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Cordyceps

Cordyceps, auch als Raupenpilz bekannt, ist ein Vitalpilz, der in der traditionellen chinesischen Medizin zur Steigerung der Energie und Vitalität eingesetzt wird.

Cordyceps
Der Name klingt nach Science-Fiction, die Biologie dahinter ist aber real: Cordyceps ist eine Pilzgattung, deren Arten als Endoparasiten leben — sie befallen vor allem Insekten und Gliederfüßer und wachsen aus dem Wirt heraus. Genau daher stammt der Name Raupenpilz. In der traditionellen chinesischen Medizin wird er unter der Bezeichnung Dong Chong Xia Cao seit langem verwendet, gesammelt wurde er ursprünglich in den Hochlagen von Tibet, Nepal und Westchina, teils auf über 3.000 Metern Höhe.

Heute stammt der handelsübliche Cordyceps fast ausschließlich aus Kultivierung. Die Art Cordyceps militaris wird weltweit auf Nährböden gezogen, weil die wilde Ernte des klassischen Cordyceps sinensis aus dem Himalaya extrem aufwendig und teuer ist. Die kultivierte Variante hat den Vorteil, dass sich Wirkstoffgehalte reproduzierbar messen lassen — bei Wildpilzen schwankt das stark.

Was die Forschung besonders interessiert, sind zwei Substanzklassen. Zum einen das Cordycepin, ein Nukleosid-Analogon (chemisch 3'-Deoxyadenosin), zum anderen die extrazellulären Polysaccharide, kurz EPS. Yang et al. beschrieben 2020 in Critical Reviews in Microbiology, dass diese Polysaccharide aus verschiedenen Teilen des Pilzes gewonnen werden können — aus dem Myzel, den Fruchtkörpern oder aus dem Pilz-Insekt-Komplex — und dass ihre Struktur je nach Herkunft stark variiert. Die Autoren merken auch an, dass die Biosynthesewege und die Regulation der Polysaccharid-Bildung bislang nur teilweise verstanden sind. Das ist ein wichtiger Punkt: Wer Cordyceps kauft, kauft nicht ein einheitliches Molekül, sondern ein Gemisch, dessen Zusammensetzung vom Herstellungsverfahren abhängt.

Zum Cordycepin gibt es eine der interessanteren mechanistischen Arbeiten der letzten Jahre. Hawley et al. zeigten 2020 in Cell Chemical Biology, dass Cordycepin über Adenosin-Transporter in Zellen aufgenommen und dort zu Mono-, Di- und Triphosphaten umgebaut wird. Das Cordycepin-Monophosphat imitiert im zellfreien Versuch alle drei Wirkungen von AMP auf die AMP-aktivierte Proteinkinase AMPK — ein zentrales Enzym des Energiestoffwechsels. Bei sehr hohen Konzentrationen ersetzt Cordycepin sogar teilweise die zelleigenen Adeninnukleotide. Wichtig zum Einordnen: Diese Daten stammen aus Zellen und zellfreien Systemen, nicht aus kontrollierten Studien am Menschen.

Einen breiteren Überblick liefert Das et al. 2020 in Frontiers in Pharmacology. Die Übersicht listet für Cordyceps-Extrakte in vorklinischen Untersuchungen unter anderem eine Beeinflussung verschiedener Zytokine wie IL-2, IL-6, IL-10, IL-12 und TNF-α sowie eine Modulation der Phagozytose auf. Auch hier gilt: „präklinisch" heißt Zellkultur und Tiermodell. Antioxidative, kardiovaskuläre und stoffwechselbezogene Effekte werden diskutiert, sind aber überwiegend nicht durch große Humanstudien belegt.

Qu et al. haben 2022 in Microorganisms rund 131 Metaboliten aus der Gattung Cordyceps zusammengetragen, die in den letzten 15 Jahren beschrieben wurden. Das gibt einen Eindruck von der chemischen Vielfalt: Nukleoside, Polysaccharide, Sterole, Peptide, Alkaloide. Rechnet man das durch, sind das im Schnitt fast neun neu beschriebene Substanzen pro Jahr — die Gattung ist chemisch also alles andere als abgegrast.

Worauf man beim Vergleich von Präparaten achten sollte: Fruchtkörper und Myzel enthalten unterschiedliche Wirkstoffprofile. Cordyceps militaris bildet in Kultur meist deutlich mehr Cordycepin als das wilde Cordyceps sinensis, während sinensis für sein spezifisches Polysaccharid-Muster bekannt ist. Manche Anbieter geben einen prozentualen Cordycepin- oder Polysaccharid-Gehalt an, andere nur die Rohgewichtsmenge — das sind zwei unterschiedliche Aussagen. Ein Extrakt mit 0,5 % Cordycepin liefert bei 1.000 mg genau 5 mg Cordycepin. Wer nur „500 mg Cordyceps-Pulver" liest, weiß nicht, wieviel Wirkstoff drin ist.

