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Shiitake

Shiitake ist ein beliebter Speise- und Vitalpilz, der das Immunsystem stärkt, die Herzgesundheit fördert und reich an wertvollen Nährstoffen ist.

Shiitake
Shiitake ist einer der wenigen Speisepilze, der es in medizinische Fachjournale geschafft hat — allerdings nicht immer aus dem Grund, den man erwartet. Gleich fünf der hier ausgewerteten Studien beschäftigen sich mit einem Nebeneffekt: der sogenannten Shiitake-Dermatitis. Dazu später mehr.

Botanisch heißt der Pilz Lentinula edodes. Er wächst in Ostasien natürlich auf abgestorbenen Laubbäumen, vor allem auf dem japanischen Pasania-Baum, dem er einen seiner Namen verdankt. Die kommerzielle Kultur läuft heute überwiegend auf Substratblöcken aus Sägemehl oder auf beimpften Holzstämmen. Das erklärt, warum der Pilz aus Ostasien inzwischen im Kühlregal fast jedes Supermarkts liegt.

Interessant wird Shiitake aus Forschungssicht wegen seiner Polysaccharide, speziell Lentinan. Lentinan ist in Japan als begleitendes Krebsmedikament zugelassen — nicht als Nahrungsergänzung, sondern als verschreibungspflichtiges Präparat. Kaleta et al. veröffentlichten 2019 in Carbohydrate polymers eine Arbeit, in der sie ein selenangereichertes Analogon dieses Lentinans biotechnologisch herstellten und mit der nicht angereicherten Variante verglichen. Beide Fraktionen hemmten in Zellkulturen die durch Mitogene ausgelöste Vermehrung menschlicher T-Lymphozyten, ohne die B-Lymphozyten stark zu beeinflussen. Der Effekt ging laut Autoren nicht auf Zellgiftigkeit zurück; normale Gefäßzellen (HUVEC) und HeLa-Zellen blieben in Anwesenheit der Polysaccharide sogar besser lebensfähig. Wichtig: Das ist ein Zellkulturversuch mit isoliertem Polysaccharid, kein Versuch mit gegessenem Pilz oder mit einer Kapsel.

Damit sind wir bei einer ehrlichen Einordnung. Kein einziger der hier vorliegenden Belege zeigt am Menschen, dass der Verzehr von getrocknetem Shiitake oder Shiitake-Pulver eine bestimmte Krankheit beeinflusst. Vier von fünf Studien behandeln überhaupt keine Wirkung, sondern eine Nebenwirkung. Wer im Netz auf Aussagen zu Cholesterin, Blutdruck oder Immunsystem stößt, sollte prüfen, ob dahinter Humanstudien mit dem ganzen Pilz stehen — in dieser Übersicht hier finden sie sich nicht.

Die Shiitake-Dermatitis, mehrfach beschrieben von Bachmeyer & Rouff (CMAJ 2017), Heineke et al. (Deutsches Ärzteblatt International 2020), Januionyt & Pünchera (New England Journal of Medicine 2023) und Sudy & Urbina (International Journal of Dermatology 2023), ist ein charakteristischer, streifenförmiger Hautausschlag. Er tritt typischerweise nach dem Verzehr roher oder unzureichend erhitzter Shiitake auf und wird auf das hitzeempfindliche Polysaccharid Lentinan zurückgeführt. Sudy & Urbina beschreiben in ihrer Arbeit von 2023 die unterschiedlichen klinischen Formen, in denen sich das Bild zeigen kann. Die praktische Konsequenz aus der Studienlage ist simpel: durchgaren.

Ein kleiner Rechenweg zum Alltag. 100 g frische Shiitake bestehen zu grob 90 Prozent aus Wasser. Aus einem Kilogramm frischen Pilzen werden nach dem Trocknen also nur etwa 100 g Trockenpilz. Wer aus dem Asia-Regal 50 g getrocknete Shiitake mitnimmt, hat damit rechnerisch den Gegenwert von rund 500 g frischer Pilze in der Tüte — das ist beim Preisvergleich mit Frischware relevant. Für die klassische japanische Zubereitung werden getrocknete Shiitake mehrere Stunden in kaltem Wasser eingeweicht; das Einweichwasser wird oft weiterverwendet, weil sich darin Geschmacksstoffe lösen.

Geschmacklich liefert Shiitake vor allem Umami. Verantwortlich sind unter anderem Guanylat-Verbindungen, die sich beim Trocknen anreichern. Deshalb schmeckt getrockneter Shiitake nach dem Einweichen intensiver als frischer. In der Küche passt er zu Brühen, Reisgerichten, Nudelsuppen und geschmorten Gemüsepfannen. Kombiniert mit Sojasauce, Ingwer und Frühlingszwiebeln entsteht die typische ostasiatische Aromenbasis.

Zusammengefasst: Shiitake ist ein gut untersuchter Speisepilz mit interessanten, isolierten Polysacchariden und einer klar dokumentierten Nebenwirkung bei Rohverzehr. Wer ihn kocht, umgeht die Dermatitis-Fälle, die in der Literatur beschrieben sind. Wer sich eine bestimmte gesundheitliche Wirkung erhofft, sollte wissen, dass die vorliegenden Studien diese so nicht belegen — sie zeigen Effekte an Zellen, nicht an Menschen mit Diagnose.

