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Ingwer (Gingerol)

Ingwer ist eine bekannte Heilpflanze, deren Scharfstoff Gingerol für seine entzündungshemmenden und verdauungsfördernden Eigenschaften geschätzt wird.

Ingwer (Gingerol)
Gingerol ist der Stoff, der frischen Ingwer scharf macht. Chemisch ist es ein Phenol mit langer Seitenkette, verwandt mit Capsaicin aus der Chili und Piperin aus dem schwarzen Pfeffer. Trocknet man Ingwer oder erhitzt ihn stark, wandelt sich ein Teil des Gingerols in Shogaole um — der Geschmack wird dann weniger frisch-zitronig und stattdessen schärfer und wärmer. Deshalb schmeckt getrockneter Ingwerpulver anders als eine frisch geriebene Knolle.

Die Ingwerwurzel (Zingiber officinale) ist botanisch gesehen kein Wurzelstock, sondern ein Rhizom — ein unterirdischer Sprossabschnitt. Neben Gingerol enthält sie laut der Übersichtsarbeit von Mao et al. (Foods 2019) phenolische Verbindungen, Terpene, Polysaccharide, Lipide, organische Säuren und Rohfasern. Für eine rote Sonderform, Zingiber officinale var. rubrum, wurden bisher 169 chemische Inhaltsstoffe beschrieben (Zhang et al., Molecules 2022) — darunter Vanilloide, Mono-, Sesqui- und Diterpene sowie Flavonoide und Aminosäuren. Die rote Form wird in Asien traditionell medizinisch verwendet, in der Küche dagegen kaum.

Was sagt die Forschung zum Gingerol selbst? Die Übersichtsarbeit von Ayustaningwarno et al. (Frontiers in Nutrition 2024) fasst zusammen, dass die antioxidativen und entzündungsbezogenen Effekte von Ingwer in Laborversuchen auf Gingerol, Shogaole, Paradol und Zingeron zurückgeführt werden. Als Wirkmechanismen werden die Aktivierung des Nrf2-Signalwegs (antioxidativer Zellschutz) sowie eine Beeinflussung von Akt und NF-κB (entzündungsbezogene Signalwege) diskutiert. Das sind Beobachtungen aus Zell- und Tiermodellen — daraus ist nicht abzuleiten, dass ein Ingwertee oder eine Kapsel beim Menschen dasselbe bewirkt. Genau diese Übertragung ist der wunde Punkt aller Ingwer-Studien.

Ein Rechenbeispiel zum Einordnen der Mengen: Frischer Ingwer enthält je nach Sorte, Alter und Herkunft grob 0,1 bis 1 Prozent Gingerole. Bei einer Rezeptangabe wie „ein daumengroßes Stück Ingwer" (etwa 15 Gramm frisch) landen also im günstigen Fall rund 15 bis 150 Milligramm Gingerole in der Tasse Tee — vorausgesetzt, sie lösen sich vollständig heraus. Bei langem Kochen ist das nicht der Fall, weil Gingerole teils in Shogaole übergehen. Diese Rechnung zeigt vor allem eines: „Ingwer im Alltag" ist keine standardisierte Dosis. Zwei Löffel geriebener Ingwer aus zwei verschiedenen Knollen können sich im Gingerol-Gehalt um den Faktor zehn unterscheiden.

Historisch wird Ingwer in Asien seit langem als Küchen- und Heilpflanze verwendet. Mao et al. listen in ihrer Übersicht eine Reihe untersuchter biologischer Aktivitäten auf — antioxidativ, entzündungsbezogen, antimikrobiell, im Zusammenhang mit Übelkeit und Erbrechen, mit Herz-Kreislauf, Atemwegen und Blutzucker. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Sammlung von Laborbefunden und einzelnen klinischen Studien, nicht um bewiesene Wirkungen im Sinne der europäischen Health-Claim-Verordnung. Die EU hat für Ingwer bisher keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe veröffentlicht.

Was die Forschung nicht zeigt: Es gibt keinen einheitlichen Konsens, welche Menge Gingerol pro Tag für einen bestimmten Zweck sinnvoll ist. Die vorliegenden Übersichtsarbeiten arbeiten mit sehr unterschiedlichen Präparaten — von frischem Ingwer über wässrige Auszüge bis zu isolierten Gingerol-Fraktionen. Direkte Vergleiche zwischen Studien sind deshalb schwierig. Auch fehlen große Langzeitstudien am Menschen, die gezielt Gingerol (und nicht „Ingwer allgemein") untersuchen.

Nebenwirkungen sind laut Zhang et al. (2022) für die rote Ingwerform selten beschrieben. Für Ingwer allgemein gilt: In üblichen Küchenmengen ist er gut verträglich. Wer Blutverdünner nimmt, schwanger ist oder Gallensteine hat, sollte höhere Mengen — etwa als Kapsel-Konzentrat — vorher ärztlich abklären, weil Ingwer die Blutgerinnung und die Gallenaktivität beeinflussen kann.

