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Ginkgo biloba

Ginkgo biloba ist einer der ältesten Bäume der Welt. Sein Extrakt wird traditionell zur Förderung der Durchblutung und zur Unterstützung der kognitiven Funktionen wie Gedächtnis und Konzentration eingesetzt.

Ginkgo biloba
Der Ginkgo-Baum ist ein lebendes Fossil. Fossilfunde seiner charakteristischen fächerförmigen Blätter reichen rund 200 Millionen Jahre zurück, in eine Zeit, in der noch Dinosaurier lebten. Alle heute bekannten Verwandten sind ausgestorben — Ginkgo biloba ist die einzige überlebende Art einer ganzen Pflanzenordnung. Das erklärt auch den Beinamen "Fächerblattbaum": Kein anderer heute lebender Baum hat solche Blätter.

Ursprünglich stammt Ginkgo aus China, wo einzelne Exemplare in Klostergärten mehr als 1.000 Jahre alt geworden sind. Über Japan und die niederländische Ostindien-Kompanie kam der Baum im 18. Jahrhundert nach Europa. Heute wächst er weltweit als Zier- und Alleebaum, unter anderem deshalb, weil er extrem robust gegen Luftverschmutzung, Schädlinge und selbst gegen Strahlung ist. Vier Ginkgos überlebten in unmittelbarer Nähe der Atombombe von Hiroshima und trieben im Folgejahr wieder aus.

Für die Anwendung als Extrakt werden die grünen Blätter im Spätsommer geerntet, getrocknet und mit Lösungsmitteln aufgeschlossen. Der in den meisten Studien untersuchte Standardextrakt heißt EGb761 und ist auf einen bestimmten Gehalt an Flavonglykosiden und Terpenlactonen (Ginkgoliden und Bilobalid) eingestellt. Um diese Konzentration zu erreichen, werden etwa 50 Kilogramm Blätter für 1 Kilogramm Extrakt eingesetzt — ein Verhältnis von rund 50:1.

Zum Forschungsstand: Ginkgo biloba gehört zu den weltweit am häufigsten untersuchten Pflanzenextrakten. Diamond & Bailey berichteten 2013 in The Psychiatric Clinics of North America, dass in klinischen Studien Tagesdosierungen zwischen 80 und 720 mg über Zeiträume von 2 Wochen bis 2 Jahren eingesetzt wurden, überwiegend bei Fragestellungen rund um Kognition, altersbedingte Demenz, zerebrale Durchblutungsstörungen und Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit). Als diskutierte Wirkmechanismen nennen die Autoren eine Steigerung der zerebralen Durchblutung sowie antioxidative Eigenschaften; die thrombozytenhemmende Wirkung wird den Flavonen und Terpenlactonen zugeschrieben.

Die Datenlage ist allerdings nicht einheitlich. Tan et al. betonten 2015 in der systematischen Übersichtsarbeit im Journal of Alzheimer's Disease, dass Nutzen und Nebenwirkungen von EGb761 bei kognitiver Beeinträchtigung und Demenz weiterhin kontrovers diskutiert werden. Auch Singh et al. schrieben 2019 in Neurotherapeutics, dass die Wirksamkeit bei Prävention und Behandlung von Demenz umstritten bleibt — insbesondere gebe es kaum Daten dazu, ob Ginkgo einen zusätzlichen Effekt bringt, wenn Patienten bereits eine konventionelle Antidementiva-Therapie erhalten. Sierpina et al. hatten 2003 in American Family Physician noch positiver formuliert: Systematische Reviews deuteten darauf hin, dass der Extrakt Demenz-Symptome bessern könne. Eine frühe Übersichtsarbeit dazu erschien bereits 1992 im Lancet (Kleijnen & Knipschild).

Was man aus dieser Studienlandschaft konkret mitnehmen kann: In den positiven Studien wurde fast durchgängig der standardisierte Extrakt EGb761 verwendet, nicht Blattpulver oder Tee. Rechnet man die typische Studiendosis von 240 mg Extrakt auf frisches Pflanzenmaterial um, entspricht das mit dem 50:1-Verhältnis rechnerisch etwa 12 Gramm Ginkgoblättern täglich. Das erklärt, warum ein Aufguss aus wenigen Blättern nicht mit einem konzentrierten Extrakt vergleichbar ist.

Wichtig zu wissen sind auch Wechselwirkungen. Diamond & Bailey nannten 2013 mögliche Interaktionen mit MAO-Hemmern, Alprazolam, Haloperidol, Warfarin und Nifedipin. Sierpina et al. wiesen 2003 darauf hin, dass Ginkgo in Kombination mit Warfarin, Thrombozytenaggregationshemmern und bestimmten anderen pflanzlichen Präparaten das Blutungsrisiko erhöhen kann. Vor Operationen wird der Extrakt in vielen klinischen Empfehlungen deshalb einige Tage vorher abgesetzt.

Was die Forschung nicht zeigt: Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür, dass Ginkgo bei gesunden jungen Menschen das Gedächtnis "steigert" oder Prüfungsleistung verbessert. Die untersuchten Effekte betreffen fast ausschließlich ältere Personen mit bereits bestehenden Einschränkungen. Auch fehlen bis heute klare Antworten auf die von Diamond & Bailey aufgeworfenen Fragen: optimale Dosis, optimale Therapiedauer, Langzeiteffekte und der beste Zeitpunkt für einen Beginn.

