Geerntet wird nicht die Hauptwurzel, sondern die seitlichen Speicherwurzeln, die bis zu einem halben Meter tief im sandigen Boden liegen. In ihnen sammeln sich die für die Teufelskralle typischen Iridoidglykoside, allen voran das Harpagosid. Nach der Ernte werden die Wurzelstücke geschnitten und getrocknet — daraus entstehen Tees, Trockenextrakte, Tinkturen und Kapseln. Die traditionelle Nutzung durch die San und andere Bevölkerungsgruppen im südlichen Afrika reicht weit zurück; nach Europa kam die Pflanze erst im 20. Jahrhundert.
Zur Forschungslage: Chrubasik hat in einer Übersichtsarbeit (Phytotherapy Research 2004) klinische Studien zu verschiedenen Harpagophytum-Zubereitungen ausgewertet. Sein Fazit war differenziert — Präparate mit 50 bis 60 mg Harpagosid pro Tagesdosis lieferten in den geprüften Studien belastbarere Daten als ein Ethanol-Extrakt mit etwa der Hälfte dieser Menge. Chrubasik betonte jedoch, dass für alle Extrakte bestätigende Studien nötig seien, bevor sie Eingang in Behandlungsleitlinien finden könnten. Im selben Jahr ergänzte Chrubasik die ESCOP-Monographie zu Harpagophytum procumbens (Phytomedicine 2004, DOI 10.1016/j.phymed.2004.03.003).
Einen breiten Blick auf das Thema warf Brendler et al. im Journal of Herbal Pharmacotherapy 2006: eine systematische Übersichtsarbeit der Natural Standard Research Collaboration, die neben klinischen Daten auch Pharmakokinetik, Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und Toxikologie einbezog.
Deutlich aktueller ist eine Analyse von Bargsten & Seifert in Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology 2025. Die Autoren nahmen 88 Teufelskrallen-Produkte unter die Lupe und legten 16 Kriterien an, darunter Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und empfohlene Tagesdosis. Verglichen wurden dabei drei Kategorien: Nahrungsergänzungsmittel, diätetische Lebensmittel und pflanzliche Arzneimittel. Ein zentraler Punkt war, wie transparent Verbraucher über das jeweilige Produkt informiert werden — hier zeigten sich zwischen den Produktklassen erhebliche Unterschiede.
Was die Forschung nicht zeigt: Es gibt keine EU-weit zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) für Teufelskralle als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung. Die von Chrubasik geforderten großen, bestätigenden Studien sind auch zwei Jahrzehnte später nicht in dem Umfang nachgeliefert worden, wie es für Leitlinienempfehlungen üblich wäre. Wer Teufelskralle einnimmt, tut das auf Basis traditioneller Anwendung und einer Studienlage, die vielversprechend, aber nicht endgültig gesichert ist.
Ein Rechenbeispiel zur Einordnung der Dosis: Wenn eine Studie 50 bis 60 mg Harpagosid pro Tag verwendet und getrocknete Teufelskrallenwurzel je nach Herkunft etwa 1 bis 2 Prozent Harpagosid enthält, entspricht die Studien-Tagesdosis rechnerisch 2,5 bis 6 g reiner Wurzeldroge. Bei einem Extrakt mit 5 Prozent Harpagosid wären es dagegen nur etwa 1 bis 1,2 g Extraktpulver. Deshalb ist bei Produkten nicht die Wurzelmenge entscheidend, sondern der ausgewiesene Harpagosid-Gehalt — und genau dieser ist nach der Analyse von Bargsten & Seifert (2025) längst nicht auf allen Verpackungen klar erkennbar.
Zur Nachhaltigkeit: Teufelskralle wird bis heute überwiegend wild gesammelt, vor allem in Namibia. Die Nachfrage aus Europa hat den Bestand streckenweise unter Druck gesetzt, weshalb es inzwischen zertifizierte Sammelprogramme gibt. Beim Kauf lohnt daher ein Blick darauf, aus welchem Land die Wurzel stammt und ob eine nachhaltige Wildsammlung ausgewiesen ist.
In der Küche spielt Teufelskralle keine Rolle — die Wurzel schmeckt sehr bitter und wird nicht als Gewürz oder Lebensmittel im engeren Sinn verwendet. Die typischen Darreichungsformen sind Tee aus geschnittener Wurzel, wässrige oder ethanolische Extrakte in Kapsel- und Tablettenform sowie flüssige Tinkturen.
