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Sägepalme

Die Sägepalme ist eine kleine Palmenart aus dem Südosten der USA, deren Fruchtextrakt traditionell zur Unterstützung der Prostatagesundheit und zur Linderung von Symptomen einer gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt wird.

Sägepalme
Die Sägepalme ist keine Palme im tropischen Sinne. Serenoa repens wird selten höher als zwei bis vier Meter, wächst oft mehr in die Breite als in die Höhe und bildet dichte Bestände in den sandigen Kiefernwäldern und Küstenebenen von South Carolina über Florida bis nach Louisiana. Der Name kommt von den scharf gezähnten Blattstielen, an denen man sich beim Hindurchlaufen ziemlich zuverlässig die Hosen aufreißt.

Wirtschaftlich interessant ist die Pflanze wegen ihrer dunklen, olivenähnlichen Früchte. Sie brauchen etwa acht bis zehn Monate, bis sie reif sind, und werden im Spätsommer bis Herbst geerntet. In den Beeren steckt ein fettreicher Extrakt mit freien Fettsäuren, Phytosterolen und weiteren Begleitstoffen. Dieser Extrakt ist der Teil, der in Kapseln landet und in klinischen Studien untersucht wird.

Ursprünglich nutzten die Seminolen die Früchte als Nahrung. Später wurden sie in der Volksmedizin des Südostens der USA für den Harntrakt eingesetzt. Interessant an dieser Pflanze ist, dass sie ausgesprochen langsam wächst: Eine einzelne Sägepalme kann mehrere hundert Jahre alt werden, manche Bestände in Florida gelten als älter als die europäische Besiedlung des Kontinents. Für ein Kilogramm Extrakt braucht es, je nach Verfahren und Fruchtqualität, mehrere Kilogramm getrockneter Beeren — ein Grund, warum reine, standardisierte Extrakte deutlich teurer sind als Pulver aus der ganzen Frucht.

Der bekannteste Anwendungsbereich in der Forschung ist die gutartige Prostatavergrößerung. Weniger bekannt ist ein zweites Forschungsfeld: androgenetische Alopezie, also der erblich bedingte Haarausfall beim Mann. Rossi et al. verglichen 2012 im International Journal of Immunopathology and Pharmacology (DOI 10.1177/039463201202500435) über zwei Jahre lang Sägepalmenextrakt mit dem verschreibungspflichtigen Wirkstoff Finasterid. 100 Männer mit leichter bis mittelschwerer androgenetischer Alopezie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe bekam täglich 320 mg Serenoa repens, die andere 1 mg Finasterid. Nach 24 Monaten zeigten 38 Prozent der Sägepalmen-Gruppe ein sichtbares Plus an Haarwuchs, in der Finasterid-Gruppe waren es 68 Prozent.

Diese Zahlen sind aus zwei Gründen wichtig. Erstens: Serenoa repens war in der Untersuchung deutlich schwächer als das Medikament. Wer eine Wirkung wie beim Arzneimittel erwartet, wird enttäuscht. Zweitens: Es war eine offene Studie, also nicht verblindet, und mit 100 Teilnehmern klein. Solche Ergebnisse sind Hinweise, keine Beweise. Für die Prostata-Anwendung gibt es umfangreichere Studien, die hier aber nicht Teil der Aufstellung sind.

Ein kurzer Rechenweg zur täglichen Dosis aus der Rossi-Studie: 320 mg Extrakt pro Tag über 24 Monate ergibt rund 234 Gramm Extrakt über die gesamte Studiendauer pro Person. Bei 50 Teilnehmern in der Serenoa-Gruppe sind das etwa 11,7 Kilogramm reiner Sägepalmen-Extrakt, die in diesem einen Versuch verbraucht wurden. Bezogen auf die ganze Beere entspricht die Tagesdosis von 320 mg standardisiertem Extrakt grob 2 bis 3 Gramm getrockneter Früchte — die genaue Zahl hängt vom Extraktionsverfahren ab.

In der EU gibt es für Serenoa repens keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben nach der Health-Claims-Verordnung. Das heißt: Auch wenn die Pflanze seit Jahrzehnten untersucht wird und in vielen Ländern als traditionelles pflanzliches Arzneimittel registriert ist, darf ein Lebensmittelanbieter keine Wirkung versprechen. Die Studienlage zum Haarwuchs ist, wie oben beschrieben, gemischt und schwächer als bei pharmazeutischen Alternativen. Belastbare Aussagen zu einer Wirkung bei Frauen fehlen weitgehend, da die vorliegenden Untersuchungen fast ausschließlich an Männern durchgeführt wurden.

