Die chemische Kurzform verrät die Struktur: EPA (Eicosapentaensäure) hat 20 Kohlenstoffatome und fünf Doppelbindungen, DHA (Docosahexaensäure) 22 Kohlenstoffatome und sechs Doppelbindungen. Beide zählen zur Gruppe der Omega-3-PUFAs, zu denen auch ALA (18:3), Stearidonsäure (18:4) und DPA (22:5) gehören. Diese Einordnung stammt aus einem Übersichtsartikel von Shahidi & Ambigaipalan im Annual Review of Food Science and Technology (2018), der Struktur, Stoffwechsel und Studienlage zu Omega-3-PUFAs zusammenfasst.
Wie gut die Bevölkerung tatsächlich mit EPA und DHA versorgt ist, hat die Arbeitsgruppe um Schuchardt in einer weltweiten Bestandsaufnahme untersucht (Progress in Lipid Research 2024). Grundlage war der sogenannte Omega-3-Index — der Anteil von EPA + DHA an den Fettsäuren in der Membran roter Blutkörperchen. Ausgewertet wurden 328 Studien mit 342.864 Personen aus 48 Ländern und Regionen. Die Autoren teilten die Länder in vier Gruppen ein: sehr niedrig (≤4 %), niedrig (>4–6 %), moderat (>6–8 %) und wünschenswert (>8 %). Große Teile Europas, darunter auch Deutschland, liegen laut dieser Karte im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich. Das ist eine der wenigen belastbaren Zahlen, die du zum Thema hast: nicht Meinung, sondern gemessene Membranfettsäure.
Beim Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Studienlage widersprüchlicher, als es Werbung vermuten lässt. Mason und Kollegen (Best Practice & Research Clinical Endocrinology & Metabolism 2023) fassen zusammen: EPA und DHA senken Triglyzeride, aber die Studien zur Reduktion tatsächlicher Herz-Kreislauf-Ereignisse fallen sehr unterschiedlich aus. Reine EPA-Präparate (Icosapent-Ethyl) zeigten in einigen Studien Effekte, gemischte EPA/DHA-Formulierungen dagegen kaum — obwohl die Triglyzeride vergleichbar sanken. Die Autoren schlussfolgern, dass EPA und DHA im Gewebe unterschiedlich verteilt werden und Membranstruktur, Oxidation und Gefäßfunktion nicht gleich beeinflussen. Kurz gesagt: „Omega-3 gegen Herzinfarkt“ ist keine gesicherte Aussage, das Feld ist offen.
Ein weiteres Anwendungsgebiet, das aktuell untersucht wird, ist Arthrose. Shawl et al. (Nutrients 2024) beschreiben, dass Osteoarthritis eine chronisch entzündliche Komponente hat, die durch Ernährung und Nahrungsergänzung möglicherweise beeinflussbar ist. Der Übersichtsartikel diskutiert Studien zu Omega-3 bei Gelenkbeschwerden, hält die Ergebnisse aber ausdrücklich für uneinheitlich — nicht zuletzt, weil sich die Grunderkrankung von Person zu Person stark unterscheidet.
Hronek & Kovařík (Ceska a Slovenska farmacie 2024) haben Nahrungssupplementation mit Omega-3 aus pharmazeutischer Sicht aufgearbeitet, inklusive empfohlener Tagesdosen und Höchstmengen. Solche Übersichten sind nützlich, weil sie zeigen, dass Omega-3 kein Nischenthema mehr ist, sondern in Apothekerzeitschriften und Ernährungsleitlinien verhandelt wird.
Ein Rechenbeispiel zur Einordnung: Empfohlen werden in vielen Fachgesellschaften rund 250–500 mg EPA + DHA pro Tag. Eine Portion Lachs (150 g) liefert etwa 2.500–3.500 mg Omega-3, ein Filet Hering ähnlich viel. Zwei Fischmahlzeiten pro Woche kommen also rechnerisch über den Tagesbedarf — wer keinen Fisch isst, landet ohne Algen- oder Fischölquelle schnell im Bereich der sehr niedrigen Omega-3-Indizes, die Schuchardt et al. für viele Länder dokumentiert haben.
Was die Forschung nicht zeigt: Es gibt keinen Beleg, dass Omega-3 vor Krebs schützt, Depressionen zuverlässig lindert oder Demenz verhindert. Shahidi & Ambigaipalan nennen diese Bereiche zwar als untersucht, verweisen aber ausdrücklich auf Kontroversen und uneinheitliche Wirksamkeit. Die EU hat für EPA und DHA nur wenige eng definierte Angaben zugelassen, etwa in Bezug auf normale Herzfunktion bei einer Tagesaufnahme von 250 mg. Alles darüber hinaus ist Forschungsstand, kein Versprechen.