In der Küche spielt Ginkgo in Europa keine Rolle. In Ostasien werden die Samen (nicht die Blätter) geröstet gegessen, allerdings nur in kleinen Mengen — sie enthalten toxische Ginkgotoxin-Verbindungen. Die Blätter selbst schmecken bitter und werden nicht als Lebensmittel verzehrt, sondern ausschließlich zu Extrakten oder Tees verarbeitet.

Wirkung

Diamond & Bailey beschrieben 2013 in The Psychiatric Clinics of North America als in Studien diskutierte Mechanismen eine Steigerung der zerebralen Durchblutung sowie antioxidative und thrombozytenhemmende Effekte. Tan et al. (Journal of Alzheimer's Disease 2015) und Singh et al. (Neurotherapeutics 2019) kamen jedoch zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit bei kognitiver Beeinträchtigung und Demenz weiterhin kontrovers diskutiert wird. Bei Gesunden liegen keine überzeugenden Belege für eine Gedächtnissteigerung vor.

Dosierung

In klinischen Studien wurden laut Diamond & Bailey (2013) Tagesdosen zwischen 80 und 720 mg des standardisierten Extrakts EGb761 eingesetzt, über Zeiträume von 2 Wochen bis 2 Jahren. Am häufigsten kamen 120 bis 240 mg pro Tag zum Einsatz. Nicht-standardisierte Zubereitungen wie Tee aus Blättern erreichen diese Konzentrationen an Flavonglykosiden und Terpenlactonen rechnerisch nicht.

Natürliche Quellen

Der Ginkgo-Baum stammt ursprünglich aus China, wird aber heute weltweit als Zierbaum angepflanzt.

Wissenschaftliche Quellen

Diamond & Bailey, The Psychiatric Clinics of North America 2013, DOI: 10.1016/j.psc.2012.12.006 Singh et al., Neurotherapeutics 2019, DOI: 10.1007/s13311-019-00767-8 Sierpina et al., American Family Physician 2003 Kleijnen & Knipschild, Lancet 1992, DOI: 10.1016/0140-6736(92)93158-j Tan et al., Journal of Alzheimer's Disease 2015, DOI: 10.3233/JAD-140837

Häufige Fragen

Was ist EGb761?

EGb761 ist der Name des standardisierten Ginkgo-Extrakts, der in den meisten klinischen Studien untersucht wurde. Er ist auf einen definierten Gehalt an Flavonglykosiden und Terpenlactonen eingestellt. Wenn in Publikationen von "Ginkgo" die Rede ist, meinen sie fast immer diesen Extrakt und nicht Blätter oder Tee.

Kann ich Ginkgo mit blutverdünnenden Medikamenten kombinieren?

Sierpina et al. (2003) und Diamond & Bailey (2013) beschreiben ein erhöhtes Blutungsrisiko bei Kombination mit Warfarin und Thrombozytenaggregationshemmern. Wer solche Medikamente einnimmt, sollte die Einnahme mit dem behandelnden Arzt abklären.

Verbessert Ginkgo bei Gesunden das Gedächtnis?

Dafür gibt es keine belastbaren Belege. Die untersuchten Studien beziehen sich fast ausschließlich auf ältere Menschen mit bereits bestehenden kognitiven Einschränkungen. Bei jungen, gesunden Personen wurden keine überzeugenden Effekte auf Gedächtnisleistung dokumentiert.

Wie lange dauert es, bis ein Effekt in Studien beobachtbar war?

Die Studiendauer schwankte laut Diamond & Bailey (2013) erheblich — von 2 Wochen bis 2 Jahren. Die meisten Untersuchungen zu Demenz und Kognition liefen über mehrere Monate. Kurzzeit-Einnahmen von wenigen Tagen wurden kaum untersucht.

Kann man die Blätter einfach als Tee aufbrühen?

Ein Tee erreicht rechnerisch nicht die Konzentration an Flavonglykosiden und Terpenlactonen, die in den Studien mit EGb761 eingesetzt wurde. Für 240 mg Extrakt wären beim üblichen 50:1-Verhältnis etwa 12 Gramm Blätter nötig — und selbst dann werden nicht alle Wirkstoffe wasserlöslich extrahiert.

Sollte man Ginkgo vor einer Operation absetzen?

Wegen der thrombozytenhemmenden Effekte, die Diamond & Bailey (2013) beschrieben haben, wird der Extrakt in vielen klinischen Empfehlungen einige Tage vor geplanten Eingriffen abgesetzt. Sprich das konkret mit deinem Operateur oder Anästhesisten ab.

Sind Ginkgo-Samen essbar?

In Ostasien werden geröstete Ginkgo-Samen gegessen, allerdings nur in kleinen Mengen. Sie enthalten Ginkgotoxin und können bei größeren Verzehrmengen toxisch wirken. Die Blätter selbst sind bitter und werden nicht als Lebensmittel verwendet, sondern nur zu Extrakten weiterverarbeitet.

Auf einen Blick

Kategorie
Pflanzenextrakte
Auch bekannt als
Ginko, Fächerblattbaum, Tempelbaum
Tags
GedächtnisKonzentrationDurchblutungKognitionNootropikum