Wirkung

In einer Laborarbeit von Kaleta et al. (Carbohydrate polymers 2019) hemmten aus Shiitake gewonnene Polysaccharide, sowohl in selenangereicherter als auch in normaler Form, in Zellkulturen die durch Mitogene ausgelöste Vermehrung menschlicher T-Lymphozyten, während B-Lymphozyten weitgehend unbeeinflusst blieben. Klinische Wirksamkeitsstudien am Menschen mit dem ganzen Pilz liegen in dieser Übersicht nicht vor. Mehrere Fachartikel (u.a. Heineke et al., Deutsches Ärzteblatt International 2020; Sudy & Urbina, International Journal of Dermatology 2023) dokumentieren dagegen die Shiitake-Dermatitis nach Rohverzehr.

Dosierung

Für den Speisepilz gibt es keine Studiendosierung — in der japanischen Küche werden pro Portion etwa 3 bis 5 getrocknete Pilze (rund 5 bis 10 g) eingeweicht und gegart, das entspricht umgerechnet etwa 50 bis 100 g frischer Pilze. Wichtig ist laut der zitierten Fallberichte, den Pilz vor dem Verzehr durchzugaren, da das hitzeempfindliche Polysaccharid Lentinan mit der Shiitake-Dermatitis in Verbindung gebracht wird. Die in der Laborstudie von Kaleta et al. (2019) verwendeten Polysaccharidfraktionen wurden isoliert im Zellversuch getestet und lassen sich nicht auf eine Verzehrsmenge des ganzen Pilzes umrechnen.

Natürliche Quellen

Shiitake wächst natürlich auf Laubbäumen in Ostasien. Heute wird er weltweit in großem Stil auf Substraten aus Sägemehl oder Holzstämmen kultiviert.

Wissenschaftliche Quellen

Januionyt & Pünchera, The New England Journal of Medicine 2023, DOI: 10.1056/NEJMicm2304409 Bachmeyer & Rouff, CMAJ 2017, DOI: 10.1503/cmaj.160644 Kaleta et al., Carbohydrate polymers 2019, DOI: 10.1016/j.carbpol.2019.115078 Sudy & Urbina, International Journal of Dermatology 2023, DOI: 10.1111/ijd.16647 Heineke et al., Deutsches Ärzteblatt International 2020, DOI: 10.3238/arztebl.2020.0718

Häufige Fragen

Kann man Shiitake roh essen?

Besser nicht. Mehrere Fachartikel, darunter Heineke et al. (Deutsches Ärzteblatt International 2020) und Sudy & Urbina (International Journal of Dermatology 2023), beschreiben die Shiitake-Dermatitis — einen streifenförmigen Hautausschlag nach Verzehr roher oder unzureichend erhitzter Pilze. Durchgaren löst das Problem, weil das verantwortliche Polysaccharid Lentinan hitzeempfindlich ist.

Was ist Lentinan?

Lentinan ist ein Polysaccharid aus Shiitake. In Japan wird es als isoliertes, verschreibungspflichtiges Präparat in der begleitenden Krebstherapie eingesetzt. Kaleta et al. (Carbohydrate polymers 2019) untersuchten eine selenangereicherte Variante im Zellversuch und fanden selektive Effekte auf T-Lymphozyten.

Wie unterscheiden sich frische und getrocknete Shiitake?

Frische Pilze bestehen zu rund 90 Prozent aus Wasser. Aus einem Kilo frischen Pilzen werden nach dem Trocknen etwa 100 g Trockenware. Getrocknete Shiitake schmecken intensiver, weil sich Aromastoffe anreichern, und müssen vor dem Kochen mehrere Stunden eingeweicht werden.

Woher stammt Shiitake ursprünglich?

Aus Ostasien. Er wächst natürlich auf Laubbäumen, unter anderem auf dem japanischen Pasania-Baum, was ihm den Zweitnamen Pasaniapilz eingebracht hat. Heute läuft die Kultur weltweit auf Sägemehlsubstraten oder auf beimpften Holzstämmen.

Belegen die Studien eine gesundheitliche Wirkung des Verzehrs?

In den hier ausgewerteten Studien nicht. Die Arbeit von Kaleta et al. (2019) ist ein Zellversuch mit isoliertem Polysaccharid. Vier weitere Studien beschreiben die Shiitake-Dermatitis als Nebenwirkung. Humanstudien zum Verzehr des ganzen Pilzes mit klinischen Endpunkten liegen in dieser Auswahl nicht vor.

Wie schmeckt Shiitake?

Intensiv umami. Verantwortlich sind Guanylat-Verbindungen, die sich beim Trocknen anreichern. Deshalb wird getrockneter Shiitake in der ostasiatischen Küche oft dem frischen vorgezogen, wenn es um Brühen oder geschmorte Gerichte geht.

Wie lange muss ich getrocknete Shiitake einweichen?

Traditionell mehrere Stunden in kaltem Wasser, gerne über Nacht. Das Einweichwasser lässt sich weiterverwenden, weil sich darin Aroma- und Farbstoffe lösen. Danach werden die Pilze gegart, nicht roh verwendet.

Auf einen Blick

Kategorie
Vitalpilze
Auch bekannt als
Lentinula edodes, Pasaniapilz, Duftender Pilz
Tags
VitalpilzImmunsystemHerzgesundheitCholesterin