Ingwer ist kein Kraut, sondern ein Wurzelstock — der Teil der Pflanze, der unter der Erde wächst und Knospen treibt. Für die Schärfe sorgt Gingerol. Beim Trocknen und Erhitzen wird ein Teil davon zu Shogaol umgebaut, und deshalb schmeckt getrockneter Ingwer anders scharf als frischer.
In der indischen und chinesischen Küche gehört Ingwer seit Jahrtausenden dazu, in der ayurvedischen und der traditionellen chinesischen Medizin ebenso. Dieser Artikel zeigt, was in der Knolle steckt, was die Forschung daran untersucht und wie du sie im Alltag verwendest.
Gingerol und die Forschung
Gingerol ist der Stoff, an dem die Forschung zu Ingwer hängt; untersucht werden vor allem entzündliche Signalwege in Zellversuchen. Ähnlich verhält es sich bei Curcuma (Curcumin), dem zweiten großen Gewürz in dieser Forschungsecke. Für beide gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe.
Genau genommen ist Gingerol nicht ein Stoff, sondern eine Familie. In der Analytik werden 6-, 8- und 10-Gingerol getrennt bestimmt, dazu die passenden Shogaole. Die Zahl steht für die Länge der Seitenkette am Molekül — 6-Gingerol ist das häufigste und das, was in Laborarbeiten meist gemeint ist, wenn nur von Gingerol die Rede ist. In frischem Ingwer überwiegen die Gingerole deutlich; die Shogaole liegen darunter.
Ingwer und die Verdauung
Scharf- und Bitterstoffe treffen im Mund auf Geschmacksrezeptoren und lösen die Bildung von Speichel, Magensaft und Galle aus — ein Reflex, den der Körper selbst startet. In der traditionellen chinesischen und ayurvedischen Medizin wird Ingwer seit über 2000 Jahren rund um den Magen eingesetzt.
Die Magenentleerung und ihre Geschwindigkeit sind seit Jahren ein Forschungsthema; eine Arbeit dazu erschien im World Journal of Gastroenterology. Wer seinen Speiseplan pflanzlich breiter aufstellen will, findet in unserem Power Foods Trio eine Ergänzung dazu.
Ingwer, Vitamin C und Zink
Ingwer wird in der kalten Jahreszeit traditionell als Tee getrunken, oft mit Zitrone und Honig. Das ist gewachsene Küchenpraxis. Nährstoffseitig liefert Ingwer in den Mengen, die man üblicherweise verwendet, keine nennenswerten Vitamin- oder Mineralstoffmengen — dafür ist die Portion schlicht zu klein.
Geprüfte Angaben gibt es bei den Nährstoffen selbst: Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, und Zink ebenso. Das sind Angaben aus dem EU-Register für genau diese Nährstoffe, nicht für Ingwer.
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Praktische Anwendung von Ingwer im Alltag
Frischen Ingwer schälst du am besten mit einem Löffel, das spart Fruchtfleisch. Gerieben kommt er in Currys, Dressings und Smoothies; in dünnen Scheiben mit heißem Wasser übergossen gibt er Tee. Je länger er zieht, desto schärfer wird das Ergebnis.
Getrockneter Ingwer schmeckt schärfer und wärmer und passt gut in Gebäck. Im Kühlschrank hält die frische Knolle in Papier eingeschlagen mehrere Wochen. Eingefroren lässt sie sich direkt reiben, ohne vorher aufzutauen.
Was beim Trocknen mit der Schärfe passiert
Dass getrockneter Ingwer anders scharf schmeckt als frischer, ist keine Einbildung, sondern messbare Chemie. Eine Arbeit in Molecules (2018) hat drei Trocknungswege verglichen: Sonnentrocknung im Freien, Solar-Tunnel und Heißluft bei 120, 150 und 180 °C. Das Ergebnis ist in allen drei Fällen dieselbe Richtung — der Gehalt an 6-, 8- und 10-Gingerol sinkt, der an 6-, 8- und 10-Shogaol steigt.
Am stärksten fällt die Umwandlung bei Heißluft aus, mit dem höchsten Shogaol-Gehalt bei 150 °C über sechs Stunden. Umgekehrt bleibt beim Trocknen an der Sonne am meisten ätherisches Öl erhalten — also das, was du riechst, bevor du schmeckst. Wer den frischen, zitrusartigen Ton mag, greift zur Knolle; wer die tiefere, wärmere Schärfe sucht, zum getrockneten Pulver. Das ist kein Qualitätsunterschied, sondern ein anderer Stoff im Vordergrund.
Quellen
Die Angaben zur Umwandlung von Gingerol zu Shogaol stammen aus:
- Ghasemzadeh A, Jaafar HZE, Baghdadi A, Tayebi-Meigooni A: Formation of 6-, 8- and 10-Shogaol in Ginger through Application of Different Drying Methods. Molecules 2018;23(7):1646. PubMed 29976903
Die Arbeit untersucht die Zusammensetzung getrockneter Ingwerwurzel, nicht die Anwendung am Menschen. Sie belegt, wie sich die Stoffe beim Trocknen verschieben — mehr sagt sie nicht, und mehr steht hier auch nicht.
Hinweis
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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Häufig gestellte Fragen
Warum wird Ingwer im Winter getrunken?
Weil er scharf ist und wärmt — eine gewachsene Gewohnheit aus der Küche. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es für Ingwer nicht.
Was machen die Scharfstoffe im Mund und im Magen?
Scharf- und Bitterstoffe treffen auf Geschmacksrezeptoren und lösen die Bildung von Speichel, Magensaft und Galle aus. Das ist ein körpereigener Reflex.
Welcher Bestandteil macht Ingwer scharf?
Gingerol. Beim Trocknen und Erhitzen entsteht daraus zum Teil Shogaol, das anders scharf schmeckt.
Wie sollte Ingwer am besten konsumiert werden?
Frisch gerieben in Tee, Currys, Dressings oder Smoothies. Getrockneter Ingwer schmeckt schärfer und passt gut in Gebäck.
Kann Ingwer Nebenwirkungen haben?
In der Regel ist Ingwer gut verträglich. Größere Mengen können bei empfindlichen Menschen Sodbrennen oder Unwohlsein auslösen.