Wenn du EPA und DHA gezielt aufnehmen willst, bleiben drei praktische Wege: fetter Seefisch zweimal pro Woche, Fischöl- oder Krillölpräparate, oder — für Menschen, die tierische Quellen meiden — Algenöl, das den Ausgangspunkt der marinen Nahrungskette darstellt. Fische bauen ihre EPA-/DHA-Reserven durch den Verzehr von Mikroalgen auf.
Wirkung
Ein Übersichtsartikel von Shahidi & Ambigaipalan (Annual Review of Food Science and Technology 2018) beschreibt untersuchte Effekte von Omega-3-PUFAs auf Herz-Kreislauf, Stoffwechsel, Gehirnentwicklung und Entzündung — mit ausdrücklichem Hinweis auf uneinheitliche Ergebnisse. Mason et al. (Best Practice & Research Clinical Endocrinology & Metabolism 2023) berichten, dass EPA und DHA Triglyzeride senken, ihre Wirkung auf tatsächliche Herz-Kreislauf-Ereignisse in Studien aber stark schwankt. Schuchardt et al. (Progress in Lipid Research 2024) dokumentieren mit dem Omega-3-Index, dass viele europäische Länder im niedrigen Versorgungsbereich liegen.
Dosierung
Die EU-Angabe für einen Beitrag zur normalen Herzfunktion bezieht sich auf 250 mg EPA + DHA pro Tag. Viele Fachgesellschaften empfehlen 250–500 mg täglich. Eine 150-g-Portion Lachs oder Hering liefert rechnerisch bereits ein Vielfaches davon. In Studien zu Triglyzeriden und Herz-Kreislauf (siehe Mason et al. 2023) wurden meist höhere Dosen zwischen 1 und 4 g pro Tag eingesetzt — solche Dosierungen gehören in ärztliche Begleitung.
Natürliche Quellen
Fetter Seefisch (Lachs, Makrele, Hering), Algenöl, Krillöl
Wissenschaftliche Quellen
Shahidi & Ambigaipalan, Annual Review of Food Science and Technology 2018, DOI: 10.1146/annurev-food-111317-095850 Hronek & Kovařík, Ceska a Slovenska farmacie 2024, DOI: 10.36290/csf.2024.025 Shawl et al., Nutrients 2024, DOI: 10.3390/nu16111650 Schuchardt et al., Progress in Lipid Research 2024, DOI: 10.1016/j.plipres.2024.101286 Mason et al., Best Practice & Research Clinical Endocrinology & Metabolism 2023, DOI: 10.1016/j.beem.2022.101681
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen EPA und DHA?
EPA hat 20 Kohlenstoffatome und fünf Doppelbindungen, DHA hat 22 und sechs. Sie verteilen sich im Körper unterschiedlich und beeinflussen Membranen, Entzündungsmediatoren und Gefäßfunktion nicht identisch. Mason et al. (2023) diskutieren, dass gerade dieser Unterschied erklären könnte, warum reine EPA-Präparate in Herz-Kreislauf-Studien anders abschneiden als gemischte EPA-/DHA-Formulierungen.
Reicht pflanzliches ALA aus Leinöl aus?
Der Körper wandelt ALA nur zu einem geringen Anteil in EPA und noch weniger in DHA um. Wer keinen Fisch isst und die Omega-3-Versorgung sichern möchte, greift meist zu Algenöl — das ist die pflanzliche Quelle, aus der auch Fische ihre EPA-/DHA-Vorräte über die Nahrungskette beziehen.
Wie viel Fisch pro Woche entspricht dem empfohlenen Tagesbedarf?
Bei einer Empfehlung von 250 mg EPA + DHA täglich und rund 2.500–3.500 mg Omega-3 pro 150-g-Portion Lachs oder Hering reichen rechnerisch ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Deutsche Fachgesellschaften empfehlen genau diesen Rhythmus.
Was misst der Omega-3-Index?
Der Omega-3-Index gibt den prozentualen Anteil von EPA + DHA an den Fettsäuren in der Membran roter Blutkörperchen an. Schuchardt et al. (Progress in Lipid Research 2024) haben Werte aus 48 Ländern zusammengetragen: unter 4 % gilt als sehr niedrig, über 8 % als wünschenswert. Viele europäische Länder liegen im niedrigen Bereich.
Hilft Omega-3 bei Gelenkbeschwerden?
Shawl et al. (Nutrients 2024) haben Studien zu Omega-3 und Arthrose zusammengefasst. Die Ergebnisse sind uneinheitlich, weil Arthrose viele Ursachen hat und Studien unterschiedliche Dosierungen und Patientengruppen einsetzen. Eine allgemeine Aussage lässt sich daraus nicht ableiten.
Ist Fischöl besser als Algenöl?
Beide liefern EPA und DHA. Algen sind die ursprüngliche Quelle in der marinen Nahrungskette — Fische reichern die Fettsäuren durch ihre Ernährung an. Algenöl ist die Wahl für Menschen ohne tierische Produkte im Speiseplan; die enthaltenen Fettsäuren sind biochemisch dieselben.


