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Borretschöl

Borretschöl ist die reichste pflanzliche Quelle für Gamma-Linolensäure (GLA) und wird zur Behandlung von Hautentzündungen, rheumatoider Arthritis und zur Hautpflege eingesetzt.

Borretschöl
Aus den Samen der Borretschpflanze (Borago officinalis) wird ein Öl gepresst, das unter allen pflanzlichen Ölen den höchsten natürlichen Anteil an Gamma-Linolensäure enthält. Diese mehrfach ungesättigte Fettsäure, kurz GLA, macht im Borretschsamen etwa 17 bis 25 Prozent der Fettsäuren aus – zum Vergleich: Nachtkerzenöl liegt üblicherweise bei 8 bis 10 Prozent. Damit steckt in einem Milliliter Borretschöl grob doppelt so viel GLA wie in der gleichen Menge Nachtkerzenöl.

Die Pflanze selbst stammt aus dem Mittelmeerraum. In Deutschland kennt man sie als Gurkenkraut, weil die frischen Blätter deutlich nach Salatgurke riechen. Angebaut wird sie heute in weiten Teilen Europas und Nordamerikas – teils als Zierpflanze im Garten, teils gezielt als Ölsaat auf landwirtschaftlichen Flächen. Für die Ölgewinnung werden ausschließlich die kleinen, schwarzen Samen verwendet, die nach der Blüte reifen. Ein Kilogramm Borretschsamen liefert je nach Presstechnik zwischen 250 und 300 Milliliter Öl.

Botanisch gehört Borretsch zur Familie der Rauhblattgewächse (Boraginaceae). In dieser Familie kommen von Natur aus Pyrrolizidinalkaloide vor – Verbindungen, die in höheren Dosen leberschädigend wirken können. Deshalb wird bei Ölen und Nahrungsergänzungsmitteln aus Borretsch üblicherweise ein Reinigungsschritt eingeschoben, der diese Alkaloide entfernt oder unter den Grenzwert des Bundesinstituts für Risikobewertung (0,007 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag) senkt. Wer Borretschöl kauft, sollte daher auf den Hinweis „PA-frei" oder „pyrrolizidinalkaloidgeprüft" achten.

Zum Forschungsstand: Ein aktuelles Review von Slama et al. in Chemistry & Biodiversity (2024) fasst die bisherigen Untersuchungen zu Borago officinalis zusammen. Die Autoren tragen zusammen, welche Inhaltsstoffe – vor allem Phenolsäuren, Flavonoide, Anthocyane, Alkaloide und Terpene – in Blättern, Blüten, Samen und Wurzeln der Pflanze nachgewiesen wurden und welche biologischen Aktivitäten in Labor- und Tierversuchen beschrieben sind. Betont wird, dass die meisten dieser Effekte aus in-vitro- und in-vivo-Modellen stammen, nicht aus großen klinischen Studien am Menschen.

Eine ältere Arbeit von Lozano-Baena et al., erschienen in Nutrients (2016), untersuchte Borago officinalis am Fruchtfliegen-Modell (Drosophila SMART-Test) und an HL-60-Zellen, einer menschlichen Leukämie-Zelllinie. Die Wildform der Pflanze zeigte in diesem Zellsystem antigenotoxische Effekte, die IC50-Werte für die zytotoxische Wirkung lagen bei 0,49 mg/ml (Wildform) und 0,28 mg/ml (Kulturform). Was diese Zahlen für den Menschen bedeuten, lässt sich aus einem Zellversuch nicht ableiten – sie beschreiben ausschließlich das Verhalten isolierter Zellen im Reagenzglas.

Was die Forschung bislang nicht liefert, ist ebenso wichtig: Es gibt keine von der EFSA zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben für Borretschöl oder GLA. Aussagen wie „hilft bei Neurodermitis" oder „wirkt gegen Rheuma" sind in der EU nicht erlaubt, auch wenn sich in der Literatur einzelne Studien zu diesen Themen finden. Die Datenlage aus großen, randomisierten Studien am Menschen ist für Borretschöl schmaler als oft dargestellt.

In der Küche spielt reines Borretschöl kaum eine Rolle, weil es hitzeempfindlich ist und schnell ranzig wird. Verwendet wird es fast ausschließlich in Kapseln oder in kosmetischen Zubereitungen wie Cremes und Massageölen. Die frischen Blätter dagegen sind ein klassisches Bestandteil der Frankfurter Grünen Sauce – zusammen mit Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Sauerampfer, Pimpinelle und Kresse. Sieben Kräuter, eines davon Borretsch.