Was die Forschung bisher NICHT zeigt: Es gibt keine großen, methodisch belastbaren Humanstudien, die eindeutige Effekte auf Ausdauer, Immunfunktion oder Energiehaushalt beim gesunden Menschen bestätigen. Die meisten Aussagen stammen aus Zellversuchen, Tiermodellen oder kleinen Pilotstudien. In der EU sind für Cordyceps entsprechend keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Wer den Pilz einsetzt, tut das auf Basis traditioneller Anwendung und präklinischer Hinweise — nicht auf Basis abgesicherter klinischer Evidenz.

Wirkung

In vorklinischen Untersuchungen wurden für Cordyceps-Extrakte Effekte auf Zytokine (u.a. IL-2, IL-6, IL-10, TNF-α) und die Phagozytose beschrieben (Das et al., Frontiers in Pharmacology 2020). Hawley et al. zeigten 2020 in Cell Chemical Biology, dass Cordycepin über sein Monophosphat die AMP-aktivierte Proteinkinase AMPK aktiviert — allerdings in Zellversuchen, nicht in klinischen Studien am Menschen. Belastbare Humanstudien zu klinischen Endpunkten fehlen bisher.

Dosierung

In vorklinischen Arbeiten wurden sehr unterschiedliche Extrakte und Konzentrationen verwendet, sodass sich daraus keine allgemeingültige Humandosis ableiten lässt. Handelsüblich sind Kapseln mit 500 bis 1.000 mg Pilzpulver oder standardisiertem Extrakt. Entscheidend ist weniger die Rohmenge als der ausgewiesene Gehalt an Cordycepin oder Polysacchariden — ohne diese Angabe lässt sich der Wirkstoffanteil nicht abschätzen.

Natürliche Quellen

Cordyceps-Pilze wachsen in den Hochgebirgsregionen von China, Tibet und Nepal. Cordyceps militaris wird heute weltweit kultiviert.

Wissenschaftliche Quellen

Das et al., Frontiers in Pharmacology 2020, doi:10.3389/fphar.2020.602364 Hawley et al., Cell Chemical Biology 2020, doi:10.1016/j.chembiol.2020.01.004 Qu et al., Microorganisms 2022, doi:10.3390/microorganisms10081489 Yang et al., Critical Reviews in Microbiology 2020, doi:10.1080/1040841X.2020.1794788

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Cordyceps sinensis und Cordyceps militaris?

Cordyceps sinensis ist die wilde Himalaya-Art, die auf Insektenlarven parasitiert und traditionell in Tibet und Nepal gesammelt wird. Cordyceps militaris lässt sich auf Nährböden kultivieren und enthält in der Regel deutlich mehr Cordycepin. Für den Handel wird fast ausschließlich militaris verwendet, weil sinensis kaum verfügbar und sehr teuer ist.

Was ist Cordycepin überhaupt?

Cordycepin ist ein Nukleosid, chemisch 3'-Deoxyadenosin, und einer der am besten untersuchten Inhaltsstoffe von Cordyceps militaris. Hawley et al. beschrieben 2020, dass es in Zellen zu Cordycepin-Monophosphat umgebaut wird und dort die Proteinkinase AMPK aktiviert. Die Daten stammen aus Zellversuchen.

Ist Cordyceps ein Insekt oder ein Pilz?

Ein Pilz. Bestimmte Cordyceps-Arten wachsen in der Natur allerdings aus Insektenlarven heraus, weil sie diese als Wirt nutzen. Der handelsübliche kultivierte Cordyceps militaris wird ohne Insektenwirt auf pflanzlichen Nährböden gezogen.

Was sagt die Wissenschaft zur Wirkung beim Menschen?

Große kontrollierte Humanstudien fehlen bislang. Der Großteil der Daten stammt aus Zellkultur und Tiermodellen — etwa die Übersicht von Das et al. in Frontiers in Pharmacology 2020 zu Zytokin- und Immunzelleffekten. Für gesundheitsbezogene Aussagen reicht diese Evidenz in der EU nicht aus.

Worauf sollte ich beim Kauf achten?

Auf die Angabe des Wirkstoffgehalts. Ein Präparat mit ausgewiesenem Cordycepin- oder Polysaccharid-Anteil ist besser vergleichbar als eines, das nur die Rohmenge nennt. Yang et al. 2020 wiesen darauf hin, dass sich die Polysaccharidstruktur je nach verwendetem Pilzteil und Verfahren stark unterscheidet.

Wie viele Wirkstoffe stecken in Cordyceps?

Qu et al. beschrieben 2022 in Microorganisms rund 131 Metaboliten, die in den letzten 15 Jahren aus der Gattung isoliert wurden — darunter Nukleoside, Polysaccharide, Sterole und Peptide. Ein Extrakt ist also immer ein Stoffgemisch, kein Einzelmolekül.

Kann ich Cordyceps roh essen wie einen Speisepilz?

In der klassischen Anwendung wird Cordyceps meist als Sud, Pulver oder Extrakt verwendet, nicht wie ein Champignon zubereitet. Kultivierte Fruchtkörper von Cordyceps militaris sind zwar essbar, im Handel liegt der Fokus aber auf standardisierten Extrakten wegen der besseren Dosierbarkeit.

Auf einen Blick

Kategorie
Vitalpilze
Auch bekannt als
Chinesischer Raupenpilz, Tibetischer Raupenpilz, Dong Chong Xia Cao
Tags
VitalpilzEnergieAusdauerImmunsystem