Fisch speichert Fett nicht als lose Fettsäure, sondern als Triglycerid: drei Fettsäuren, die an ein Glycerin-Rückgrat gebunden sind. Diese Struktur ist die natürliche Transport- und Speicherform von Fett bei Mensch und Tier. Wenn du Lachs, Hering oder Makrele isst, nimmst du Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA fast ausschließlich in genau dieser Form auf.
Der Grund, warum die Triglycerid-Form (TG) im Zusammenhang mit Omega-3-Kapseln immer wieder auftaucht, liegt in der Herstellung. Um Fischöl zu reinigen und den Anteil an EPA und DHA zu erhöhen, wird es in vielen Prozessen zunächst in Ethylester (EE) überführt. Das Endprodukt ist dann ein synthetisch veränderter Ester, keine echte Triglycerid-Struktur mehr. Hochwertigere Präparate durchlaufen einen zusätzlichen Schritt: die Re-Veresterung. Dabei wird der Ethylester wieder zurück zum Triglycerid umgebaut, damit die ursprüngliche Molekülstruktur wieder vorliegt. Man spricht dann von rTG (re-esterified triglyceride).
Wissenschaftlich untersucht wurden diese verschiedenen Formen mehrfach. Roth beschrieb 2015 in Expert Opinion on Pharmacotherapy die Freie-Fettsäuren-Form (ω-3 FFA, Handelsname Epanova) und wies darauf hin, dass die freie Form eine höhere Bioverfügbarkeit als andere Omega-3-Formen zeigt und dadurch potenziell in niedrigerer Dosierung und unabhängiger von der Mahlzeit wirken könnte (DOI 10.1517/14656566.2015.991307). Die Aussage bezieht sich auf ein verschreibungspflichtiges Präparat gegen schwere Hypertriglyceridämie, nicht auf klassische Nahrungsergänzungsmittel.
Eine randomisierte klinische Studie zur re-veresterten Triglycerid-Form veröffentlichten Eom et al. 2024 im JAMA Ophthalmology. Sie untersuchten rTG-Omega-3 bei Patienten mit trockenem Auge und Dysfunktion der Meibom-Drüsen (DOI 10.1001/jamaophthalmol.2024.1482). Bemerkenswert an der Publikation: Die Autoren verweisen darauf, dass eine frühere große Studie zu Omega-3 bei trockenem Auge keinen Effekt gezeigt hatte, und wollten mit der rTG-Form nachprüfen, ob die Molekülstruktur das Ergebnis beeinflusst. Damit ist die Datenlage zur TG-Form gegenüber der EE-Form auch heute noch nicht abschließend geklärt.
Um zu verstehen, warum Fachleute überhaupt über die Molekülform diskutieren, hilft ein Blick auf die Rolle von Triglyceriden im Körper. Wierzbicki et al. beschrieben 2022 im Journal of Clinical Pathology, dass Triglyceride Bestandteil des Standard-Lipidprofils sind und dass erhöhte Werte über triglyceridreiche Lipoprotein-Partikel mit kardiovaskulärem Risiko in Verbindung stehen (DOI 10.1136/jclinpath-2021-207719). In einer früheren Arbeit derselben Autorengruppe (Current Opinion in Cardiology 2012, DOI 10.1097/HCO.0b013e328353adc1) diskutierten sie die Frage, ob und wann Triglyceridwerte behandelt werden sollten. Bei sehr hohen Werten über 10 mmol/L sprechen sie von primärer Hypertriglyceridämie und empfehlen eine spezifische Abklärung.
Ein kleines Rechenbeispiel zur Einordnung: Fischöl in TG-Form enthält typischerweise pro Molekül drei Fettsäureketten. Wenn ein Präparat einen EPA/DHA-Gehalt von 60 Prozent angibt, bedeutet das nicht, dass 60 Prozent der Kapselmasse aus EPA und DHA bestehen — das ist der Anteil an den Fettsäuren im Öl selbst. Bei einer Kapsel mit 1000 mg Fischöl und 60 Prozent EPA/DHA-Konzentration ergibt das rund 600 mg der beiden aktiven Fettsäuren. Der Rest sind andere Fettsäuren des Fisches sowie das Glycerin-Rückgrat. Zum Vergleich: Ein 100-g-Stück fetter Lachs liefert je nach Herkunft und Jahreszeit etwa 1500 bis 2500 mg Omega-3. Zwei bis drei hoch konzentrierte Kapseln entsprechen also grob einer kleinen Portion Fisch.
Was die Forschung nicht zeigt: Es gibt keinen breiten wissenschaftlichen Konsens, dass die TG- oder rTG-Form in normaler Ernährungsdosierung dem gesunden Menschen einen messbaren Vorteil gegenüber der EE-Form bringt. Die zitierten Bioverfügbarkeitsvorteile beziehen sich meist auf pharmakologische Dosen. Und die Studien zu klinischen Endpunkten — Herz-Kreislauf-Ereignisse, Augen, Entzündungen — nutzen unterschiedliche Formen und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wer sich für ein TG-Produkt entscheidet, tut das eher, weil die Molekülstruktur der natürlichen Fischform entspricht, weniger weil eine klinische Überlegenheit bewiesen wäre.
Auch bekannt als
TG-Form, Triglyceride


