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Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ist ein Schlüsselmolekül für die Hautfeuchtigkeit und Gelenkschmiere, bekannt für seine Fähigkeit, große Mengen Wasser zu binden und so für Volumen und Elastizität zu sorgen.

Hyaluronsäure
Ein Molekül, das ein Vielfaches seines Eigengewichts an Wasser binden kann — das ist Hyaluronsäure. Ein Gramm bindet unter idealen Bedingungen bis zu sechs Liter Wasser. Diese Eigenschaft erklärt, warum der Stoff sowohl im Knorpel als auch in der Haut so eine zentrale Rolle spielt: Er hält Gewebe prall, geschmeidig und beweglich.

Chemisch gehört Hyaluronsäure zu den Glykosaminoglykanen. Iaconisi et al. beschreiben sie im International Journal of Molecular Sciences (2023) als weit verbreitetes Molekül in Körperflüssigkeiten und in der extrazellulären Matrix. Sie ist an Prozessen wie Zellteilung, Zelldifferenzierung und der Regulation von Entzündungsvorgängen beteiligt. Der Körper produziert Hyaluronsäure selbst — mit steigendem Alter nimmt die eigene Synthese aber ab, was einer der Gründe für dünner werdende Haut und trockenere Gelenkflächen ist.

Wo findet man sie in der Natur? Am höchsten konzentriert ist Hyaluronsäure in tierischem Bindegewebe, vor allem in Haut, Knorpel und Gelenkflüssigkeit. Knochenbrühe aus Rinder- oder Hühnerknochen ist daher eine der wenigen natürlichen Nahrungsquellen. Pflanzliche Lebensmittel enthalten selbst keine Hyaluronsäure, können aber die körpereigene Bildung anregen — dazu zählen stärkehaltiges Wurzelgemüse wie Kartoffeln und Süßkartoffeln sowie Sojaprodukte. Industriell wird Hyaluronsäure heute überwiegend durch mikrobielle Fermentation gewonnen, ein Verfahren, das Iaconisi et al. (2023) als kostengünstig und für die Herstellung hochreiner Produkte geeignet beschreiben. Damit ist auch eine vegane Herstellung möglich, was früher nicht der Fall war — die klassische Quelle waren Hahnenkämme.

Die Forschungslage ist erstaunlich breit. Marinho et al. (Biomolecules 2021) haben Untersuchungen aus den Jahren 2017 bis 2021 zusammengetragen und diskutieren dabei den Einsatz bei entzündlichen Erkrankungen. Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass zugeführte (exogene) Hyaluronsäure die Eigenschaften und Aktivitäten der körpereigenen Hyaluronsäure nicht vollständig ersetzen kann — ein realistischer Punkt, den man sich merken sollte.

Ein oft übersehener Anwendungsbereich ist die orale Einnahme in Kombination mit Kollagen. Žmitek et al. veröffentlichten dazu 2024 in Nutrients eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 87 Frauen zwischen 40 und 65 Jahren. Die Teilnehmerinnen bekamen 16 Wochen lang entweder Placebo, 5 g hydrolysiertes Kollagen plus 80 mg Vitamin C oder dieselbe Kombination zusätzlich mit 30 mg Hyaluronsäure. Beide Wirkstoffgruppen zeigten Verbesserungen bei Dermisdichte, Hautstruktur und Faltentiefe. Rechnet man das um: Über 16 Wochen ergibt eine tägliche Dosis von 30 mg Hyaluronsäure eine Gesamtmenge von rund 3,36 Gramm — also weniger als ein Teelöffel Pulver, verteilt auf vier Monate. Das ist bemerkenswert wenig für einen messbaren Effekt.

In der ästhetischen Medizin läuft eine ganz andere Anwendung: die Injektion als Filler. Wu et al. (Clinics in Plastic Surgery 2023) beschreiben Hyaluronsäure als das derzeit am häufigsten verwendete Dermal-Filler-Material. Der Vorteil aus Sicht der Autoren: Da es sich um eine körpereigene Substanz handelt, ist das Risiko für allergische oder immunologische Reaktionen gering, und der Effekt lässt sich bei Bedarf durch die Injektion von Hyaluronidase wieder rückgängig machen. Lee et al. (Journal of Dermatological Treatment 2022) verglichen in einer Split-Face-Studie Hyaluronsäure-Filler mit Polynukleotid-Fillern im Bereich der Augenpartie — beide wurden am selben Probanden auf jeweils einer Gesichtshälfte eingesetzt.

Was die Forschung dagegen nicht belegt: Es gibt keine EU-zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zu oral aufgenommener Hyaluronsäure. Auch die Frage, ob und wieviel eines 30-mg-Kapselinhalts tatsächlich unverdaut durch die Magensäure kommt und in Haut oder Gelenken landet, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Die vorliegenden Studien zeigen Endeffekte (Hautparameter, Schmerzempfinden), nicht aber den kompletten Weg vom Mund zum Zielgewebe.

Hyaluronsäure gibt es in unterschiedlichen Molekülgrößen. Niedermolekulare Varianten (unter 50 kDa) dringen leichter in Gewebe ein, hochmolekulare (über 1000 kDa) haben eine stärkere wasserbindende Wirkung an der Oberfläche. In Kosmetika werden häufig Mischungen verwendet, in Nahrungsergänzungen typischerweise niedermolekulare Formen — mit dem Argument der besseren Resorption, das aber je nach Studienlage unterschiedlich bewertet wird.