Rein rechnerisch: Eine handelsübliche Kapsel enthält meist 500 mg Borretschöl, was etwa 100 mg GLA entspricht. Wollte man diese Menge über frische Borretschblätter aufnehmen, käme man nicht weit – die grüne Pflanzenmasse enthält praktisch keine GLA, diese sitzt ausschließlich im reifen Samen. Ein Esslöffel Borretschsamen (rund 10 g) enthält rechnerisch etwa 300–450 mg GLA, also so viel wie drei bis vier Kapseln.

Wirkung

Slama et al. berichten im Review in Chemistry & Biodiversity (2024) über in-vitro- und in-vivo-Untersuchungen zu Borago officinalis, in denen antioxidative, antimikrobielle und entzündungsmodulierende Aktivitäten beobachtet wurden – zurückgeführt auf Phenolsäuren, Flavonoide und Anthocyane. Lozano-Baena et al. beschrieben in Nutrients (2016) antigenotoxische Effekte im Drosophila-Modell und zytotoxische IC50-Werte von 0,49 mg/ml (Wildform) und 0,28 mg/ml (Kulturform) an HL-60-Zellen. Übertragbare Aussagen für den Menschen lassen sich aus diesen Modellen nicht ableiten.

Dosierung

In der Praxis werden Borretschöl-Kapseln meist mit 500 mg Öl dosiert, was etwa 100 mg Gamma-Linolensäure enthält. Klinische Studien mit einheitlichem Dosierschema sind in der übergebenen Literatur nicht enthalten, konkrete Verzehrempfehlungen aus Studien lassen sich daher nicht nennen. Der BfR-Richtwert für Pyrrolizidinalkaloide liegt bei 0,007 µg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag – ein Grund, ausschließlich geprüfte, PA-arme Öle zu verwenden.

Natürliche Quellen

Borretsch ist im Mittelmeerraum heimisch, wird aber heute in vielen Teilen Europas und Nordamerikas als Garten- und Kulturpflanze angebaut.

Wissenschaftliche Quellen

Slama et al., Chemistry & Biodiversity 2024, DOI: 10.1002/cbdv.202301822 Lozano-Baena et al., Nutrients 2016, DOI: 10.3390/nu8010048

Häufige Fragen

Was ist Gamma-Linolensäure?

GLA ist eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure. Der Körper kann sie theoretisch selbst aus Linolsäure bilden, dieser Umwandlungsschritt läuft aber begrenzt. Borretschsamen enthalten 17–25 % GLA und sind damit die reichste pflanzliche Quelle.

Was ist der Unterschied zwischen Borretschöl und Nachtkerzenöl?

Beide enthalten GLA, aber in unterschiedlicher Konzentration. Nachtkerzenöl liegt bei 8–10 %, Borretschöl bei 17–25 %. Für die gleiche GLA-Menge braucht man also etwa doppelt so viel Nachtkerzenöl.

Was sind Pyrrolizidinalkaloide und warum sind sie ein Thema?

PA sind natürliche Pflanzenstoffe, die in Rauhblattgewächsen wie Borretsch vorkommen. In höheren Dosen können sie die Leber schädigen. Seriöse Hersteller reinigen das Öl, sodass der Gehalt unter den vom BfR genannten Richtwerten liegt.

Kann man Borretschöl zum Kochen verwenden?

Nein, dafür ist es nicht geeignet. Das Öl ist hitzeempfindlich und oxidiert schnell. Verwendet wird es fast ausschließlich in Kapseln oder in der Kosmetik.

Sind die frischen Blätter dasselbe wie das Öl?

Nein. Die GLA sitzt ausschließlich in den reifen Samen. Frische Borretschblätter schmecken nach Gurke und werden in der Frankfurter Grünen Sauce verwendet, liefern aber praktisch keine Gamma-Linolensäure.

Woran erkennt man gutes Borretschöl?

An einem Hinweis auf PA-Prüfung oder PA-Freiheit, an einem hohen GLA-Gehalt (ausgewiesen in Prozent oder mg pro Kapsel) und an einer dunklen Flasche bzw. lichtgeschützten Kapsel. Kaltgepresstes Öl ist gegenüber raffiniertem zu bevorzugen.

Warum heißt Borretsch auch Gurkenkraut?

Die frischen Blätter enthalten Aromastoffe, die sehr an Salatgurke erinnern. Wer eine Pflanze zerreibt, riecht den Vergleich sofort. Botanisch hat Borretsch mit der Gurke nichts zu tun – sie gehört zu einer ganz anderen Pflanzenfamilie.

Auf einen Blick

Kategorie
Pflanzenöle
Auch bekannt als
Borago officinalis, Gurkenkraut, Kukumerkraut, Borage Oil
Tags
Gamma-LinolensäureEntzündungshemmendRheumaNeurodermitisHautpflegePflanzenöl