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Lavendel

Lavendel ist für seine beruhigenden und entspannenden Eigenschaften bekannt. Er wird traditionell zur Linderung von Unruhe, Angstzuständen und Schlafstörungen eingesetzt.

Lavendel
Im Sommer, wenn die Provence violett leuchtet, stammt dieses Bild von einer einzigen Pflanzenart: Lavandula officinalis, dem Echten Lavendel. Botanisch gehört er zu den Lippenblütlern und wächst als kleiner, verholzender Halbstrauch, der bis zu einem Meter hoch wird. Heimisch ist er im Mittelmeerraum, heute wird er aber weltweit in gemäßigten Klimazonen angebaut, unter anderem in Bulgarien, Frankreich, England und Teilen Osteuropas.

Geerntet werden die Blütenrispen kurz vor der Vollblüte, weil dann der Gehalt an ätherischem Öl am höchsten ist. Das Öl selbst wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen und ist der Grund, warum Lavendel überhaupt so bekannt ist. Die Ausbeute ist gering: Aus etwa 100 Kilogramm frischen Blüten entstehen je nach Sorte und Erntejahr rund 300 bis 500 Gramm ätherisches Öl. Das erklärt auch, warum echtes Lavendelöl ein deutlich anderer Preis ist als synthetisch nachgebauter Duftstoff.

Neben Lavandula officinalis existieren mehrere verwandte Arten. Der Speiklavendel (Lavandula latifolia) enthält deutlich mehr Kampfer und riecht dadurch schärfer, medizinischer. Der Lavandin, eine Kreuzung aus beidem, liefert höhere Ölmengen pro Hektar, hat aber ein anderes Duftprofil. Wenn auf einem Produkt schlicht "Lavendel" steht, lohnt sich der Blick auf den botanischen Namen im Kleingedruckten.

Der Duft, den man mit Lavendel verbindet, entsteht vor allem durch zwei Hauptbestandteile des ätherischen Öls: Linalool und Linalylacetat. Zusammen machen diese beiden Verbindungen bei gutem Öl aus Lavandula officinalis oft 60 bis 80 Prozent der gesamten Zusammensetzung aus. Daneben finden sich weitere Terpene wie Ocimen, Terpinen-4-ol und geringe Mengen Kampfer.

Zur Forschungslage: Eine Arbeit von Fahmy et al. in Asian Pacific Journal of Cancer Prevention 2022 hat das ätherische Öl von Lavandula officinalis chemisch per GC/MS charakterisiert und in Zellkulturmodellen getestet. Untersucht wurde das Öl gegen sechs menschliche Krebszelllinien: Leber (HepG2), Prostata (PC3), Lunge (A549), Haut (A431), Dickdarm (HCT116) und Brust (MCF7). Zusätzlich wurde geprüft, wie das Öl auf genotoxische Effekte des Chemotherapeutikums Cyclophosphamid wirkt. Das sind Ergebnisse aus Zellversuchen und Tiermodellen, nicht aus klinischen Studien an Menschen. Sie sagen also nichts darüber aus, ob ein Tee, ein Ölauszug oder ein Duftsäckchen aus Lavendel beim Menschen dieselben Effekte auslösen würden. Das ist ein wichtiger Unterschied, der in populären Texten oft verwischt wird.

In der Küche spielt Lavendel eine kleine, aber eigene Rolle. Die Provence-Mischung "Herbes de Provence" enthält traditionell einen Anteil getrocknete Lavendelblüten, meist zwischen 5 und 10 Prozent der Kräutermischung. Man findet ihn in Sirup, in Schokolade, in Honig aus Lavendelfeldern und gelegentlich in Backwaren. Wichtig: Es sind die Blüten der Speisesorten, nicht das reine ätherische Öl. Konzentriertes Öl gehört nicht auf einen Teelöffel.

Getrocknete Lavendelblüten für Aufgüsse werden üblicherweise mit etwa 1 bis 2 Gramm pro Tasse (250 ml) dosiert, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen. Ein gehäufter Teelöffel entspricht ungefähr 1,5 Gramm getrockneter Blüten. Wer also einen Beutel mit 50 Gramm kauft, hat rechnerisch Material für rund 25 bis 33 Tassen.

Als Zierpflanze und in der Imkerei ist Lavendel ebenfalls von Bedeutung. Ein Quadratmeter blühender Lavendel produziert nach Angaben französischer Imkerverbände Nektar für etwa ein Gramm Honig. Ein Hektar Anbaufläche kann in einem guten Jahr 20 bis 40 Kilogramm reinen Lavendelhonig liefern.

