Roh ist die Frucht kaum zu genießen. Sie schmeckt extrem sauer, weshalb sie in ihrer Heimat traditionell zu Saft, Sorbet oder Pulver verarbeitet wird. Für den Export wird die Pulpe meist schonend getrocknet und zu Pulver vermahlen, das eine hellrosa Farbe behält und einen deutlich zitrusartigen Geruch hat. Neben Vitamin C enthält die Frucht laut der Übersichtsarbeit von García-Chacón et al. (ACS Omega 2023) auch Polyphenole und Carotinoide. Die Autoren fassen den Stand der Forschung zusammen und ordnen Camu-Camu als eine der am besten untersuchten Amazonasfrüchte ein — sie verweisen auf Studien zu antioxidativen, antihyperglykämischen und antiinflammatorischen Effekten in Zellkulturen und Tiermodellen, betonen aber, dass die Übertragung auf den Menschen bislang nur in wenigen kontrollierten Studien geprüft wurde.
Eine dieser wenigen Humanstudien ist die randomisierte Crossover-Untersuchung von Agrinier et al. (Cell Reports Medicine 2024). 30 übergewichtige Erwachsene mit erhöhten Triglyceridwerten nahmen zwölf Wochen lang täglich 1,5 g Camu-Camu-Kapseln oder Placebo. Der Leberfettanteil sank in der Camu-Camu-Phase um 7,43 %, während er unter Placebo um 8,42 % zunahm — die Differenz zwischen beiden Interventionen betrug 15,85 %. Außerdem sanken die Leberwerte AST und ALT. Das ist eine kleine Studie mit einem sehr spezifischen Kollektiv, keine Behandlungsempfehlung, und die Autoren selbst schreiben, dass die Ergebnisse in größeren Studien bestätigt werden müssen.
Eine ältere, kleinere Untersuchung von Inoue et al. (Journal of Cardiology 2008) prüfte die antioxidativen Eigenschaften am Menschen: Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass oxidativer Stress und Entzündung Prozesse begleiten, die zur Atherosklerose beitragen. Bis zu dieser Studie war die antioxidative Wirkung von Camu-Camu in vivo beim Menschen nicht geprüft worden. Der systematische Überblick von Langley et al. (Journal of Alternative and Complementary Medicine 2015) fasst die zu diesem Zeitpunkt vorliegende Evidenz zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Frucht ein interessantes, aber noch nicht ausreichend erforschtes Naturprodukt ist. Santos et al. (Food Chemistry 2022) beleuchten die Verarbeitungskette und weisen darauf hin, dass rund 50 % des Rohmaterials — vor allem Schale und Kerne — bislang als Reststoff anfallen, obwohl gerade dort viele der bioaktiven Verbindungen sitzen.
Was die Forschung nicht zeigt: Es gibt keine großen Langzeitstudien, keine belastbaren Daten zu einer allgemeinen "Immunwirkung" beim gesunden Menschen und keine EU-zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben für Camu-Camu selbst. Die aus dem Vitamin-C-Gehalt abgeleiteten Effekte gelten formell für Vitamin C als Nährstoff, nicht für die Frucht.
Eine kleine Rechnung ordnet die Studiendosis ein: Die 1,5 g Kapselinhalt pro Tag aus der Agrinier-Studie entsprechen etwa einem gehäuften halben Teelöffel Camu-Camu-Pulver. Wer stattdessen die frische Frucht essen würde, käme rechnerisch — je nach Angabe zum Vitamin-C-Gehalt in der Literatur — mit wenigen Gramm Fruchtfleisch auf die gleiche Menge Ascorbinsäure wie mit einer Orange. Die frische Beere ist außerhalb Südamerikas allerdings praktisch nicht verfügbar, weshalb der Weltmarkt fast ausschließlich mit Pulver, Gefriertrocknungspulver und Extrakt beliefert wird.
In der Küche wird Camu-Camu-Pulver meist kalt verwendet: in Smoothies, über Joghurt, in Rohkost-Riegeln oder in Wasser eingerührt. Hitze zerstört Vitamin C, deshalb ist Backen oder langes Erwärmen nicht sinnvoll. Der Geschmack ist deutlich sauer, viele mischen das Pulver mit süßen Zutaten wie Banane oder Apfel. Neben dem Reinpulver gibt es Kapseln, wie sie auch in der genannten Studie eingesetzt wurden, sowie standardisierte Extrakte mit definiertem Vitamin-C-Anteil.