Wer Hyaluronsäure über die Ernährung unterstützen will, hat also zwei Wege: den direkten über Knochenbrühe und den indirekten über pflanzliche Lebensmittel, die die Eigensynthese anregen. Beides ersetzt keine gezielte Zufuhr, hat aber den Vorteil, dass es ein normales Nahrungsmittel ist.

Wirkung

Iaconisi et al. beschreiben in einem Übersichtsartikel im International Journal of Molecular Sciences (2023) die Beteiligung von Hyaluronsäure an Gewebehydratation, Zellproliferation und Entzündungsprozessen. Žmitek et al. (Nutrients 2024) untersuchten in einer 16-wöchigen placebokontrollierten Studie mit 87 Frauen die orale Kombination aus 5 g Kollagen, 80 mg Vitamin C und 30 mg Hyaluronsäure und beobachteten Veränderungen bei Dermisdichte, Hautstruktur und Faltentiefe. Marinho et al. (Biomolecules 2021) weisen darauf hin, dass exogene Hyaluronsäure die körpereigene nicht vollständig ersetzen kann.

Dosierung

In der Studie von Žmitek et al. (Nutrients 2024) wurden über 16 Wochen täglich 30 mg Hyaluronsäure zusammen mit 5 g hydrolysiertem Kollagen und 80 mg Vitamin C eingenommen. Die Filler-Anwendungen in den Studien von Wu et al. (2023) und Lee et al. (2022) beziehen sich auf Injektionen und sind mit der oralen Einnahme nicht vergleichbar. Eine allgemein gültige Verzehrempfehlung für Hyaluronsäure als Nahrungsergänzung existiert nicht.

Natürliche Quellen

Hyaluronsäure kommt in tierischem Bindegewebe, Haut und Knorpel vor. Knochenbrühe ist eine natürliche Quelle. Bestimmte Lebensmittel wie Wurzelgemüse (z.B. Kartoffeln, Süßkartoffeln) und Sojaprodukte können die körpereigene Produktion anregen.

Wissenschaftliche Quellen

Marinho et al., Biomolecules 2021, 10.3390/biom11101518 Iaconisi et al., International Journal of Molecular Sciences 2023, 10.3390/ijms241210296 Wu et al., Clinics in Plastic Surgery 2023, 10.1016/j.cps.2022.12.004 Žmitek et al., Nutrients 2024, 10.3390/nu16121908 Lee et al., Journal of Dermatological Treatment 2022, 10.1080/09546634.2020.1748857

Häufige Fragen

Ist Hyaluronsäure vegan?

Kommt auf die Herkunft an. Klassisch wurde sie aus Hahnenkämmen gewonnen, heute wird sie überwiegend durch mikrobielle Fermentation hergestellt (Iaconisi et al., 2023). Fermentativ gewonnene Hyaluronsäure ist vegan, tierische Quellen wie Knochenbrühe natürlich nicht.

Was ist der Unterschied zwischen nieder- und hochmolekularer Hyaluronsäure?

Hochmolekulare Hyaluronsäure (über 1000 kDa) bindet Wasser besonders stark an der Oberfläche, niedermolekulare (unter 50 kDa) kann leichter in tiefere Schichten eindringen. In Nahrungsergänzungen werden meist niedermolekulare Varianten verwendet.

Wieviel Wasser bindet Hyaluronsäure?

Ein Gramm bindet unter idealen Bedingungen bis zu sechs Liter Wasser. Das erklärt die Bedeutung des Moleküls für die Feuchtigkeit von Haut, Gelenkflüssigkeit und Bindegewebe.

Enthalten pflanzliche Lebensmittel Hyaluronsäure?

Nein. Pflanzen bilden selbst keine Hyaluronsäure. Lebensmittel wie Kartoffeln, Süßkartoffeln oder Sojaprodukte können aber die körpereigene Bildung unterstützen. Die einzige direkte Nahrungsquelle ist tierisches Bindegewebe, klassischerweise als Knochenbrühe.

Wird orale Hyaluronsäure überhaupt aufgenommen?

Das ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Die Studie von Žmitek et al. (Nutrients 2024) zeigte messbare Effekte auf Hautparameter nach 16 Wochen mit 30 mg täglich, sagt aber nichts direkt darüber aus, welcher Anteil unverändert im Zielgewebe ankommt.

Was ist der Unterschied zwischen Filler und Kapsel?

Filler werden direkt unter die Haut injiziert und wirken lokal am Injektionsort (Wu et al., 2023). Oral eingenommene Hyaluronsäure durchläuft den Verdauungstrakt und muss erst systemisch verteilt werden. Die beiden Anwendungen lassen sich nicht direkt vergleichen.

Wie lange muss man Hyaluronsäure einnehmen, bis sich etwas zeigt?

In der Studie von Žmitek et al. (2024) lief die Einnahme über 16 Wochen. Vorher-Nachher-Messungen an der Haut wurden nach diesem Zeitraum durchgeführt. Kürzere Studien mit oraler Einnahme sind seltener und aussagekräftige Kurzfrist-Effekte sind nicht belegt.

Auf einen Blick

Kategorie
Bindegewebe
Auch bekannt als
Hyaluronan, Hyaluronat
Tags
BindegewebeHautgesundheitAnti-AgingGelenkgesundheitFeuchtigkeit