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Hericium (Löwenmähne)

Hericium erinaceus, auch Löwenmähne genannt, ist ein Vitalpilz, der für seine positive Wirkung auf das Nervensystem und die kognitive Funktion bekannt ist.

Hericium (Löwenmähne)
Ein Pilz, der aussieht wie ein weißer, herabhängender Bart oder eine Löwenmähne — daher der Name. Hericium erinaceus wächst in freier Natur auf toten oder sterbenden Laubbäumen, vor allem auf Eiche, Buche und Ahorn. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Nordamerika über Europa bis Asien, wobei er in Mitteleuropa eher selten vorkommt und meist an alten Waldbeständen zu finden ist.

Im deutschen Sprachraum trägt der Pilz mehrere Namen: Igelstachelbart, Affenkopfpilz oder eben Löwenmähne. In der englischen Literatur läuft er unter Lion's Mane, in Japan unter Yamabushitake. Die Namen wechseln, gemeint ist immer dieselbe Art.

Der Grund für das wissenschaftliche Interesse liegt in seiner Chemie. Zwei Gruppen von Molekülen tauchen in fast jeder Untersuchung auf: Hericenone (im Fruchtkörper) und Erinacine (im Myzel). Daneben findet man Polysaccharide, Terpenoide und phenolische Verbindungen. Contato und Conte-Junior fassten in ihrem Übersichtsartikel in Nutrients 2025 zusammen, dass diese Stoffe im Labor reaktive Sauerstoffspezies abfangen und mit körpereigenen antioxidativen Systemen interagieren. Szućko-Kociuba und Kollegen beschrieben 2023 in den International Journal of Molecular Sciences, dass Extrakte in Zellversuchen die Freisetzung von Nervenwachstumsfaktor (NGF) anregen können. Beides sind Laborbeobachtungen — keine Aussage darüber, was im menschlichen Körper passiert.

Am menschlichen Modell sind zwei Studien besonders oft zitiert. Mori und Kollegen führten 2009 (Phytotherapy Research) eine doppelblinde, placebokontrollierte Untersuchung mit 30 japanischen Männern und Frauen zwischen 50 und 80 Jahren durch, die eine leichte kognitive Beeinträchtigung hatten. Die Verum-Gruppe erhielt viermal 250 mg Tabletten mit 96 % Yamabushitake-Trockenpulver, dreimal täglich, über 16 Wochen. Das ergibt eine Tagesdosis von 3 g Tabletten bzw. rund 2,88 g reinem Pilzpulver. In der Testgruppe stiegen die Werte einer Skala für kognitive Funktion (HDS-R) in Woche 8, 12 und 16 signifikant an. Vier Wochen nach Absetzen sanken die Werte wieder — ein Hinweis darauf, dass der Effekt an die kontinuierliche Einnahme gebunden war. Saitsu und Kollegen berichteten 2019 in Biomedical Research (Tokyo) über einen zwölfwöchigen Versuch mit einem Präparat aus dem Fruchtkörper. Verbesserungen zeigten sich im Mini-Mental State Examination (MMSE), während der Benton-Visual-Retention-Test und der S-PA-Test keine signifikanten Veränderungen ergaben. Auch das gehört zur Ehrlichkeit: Nicht jeder Test schlug an.

Chong und Kollegen diskutierten 2019 in den International Journal of Molecular Sciences den möglichen Zusammenhang zwischen Hericium und depressiven Störungen. Ihre Schlussfolgerung war zurückhaltend: antidepressive Effekte seien am Menschen bislang nicht validiert und nicht mit konventionellen Antidepressiva verglichen. Der Übersichtsartikel liest sich als Fahrplan für künftige Studien, nicht als Wirknachweis.

Was die Forschung derzeit nicht liefert: einen einheitlichen Standard, welche Zubereitung (Fruchtkörper, Myzel, wässriger Extrakt, ethanolischer Extrakt) welche Wirkung hat. Szućko-Kociuba nannte 2023 die Standardisierung als offene Baustelle. Auch die verwendeten Mengen schwanken erheblich — von wenigen Hundert Milligramm bis zu mehreren Gramm täglich. Ein Vergleich zwischen den Produkten ist ohne Analysezertifikat kaum möglich.

In der Küche ist Hericium ein guter Speisepilz. Roh schmeckt er nach nichts, gebraten erinnert die Konsistenz an Meeresfrüchte. Wildsammlung ist in Deutschland problematisch, da der Pilz auf der Roten Liste steht; er wird deshalb überwiegend kultiviert.

Zur Einordnung: In der Studie von Mori nahmen die Probanden pro Tag rund 2,88 g Pilzpulver ein. Wollte man diese Menge über eine Kapsel mit 500 mg Extrakt abdecken, wären das etwa sechs Kapseln — vorausgesetzt, das Präparat wäre reines Pulver. Bei konzentrierten Extrakten liegt das Verhältnis anders, aber ohne Angabe des Drogen-Extrakt-Verhältnisses lässt sich das nicht seriös umrechnen. Deshalb ist die Angabe auf dem Etikett wichtiger als jeder Erfahrungswert aus dem Internet.

