harzig-zitrischen Duft verantwortlich. Ein Kilogramm hochwertiges Hojari-Harz aus dem Dhofar-Gebirge im Oman kann im Direkthandel deutlich teurer sein als einfache indische Handelsware — ein Hinweis darauf, wie stark Herkunft und Qualität den Preis bestimmen.

Bei der Einnahme von Boswellia-Extrakten in Kapselform ist zu wissen: Boswelliasäuren sind fettlöslich und werden zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit besser aufgenommen. In einigen Studien wurden spezielle Formulierungen mit Lecithin oder Emulgatoren verwendet, um die Bioverfügbarkeit zu erhöhen. Standardpulver ohne solche Aufbereitung erreicht im Blut nur einen Bruchteil der theoretisch möglichen Konzentration.

Was die Forschung ausdrücklich nicht zeigt: Es gibt keine belastbaren Daten, dass Boswellia bereits vorhandene Knorpelschäden rückgängig macht oder eine Arthrose ursächlich behandelt. Auch Langzeitdaten über mehrere Jahre sind rar. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten — insbesondere mit blutverdünnenden Substanzen und Immunsuppressiva — sind nicht vollständig geklärt, weshalb bei bestehender Medikation eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sinnvoll ist. Für Schwangere, Stillende und Kinder liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor.

Wirkung

Yu et al. veröffentlichten 2020 in BMC Complementary Medicine and Therapies eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zu Boswellia bei Osteoarthrose und beschreiben den Extrakt als potentiellen entzündungshemmenden Wirkstoff, der in klinischen Studien untersucht wurde. Eine Monographie in Alternative Medicine Review 2008 fasst die pharmakologischen Daten und traditionellen Anwendungen von Boswellia serrata zusammen. Für die EU besteht keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe.

Dosierung

In klinischen Studien wurden meist Tagesdosen zwischen 300 und 1.200 Milligramm standardisiertem Boswellia-Extrakt über acht bis zwölf Wochen eingesetzt, aufgeteilt auf zwei bis drei Einzelgaben. Der tatsächliche Gehalt an Boswelliasäuren variiert stark: Ein Extrakt mit 65 Prozent Säurengehalt liefert bei 400 Milligramm rund 260 Milligramm, ein 40-Prozent-Extrakt bei gleicher Menge nur 160 Milligramm. Da Boswelliasäuren fettlöslich sind, wird die Aufnahme durch die Einnahme zu einer fetthaltigen Mahlzeit verbessert.

Natürliche Quellen

Weihrauchbäume wachsen in trockenen Bergregionen Indiens, Arabiens (Oman, Jemen) und am Horn von Afrika (Somalia, Äthiopien, Eritrea).

Wissenschaftliche Quellen

Yu et al., BMC Complementary Medicine and Therapies 2020, 10.1186/s12906-020-02985-6 Boswellia serrata. Monograph. Alternative Medicine Review 2008

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Weihrauchharz und Weihrauch-Extrakt?

Das Harz ist das getrocknete Ausflussprodukt des Baumes und wird traditionell verbrannt oder gekaut. Ein Extrakt wird aus dem Harz mit Lösungsmitteln gewonnen und meist auf einen bestimmten Gehalt an Boswelliasäuren standardisiert, häufig zwischen 40 und 85 Prozent. Für Kapseln wird fast immer standardisierter Extrakt verwendet, weil sich die Wirkstoffkonzentration so vergleichen lässt.

Warum wird oft Boswellia serrata und nicht Boswellia sacra verwendet?

Boswellia serrata aus Indien ist am besten pharmakologisch untersucht und liefert Extrakte mit relativ konstantem Boswelliasäure-Profil. Boswellia sacra aus dem Oman und Jemen wird eher für hochwertige Räucherharze wie Hojari verwendet. Beide Arten enthalten Boswelliasäuren, aber in unterschiedlicher Zusammensetzung.

Wie sollte man Weihrauch-Kapseln einnehmen?

Boswelliasäuren sind fettlöslich. Die Einnahme zu einer Mahlzeit, die etwas Fett enthält, verbessert die Aufnahme. In Studien wurde meist auf zwei bis drei Einzeldosen über den Tag aufgeteilt.

Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?

Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Medikamenten und Immunsuppressiva sind nicht abschließend geklärt, aber möglich. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Einnahme mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Was bedeutet AKBA?

AKBA steht für 3-O-Acetyl-11-keto-beta-Boswelliasäure und ist die pharmakologisch am intensivsten untersuchte Boswelliasäure. Im ungereinigten Harz macht sie meist nur wenige Prozent aus, in speziell aufbereiteten Extrakten wird ihr Anteil gezielt angehoben.

Woran erkennt man hochwertiges Weihrauchharz?

Hochwertiges Harz ist hell bis goldgelb, harte, klare Tränen ohne Rindenreste. Das Hojari-Harz aus dem Dhofar-Gebirge im Oman gilt als besonders wertvoll. Für die Innere Anwendung ist allerdings der standardisierte Extrakt aussagekräftiger als das Aussehen des Harzes.

Kann man Weihrauch bedenkenlos in der Schwangerschaft nehmen?

Für Schwangere, Stillende und Kinder liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Aus diesem Grund wird in diesen Lebensphasen von der Einnahme abgeraten.

Auf einen Blick

Kategorie
Pflanzenextrakte
Auch bekannt als
Boswellia serrata, Indischer Weihrauch, Olibanum, Frankincense
Tags
EntzündungshemmendArthroseGelenkeBoswelliaPflanzenextrakt