Beim Anbau im Garten braucht Lavendel durchlässigen, eher trockenen Boden und volle Sonne. Staunässe verträgt er nicht. Nach der Blüte im Sommer wird zurückgeschnitten, aber nur ins junge Holz. Wer zu tief schneidet, verliert die Pflanze. Ein Strauch hält bei guter Pflege 10 bis 15 Jahre, wird dann aber innen verholzt und trägt weniger Blüten.

Kurz gesagt: Lavendel ist mehr als ein Duft. Er ist eine Pflanze mit einer engen ökologischen Nische, einer definierten Chemie und einer Forschungsgeschichte, die noch längst nicht abgeschlossen ist.

Wirkung

Eine Arbeit von Fahmy et al. in Asian Pacific Journal of Cancer Prevention 2022 hat das ätherische Öl von Lavandula officinalis chemisch analysiert und in Zellkulturen an sechs Krebszelllinien sowie im Zusammenhang mit dem Chemotherapeutikum Cyclophosphamid untersucht. Es handelt sich um Ergebnisse aus Zell- und Labormodellen, nicht um klinische Studien am Menschen. Aussagen zur Wirkung beim Verzehr durch Menschen lassen sich daraus nicht ableiten.

Dosierung

Für Aufgüsse aus getrockneten Lavendelblüten werden traditionell etwa 1 bis 2 Gramm pro Tasse (250 ml) verwendet, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen. Ein gehäufter Teelöffel entspricht ungefähr 1,5 Gramm. In der Küche steckt in Herbes-de-Provence-Mischungen meist 5 bis 10 Prozent Lavendelblüte. Konzentriertes ätherisches Öl ist keine Küchenzutat und wird nicht innerlich in Teelöffelmengen eingesetzt.

Natürliche Quellen

Lavendel ist im Mittelmeerraum heimisch, wird aber heute weltweit in gemäßigten Klimazonen angebaut.

Wissenschaftliche Quellen

Fahmy et al., Asian Pacific Journal of Cancer Prevention 2022, DOI: 10.31557/APJCP.2022.23.4.1215

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lavendel und Lavandin?

Lavendel (Lavandula officinalis) ist die reine Art aus dem Mittelmeerraum. Lavandin ist eine Kreuzung aus Echtem Lavendel und Speiklavendel. Lavandin liefert mehr Öl pro Hektar, enthält aber deutlich mehr Kampfer und riecht schärfer, weniger blumig.

Kann ich Lavendel in der Küche verwenden?

Ja, aber nur die getrockneten Blüten aus Lebensmittelqualität, nicht das konzentrierte ätherische Öl. In der klassischen Herbes-de-Provence-Mischung sind rund 5 bis 10 Prozent Lavendelblüten enthalten. Auch in Sirup, Backwaren und Honig findet er Verwendung.

Wie viel Tee kann ich aus 50 Gramm getrockneten Blüten machen?

Bei 1,5 bis 2 Gramm pro Tasse reicht ein 50-Gramm-Beutel für rund 25 bis 33 Tassen. Die Blüten werden mit heißem Wasser übergossen und ziehen 5 bis 10 Minuten.

Woran erkenne ich hochwertiges Lavendelöl?

Auf dem Etikett sollte der botanische Name Lavandula officinalis (auch Lavandula angustifolia) stehen, nicht nur "Lavendel". Der Anteil von Linalool und Linalylacetat zusammen liegt bei gutem Öl aus dieser Art meist zwischen 60 und 80 Prozent. Herkunftsangabe und Chargennummer sind ein zusätzliches Zeichen für Transparenz.

Wächst Lavendel auch in Deutschland?

Ja, Lavendel wird in vielen deutschen Gärten kultiviert und wächst gut auf trockenen, sonnigen Standorten mit durchlässigem Boden. Er verträgt milde Winter, braucht aber Winterschutz in rauen Lagen. Staunässe ist der häufigste Grund, warum Pflanzen im Garten eingehen.

Wie lange lebt eine Lavendelpflanze?

Bei guter Pflege und regelmäßigem Rückschnitt nach der Blüte hält ein Strauch 10 bis 15 Jahre. Danach verholzt er innen zunehmend und blüht weniger. Wichtig: Nie ins alte Holz schneiden, das verzeiht die Pflanze meist nicht.

Wie viel Öl steckt eigentlich in Lavendelblüten?

Aus rund 100 Kilogramm frisch geernteten Blüten werden je nach Sorte und Jahr etwa 300 bis 500 Gramm ätherisches Öl gewonnen. Das erklärt den vergleichsweise hohen Preis von echtem Lavendelöl gegenüber synthetischen Duftstoffen.

Auf einen Blick

Kategorie
Pflanzenextrakte
Auch bekannt als
Echter Lavendel, Schmalblättriger Lavendel, Lavandula officinalis
Tags
BeruhigungSchlafStressabbauPflanzenextraktNaturheilkunde