Unter den regionalen Namen Cacari und Camocamo taucht die Frucht in Reiseberichten aus dem peruanischen Amazonasgebiet auf. Der wissenschaftliche Name Myrciaria dubia verweist auf die Zugehörigkeit zur Familie der Myrtengewächse, zu der auch Guave und Gewürznelke zählen.
Wirkung
In einer randomisierten, placebokontrollierten Crossover-Studie mit 30 übergewichtigen Erwachsenen (Agrinier et al., Cell Reports Medicine 2024) führte die tägliche Einnahme von 1,5 g Camu-Camu über zwölf Wochen zu einer Abnahme des Leberfetts um 7,43 % gegenüber einer Zunahme um 8,42 % unter Placebo. Die Übersichtsarbeit von García-Chacón et al. (ACS Omega 2023) fasst zusätzlich Studien zu antioxidativen und antiinflammatorischen Eigenschaften aus Zell- und Tiermodellen zusammen. Große Humanstudien mit langer Beobachtungsdauer fehlen bislang.
Dosierung
In der Studie von Agrinier et al. (2024) wurden über zwölf Wochen täglich 1,5 g Camu-Camu-Kapseln verwendet. Das entspricht etwa einem halben gehäuften Teelöffel Pulver. Andere Studien nutzten Saft- oder Pulverzubereitungen in unterschiedlichen Mengen. Eine allgemein gültige Verzehrempfehlung lässt sich aus dieser dünnen Datenlage nicht ableiten; die Angaben auf Handelspackungen bewegen sich meist zwischen 0,5 und 3 g Pulver täglich.
Natürliche Quellen
Camu-Camu wächst wild an Flussufern im Amazonas-Regenwald von Peru, Brasilien, Kolumbien und Venezuela.
Wissenschaftliche Quellen
Agrinier et al., Cell Reports Medicine 2024, 10.1016/j.xcrm.2024.101682 García-Chacón et al., ACS Omega 2023, 10.1021/acsomega.2c07245 Langley et al., Journal of Alternative and Complementary Medicine 2015, 10.1089/acm.2014.0130 Inoue et al., Journal of Cardiology 2008, 10.1016/j.jjcc.2008.06.004 Santos et al., Food Chemistry 2022, 10.1016/j.foodchem.2021.131290
Häufige Fragen
Woher kommt Camu-Camu?
Die Frucht wächst wild an Flussufern im Amazonas-Regenwald von Peru, Brasilien, Kolumbien und Venezuela. Die Sträucher stehen während der Regenzeit teilweise im Wasser, geerntet wird oft vom Kanu aus. Ein nennenswerter kultivierter Anbau existiert vor allem in Peru.
Warum gibt es Camu-Camu fast nur als Pulver?
Die frische Frucht ist extrem sauer und sehr empfindlich. Für den Export wird die Pulpe schonend getrocknet und vermahlen. So bleibt das Pulver haltbar, während frische Beeren außerhalb Südamerikas kaum verfügbar sind.
Kann ich Camu-Camu-Pulver zum Backen nehmen?
Nicht sinnvoll. Vitamin C ist hitzeempfindlich und wird beim Backen weitgehend zerstört. Rühre das Pulver besser kalt in Smoothies, Joghurt, Müsli oder Wasser ein.
Wie schmeckt Camu-Camu?
Deutlich sauer, mit einer leicht beerig-zitrusartigen Note. Pur ist das Pulver kaum angenehm, in Kombination mit süßen Früchten wie Banane oder Apfel wird der Geschmack aber rund.
Was hat die aktuelle Studie 2024 gezeigt?
In der Untersuchung von Agrinier et al. (Cell Reports Medicine 2024) nahmen 30 übergewichtige Erwachsene zwölf Wochen lang täglich 1,5 g Camu-Camu-Kapseln. Der Leberfettanteil sank in dieser Phase um 7,43 %, während er unter Placebo um 8,42 % zunahm. Es handelt sich um eine kleine Studie, die in größeren Kollektiven bestätigt werden müsste.
Ist Camu-Camu dasselbe wie Acerola?
Nein. Beide Früchte sind für hohe Vitamin-C-Gehalte bekannt, gehören aber zu verschiedenen Pflanzenfamilien. Camu-Camu ist Myrciaria dubia aus der Familie der Myrtengewächse, Acerola ist Malpighia emarginata.
Wieviel Pulver entspricht der Studiendosis?
1,5 g Kapselinhalt entsprechen ungefähr einem halben gehäuften Teelöffel Pulver. Das ist die Menge, die in der Studie von Agrinier et al. täglich über zwölf Wochen eingenommen wurde.