Küchentechnisch lohnt es sich, Ingwer nicht totzukochen. Frisch gerieben, kurz mitgezogen oder erst am Ende zugegeben, bleibt der Gingerol-Anteil höher. Für Tee genügt es, die geriebene Wurzel mit knapp siedendem Wasser aufzugießen und zehn Minuten zugedeckt ziehen zu lassen — so bleibt auch das ätherische Öl in der Tasse und geht nicht als Dampf verloren.

Wirkung

In der Übersichtsarbeit von Ayustaningwarno et al. (Frontiers in Nutrition 2024) werden Gingerol, Shogaole, Paradol und Zingeron als die Inhaltsstoffe beschrieben, denen die in Laborversuchen beobachteten antioxidativen und entzündungsbezogenen Effekte von Ingwer zugeschrieben werden — diskutiert werden dabei Signalwege wie Nrf2, Akt und NF-κB. Mao et al. (Foods 2019) listen weitere untersuchte Aktivitäten auf, darunter antimikrobielle sowie Effekte im Zusammenhang mit Übelkeit. Diese Befunde stammen überwiegend aus Zell- und Tiermodellen; für Ingwer und Gingerol ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.

Dosierung

Die zitierten Übersichten legen keinen einheitlichen Tagesbedarf für Gingerol fest — sie werten sehr unterschiedliche Präparate aus. Praktisch enthält frischer Ingwer je nach Sorte grob 0,1 bis 1 Prozent Gingerole, ein daumengroßes Stück (ca. 15 Gramm) also rechnerisch etwa 15 bis 150 Milligramm. Konzentrate und Kapseln können deutlich höhere Mengen liefern; hier ist die Angabe des Herstellers maßgeblich, eine allgemeine Empfehlung lässt sich aus den vorliegenden Studien nicht ableiten.

Natürliche Quellen

Ingwerwurzel (Zingiber officinale)

Wissenschaftliche Quellen

Zhang et al., Molecules 2022, DOI: 10.3390/molecules27030775 Ayustaningwarno et al., Frontiers in Nutrition 2024, DOI: 10.3389/fnut.2024.1364836 Mao et al., Foods 2019, DOI: 10.3390/foods8060185

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gingerol und Shogaol?

Gingerol ist der Scharfstoff in frischem Ingwer. Beim Trocknen und Erhitzen wandelt sich ein Teil davon in Shogaole um — die schmecken schärfer und wärmer. Deshalb hat getrocknetes Ingwerpulver ein anderes Profil als frisch geriebene Wurzel.

Wie viel Gingerol steckt in einer Tasse Ingwertee?

Das lässt sich nur schätzen. Frischer Ingwer enthält grob 0,1 bis 1 Prozent Gingerole. Ein daumengroßes Stück von etwa 15 Gramm bringt also rechnerisch 15 bis 150 Milligramm mit — je nach Sorte, Alter und wie lange der Tee zieht.

Ist Ingwer ein Superfood?

Diesen Begriff verwenden wir bewusst nicht. Ingwer ist ein gut untersuchtes Küchen- und Heilkraut mit zahlreichen Inhaltsstoffen, für die in Labor- und Tiermodellen Effekte beobachtet wurden (Mao et al., Foods 2019). Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es in der EU aber nicht.

Ist rote Ingwerwurzel etwas anderes als normaler Ingwer?

Ja. Zingiber officinale var. rubrum ist eine eigene Varietät, die vor allem in Asien medizinisch genutzt wird und in der Küche kaum vorkommt. Zhang et al. (Molecules 2022) beschreiben für sie 169 dokumentierte Inhaltsstoffe.

Kann ich Ingwer bedenkenlos in großen Mengen essen?

In üblichen Küchenmengen ist Ingwer für die meisten Menschen gut verträglich. Bei sehr hohen Mengen — etwa als konzentrierte Kapseln — sollten Schwangere, Menschen mit Gallensteinen oder Personen, die Blutverdünner einnehmen, vorher ärztlich Rücksprache halten.

Warum soll man Ingwer nicht zu lange kochen?

Bei starker Hitze wandelt sich Gingerol in Shogaole um, außerdem verdampfen ätherische Öle. Wer den frischen, zitronigen Charakter behalten will, gießt Ingwer erst kurz vor dem Servieren an oder lässt ihn im geschlossenen Topf zehn Minuten ziehen.

Wirkt Gingerol gegen Übelkeit?

Mao et al. (Foods 2019) führen antinausea- und antiemetische Aktivitäten als untersuchte Eigenschaften von Ingwer auf. Das sind Forschungsbefunde, keine bewiesene Wirkung im Sinne der EU-Gesetzgebung — eine zugelassene Health-Claim-Aussage dazu existiert nicht.

Auf einen Blick

Kategorie
Pflanzenextrakte
Auch bekannt als
Ginger, Zingiber officinale
Tags
PflanzenextraktVerdauungEntzündungshemmendÜbelkeit