Sägepalmenfrüchte enthalten einen hohen Anteil an freien Fettsäuren — hauptsächlich Laurin-, Myristin-, Palmitin- und Ölsäure — sowie geringe Mengen Phytosterole wie Beta-Sitosterol. Genau diese Fettfraktion wird bei der Herstellung standardisierter Extrakte auf einen bestimmten Prozentsatz eingestellt, üblich sind Extrakte mit 85 bis 95 Prozent Fettsäuren. Deshalb sind wässrige Auszüge oder einfache Pulver nicht mit einem CO2- oder Hexan-Extrakt vergleichbar: Die fettlöslichen Hauptinhaltsstoffe gehen im Wasseraufguss kaum in Lösung.

Wirkung

In einer offenen Zwei-Jahres-Studie mit 100 Männern (Rossi et al., International Journal of Immunopathology and Pharmacology 2012) zeigten 38 Prozent der Teilnehmer unter täglich 320 mg Serenoa-repens-Extrakt einen sichtbaren Zuwachs an Haarwuchs bei androgenetischer Alopezie, gegenüber 68 Prozent in der Finasterid-Vergleichsgruppe. Die Studie war klein und nicht verblindet, die Ergebnisse gelten daher als Hinweis, nicht als Beleg.

Dosierung

In der Rossi-Studie 2012 wurden 320 mg Sägepalmenextrakt einmal täglich über 24 Monate eingesetzt. Diese Dosis entspricht auch der in europäischen traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln üblichen Tagesmenge. Bei Kapseln mit reinem Extrakt sind das meist eine Kapsel pro Tag; Präparate mit Fruchtpulver enthalten deutlich weniger Wirkfraktion pro Gramm.

Natürliche Quellen

Die Sägepalme wächst in den sandigen Küstengebieten der südöstlichen USA, von South Carolina bis Florida und Louisiana.

Wissenschaftliche Quellen

Rossi et al., International Journal of Immunopathology and Pharmacology 2012, DOI: 10.1177/039463201202500435

Häufige Fragen

Wirkt Sägepalme wirklich gegen Haarausfall?

Die Datenlage ist gemischt. In der Rossi-Studie 2012 verbesserte sich der Haarwuchs bei 38 Prozent der Männer mit Serenoa repens gegenüber 68 Prozent unter Finasterid. Ein pflanzliches Präparat kommt also nicht an das Medikament heran, zeigt aber in Untersuchungen einen Effekt bei einem Teil der Anwender.

Wie lange muss man Sägepalme nehmen, bis man etwas merkt?

In der zitierten Studie lief die Anwendung 24 Monate. Kürzere Zeiträume sind in der Alopezie-Forschung wenig aussagekräftig, weil der Haarzyklus mehrere Monate dauert.

Ist Sägepalme für Frauen geeignet?

Die vorliegenden Studien wurden fast ausschließlich an Männern durchgeführt. Zu Wirkung und Sicherheit bei Frauen — besonders in Schwangerschaft und Stillzeit — gibt es keine belastbaren Daten.

Was ist der Unterschied zwischen Extrakt und Pulver?

Die wirksamen Inhaltsstoffe sind fettlöslich. Standardisierte Extrakte enthalten meist 85 bis 95 Prozent freie Fettsäuren, ein Pulver aus der ganzen Beere deutlich weniger. Für 320 mg Extrakt braucht es je nach Verfahren mehrere Gramm Trockenfrucht.

Wo wächst die Sägepalme?

Im Südosten der USA, in den sandigen Kiefernwäldern und Küstengebieten von South Carolina über Florida bis Louisiana. Sie wächst wild und wird nur in geringem Umfang kultiviert.

Kann man Sägepalme mit anderen Mitteln kombinieren?

Dazu gibt es keine ausreichenden Daten. Wer verschreibungspflichtige Medikamente wie Finasterid, Blutverdünner oder Hormonpräparate nimmt, sollte die Kombination mit einem Arzt besprechen.

Warum sind Sägepalmenextrakte relativ teuer?

Die Pflanze wächst langsam, wird kaum kultiviert und die standardisierte Extraktion der fettlöslichen Fraktion ist aufwendig. Für ein Kilogramm Extrakt werden je nach Verfahren mehrere Kilogramm getrockneter Beeren benötigt.

Auf einen Blick

Kategorie
Pflanzenextrakte
Auch bekannt als
Sabal-Palme, Zwergpalme, Serenoa repens
Tags
ProstataMännergesundheitBPH