Wirkung
Chrubasik wertete in Phytotherapy Research 2004 klinische Studien aus und stellte fest, dass Präparate mit 50 bis 60 mg Harpagosid pro Tag in den geprüften Untersuchungen die belastbareren Daten lieferten als niedriger dosierte Extrakte. Er selbst forderte weitere Bestätigungsstudien, bevor Empfehlungen für Behandlungsleitlinien möglich seien. Brendler et al. (Journal of Herbal Pharmacotherapy 2006) legten dazu eine systematische Übersichtsarbeit vor, die auch Wechselwirkungen und Nebenwirkungen einbezog.
Dosierung
In den von Chrubasik (Phytotherapy Research 2004) ausgewerteten Studien wurden Zubereitungen mit 50 bis 60 mg Harpagosid pro Tag eingesetzt. Umgerechnet auf getrocknete Wurzel mit 1 bis 2 Prozent Harpagosid entspricht das rund 2,5 bis 6 g Droge täglich; bei einem konzentrierten Extrakt mit 5 Prozent Harpagosid deutlich weniger. Die Analyse von Bargsten & Seifert (Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology 2025) zeigte, dass Tagesdosisangaben je nach Produktkategorie stark variieren.
Natürliche Quellen
Die Teufelskralle wächst wild in den Savannen und Halbwüsten Südafrikas, Namibias und Botswanas.
Wissenschaftliche Quellen
Chrubasik et al., Phytotherapy Research 2004, DOI 10.1002/ptr.1416 Chrubasik, Phytomedicine 2004, DOI 10.1016/j.phymed.2004.03.003 Brendler et al., Journal of Herbal Pharmacotherapy 2006 Bargsten & Seifert, Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology 2025, DOI 10.1007/s00210-025-03974-7
Häufige Fragen
Woher kommt der Name Teufelskralle?
Von den Früchten der Pflanze. Sie tragen holzige Widerhaken, die sich in den Hufen und im Fell weidender Tiere verhaken — daher auch der Zweitname Trampelklette. Die Wurzel selbst sieht dagegen unspektakulär aus.
Was ist Harpagosid?
Harpagosid ist ein Iridoidglykosid und der bekannteste Inhaltsstoff der Teufelskrallenwurzel. Nach ihm wird der Wirkstoffgehalt eines Extrakts standardisiert. In den von Chrubasik (2004) ausgewerteten Studien lagen die Tagesdosen bei 50 bis 60 mg.
Woran erkenne ich ein gutes Produkt?
Am ausgewiesenen Harpagosid-Gehalt pro Tagesdosis, nicht an der reinen Wurzelmenge. Bargsten & Seifert kritisierten 2025, dass diese Angabe längst nicht bei allen der 88 untersuchten Produkte klar erkennbar war.
Ist die Wildsammlung ein Problem?
Teufelskralle wird überwiegend in Namibia, Südafrika und Botswana wild gesammelt. Die europäische Nachfrage hat den Bestand streckenweise belastet. Es gibt inzwischen zertifizierte Sammelprogramme — auf der Verpackung lohnt der Blick auf Herkunft und Nachhaltigkeitsnachweis.
Kann ich Teufelskralle als Tee zubereiten?
Ja, aus geschnittener getrockneter Wurzel. Der Aufguss schmeckt ausgeprägt bitter. Eine Standardisierung auf einen bestimmten Harpagosid-Gehalt ist beim Tee schwerer zu kontrollieren als bei einem definierten Extrakt.
Gibt es zugelassene Health Claims?
Für Teufelskralle als Nahrungsergänzung sind in der EU keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Als pflanzliches Arzneimittel gelten andere Regeln — das ist einer der Unterschiede, die Bargsten & Seifert (2025) zwischen den Produktkategorien herausgearbeitet haben.
Warum unterscheiden sich Extrakte so stark?
Weil Lösungsmittel (Wasser, Ethanol), Drogen-Extrakt-Verhältnis und Standardisierung variieren. Chrubasik zeigte 2004, dass Präparate mit 50 bis 60 mg Harpagosid pro Tag in Studien besser abschnitten als ein ethanolischer Extrakt mit rund der Hälfte dieser Menge.