Wirkung

Mori et al. (Phytotherapy Research 2009) fanden bei 30 älteren Probanden mit leichter kognitiver Beeinträchtigung nach 16 Wochen Einnahme eine signifikante Verbesserung im HDS-R-Score, die vier Wochen nach Absetzen zurückging. Saitsu et al. (Biomedical Research Tokyo 2019) beobachteten nach 12 Wochen Einnahme eine Verbesserung im MMSE, jedoch nicht in zwei weiteren kognitiven Tests. Chong et al. (Int J Mol Sci 2019) fassten zusammen, dass antidepressive Effekte am Menschen bislang nicht validiert sind.

Dosierung

In der Studie von Mori (2009) erhielten die Teilnehmer 3 × täglich 4 Tabletten à 250 mg mit 96 % Hericium-Trockenpulver aus dem Fruchtkörper — insgesamt rund 2,88 g Pilzpulver pro Tag über 16 Wochen. Saitsu (2019) verwendete Fruchtkörper-Präparate über 12 Wochen (genaue Milligrammangabe im Abstract nicht enthalten). Handelsübliche Kapseln enthalten meist zwischen 500 und 1000 mg Pulver oder Extrakt; die Herstellerangabe auf der Packung ist maßgeblich, weil Extraktkonzentrationen stark variieren.

Natürliche Quellen

Hericium erinaceus wächst auf toten oder sterbenden Laubbäumen wie Eiche, Buche und Ahorn in Nordamerika, Europa und Asien.

Wissenschaftliche Quellen

Szućko-Kociuba et al., International Journal of Molecular Sciences 2023, 10.3390/ijms242115960 Contato & Conte-Junior, Nutrients 2025, 10.3390/nu17081307 Saitsu et al., Biomedical Research (Tokyo) 2019, 10.2220/biomedres.40.125 Mori et al., Phytotherapy Research 2009, 10.1002/ptr.2634 Chong et al., International Journal of Molecular Sciences 2019, 10.3390/ijms21010163

Häufige Fragen

Was ist Hericium erinaceus überhaupt?

Ein Speise- und Vitalpilz, der auf toten Laubbäumen wie Eiche, Buche und Ahorn wächst. Sein Fruchtkörper hängt in weißen, stacheligen Fäden herab — daher die Namen Löwenmähne, Igelstachelbart oder Affenkopfpilz.

Was untersucht die Forschung an diesem Pilz?

Vor allem die Inhaltsstoffe Hericenone (aus dem Fruchtkörper) und Erinacine (aus dem Myzel). Im Labor regen sie die Freisetzung von Nervenwachstumsfaktor an (Szućko-Kociuba, IJMS 2023). Am Menschen wurden kognitive Funktionen bei älteren Probanden getestet (Mori 2009, Saitsu 2019).

Wie viel wurde in Studien eingenommen?

Bei Mori (2009) waren es 3 g Tabletten täglich mit 96 % Pilzpulver — also rund 2,88 g reines Fruchtkörperpulver pro Tag über 16 Wochen. Saitsu (2019) arbeitete über 12 Wochen mit einem Fruchtkörper-Präparat.

Fruchtkörper oder Myzel — was ist besser?

Die beiden Teile enthalten unterschiedliche Wirkstoffe: Hericenone stecken vor allem im Fruchtkörper, Erinacine im Myzel. Beide Humanstudien (Mori, Saitsu) verwendeten Fruchtkörper-Präparate. Für Myzelprodukte fehlt vergleichbare klinische Evidenz am Menschen.

Hilft Hericium gegen Depressionen?

Chong et al. (IJMS 2019) schrieben ausdrücklich, dass antidepressive Effekte am Menschen bislang nicht validiert und nicht mit herkömmlichen Antidepressiva verglichen wurden. Vorhandene Daten stammen überwiegend aus Zell- und Tierversuchen.

Kann man den Pilz auch essen?

Ja. Kultivierter Hericium ist ein Speisepilz, dessen gebratene Konsistenz an Meeresfrüchte erinnert. In Deutschland steht die Wildform auf der Roten Liste — im Handel stammt der Pilz deshalb aus Zucht.

Wie lange dauerte es in Studien, bis Effekte messbar waren?

Bei Mori (2009) zeigten sich signifikante Veränderungen im HDS-R-Score erstmals in Woche 8, dann in Woche 12 und 16. Vier Wochen nach Absetzen sanken die Werte wieder — der Effekt war an die kontinuierliche Einnahme gebunden.

Auf einen Blick

Kategorie
Vitalpilze
Auch bekannt als
Löwenmähne, Igelstachelbart, Affenkopfpilz, Lion's Mane
Tags
VitalpilzNootropikumGehirnNervensystem