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Spirulina

Spirulina ist eine nährstoffreiche blaugrüne Mikroalge, die als Proteinquelle dient, das Immunsystem unterstützt und reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien ist.

Spirulina
Rund 60 bis 70 Prozent des Trockengewichts von Spirulina bestehen aus Protein. Damit gehört die spiralförmige Cyanobakterie zu den eiweissreichsten Lebensmitteln, die man wiegen kann — mehr als Sojabohnen, mehr als Rindfleisch. Der Rest verteilt sich laut Maddiboyina et al. (Journal of Basic Microbiology 2023) auf 15 bis 25 Prozent Kohlenhydrate und 5 bis 8 Prozent essentielle Fettsäuren, darunter Gamma-Linolensäure.

Spirulina ist streng genommen keine Alge, sondern ein Cyanobakterium. Die Arten Arthrospira platensis und Arthrospira maxima werden seit Jahrzehnten kommerziell in flachen Becken kultiviert, meist in tropischen und subtropischen Regionen mit hohem pH-Wert. Das Wasser ist alkalisch, oft über pH 9 — Bedingungen, unter denen kaum andere Organismen überleben. Das macht die Kultur robust und relativ kontaminationsarm.

Warum die Forschung sich für Spirulina interessiert, hat mehrere Gründe. Gutierrez-Salmean et al. (Nutricion Hospitalaria 2015) verweisen auf das Aminosäureprofil, das als hochwertig gilt, sowie auf einen hohen Gehalt an Vitamin B12, Beta-Carotin, Eisen, Calcium und Phosphor. Wichtig zur Einordnung: Das B12 in Spirulina liegt zu grossen Teilen als sogenanntes Pseudo-B12 vor, das der menschliche Stoffwechsel nicht wie echtes Cobalamin nutzt. Diese Diskussion führt die zitierte Übersicht nicht im Detail, sie sollte aber jeder kennen, der Spirulina als B12-Quelle einplant.

Gogna et al. (Journal of the American Nutrition Association 2023) fassen die übliche Tagesdosis für Erwachsene mit 3 bis 10 Gramm zusammen. Rechnet man das nach: Ein handelsüblicher Presspling wiegt zwischen 400 und 500 Milligramm. Für 3 Gramm braucht man also sechs bis acht Presslinge pro Tag, für die obere Grenze von 10 Gramm bereits 20 bis 25 Stück. Wer Spirulina als Pulver kauft, kommt mit einem gehäuften Teelöffel (etwa 3 bis 5 Gramm) durch — das ist praktischer, aber der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig.

Zum Forschungsstand bei den Wirkungen: Wu et al. (Archives of Toxicology 2016) haben antioxidative, immunmodulierende und antiinflammatorische Aktivitäten in Tier- und Humanstudien gesichtet. Die Autoren beschreiben Mechanismen, nicht therapeutische Empfehlungen. Sorrenti et al. (Marine Drugs 2021) haben speziell Studien zur Gehirngesundheit gesammelt. In vorläufigen klinischen Untersuchungen zeigten sich Hinweise auf reduzierte mentale Ermüdung sowie Effekte auf die Endothelfunktion in Hirngefässen. Bei mangelernährten Kindern beobachteten die zitierten Studien Verbesserungen motorischer, sprachlicher und kognitiver Fähigkeiten — hier ist der Kontext aber die Nahrungsergänzung bei Unterversorgung, nicht die Optimierung bei gesunden Erwachsenen.

Was die Forschung nicht zeigt: Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass Spirulina bei gesunden, gut ernährten Menschen kognitive Leistungen über Normalwerte hebt, Krankheiten heilt oder Medikamente ersetzt. Die meisten klinischen Studien sind klein, die Dosierungen unterschiedlich, die Präparate nicht standardisiert. Maddiboyina et al. (2023) listen ausserdem pharmakologische Effekte wie antibakterielle und antikanzerogene Aktivität, verweisen aber selbst auf die Datenlage aus Labor- und Tiermodellen — nicht auf gesicherte Anwendungen am Menschen.

Ein Punkt zur Sicherheit: Gutierrez-Salmean et al. (2015) fanden weder akute noch chronische Toxizität in den ausgewerteten Daten. Das heisst nicht, dass Spirulina für jeden geeignet ist. Menschen mit Phenylketonurie sollten sie meiden, weil Spirulina viel Phenylalanin enthält. Bei Autoimmunerkrankungen wird wegen der immunmodulierenden Effekte oft zur Zurückhaltung geraten. Und die Herkunft entscheidet: In offen kultivierten Becken kann Spirulina Schwermetalle oder Mikrocystine aus verwandten Cyanobakterien aufnehmen. Bio-zertifizierte Ware mit Laboranalyse ist deshalb keine Werbebotschaft, sondern Grundvoraussetzung.

Geschmacklich ist Spirulina intensiv erdig-salzig, mit leichter Meeresnote. Wer sie in Smoothies mischt, kombiniert sie meist mit Banane, Mango oder Zitrone, um den Eigengeschmack abzumildern. Presslinge umgehen das Geschmacksproblem, verlangen aber Disziplin bei der Stückzahl. Für eine Tagesdosis von 5 Gramm über Presslinge landet man schnell bei einem Löffel voll — was die Frage aufwirft, ob Pulver nicht die ehrlichere Darreichungsform ist.

Spirulina passt in eine Ernährung, die ohnehin schon breit aufgestellt ist. Als Ersatz für frisches Gemüse, Hülsenfrüchte oder tierische Proteinquellen taugt sie nicht. Als konzentrierter Zusatz mit einem bemerkenswerten Nährstoffprofil hat sie ihren Platz — vorausgesetzt, man weiss, was man von ihr erwarten kann und was nicht.

Wirkung

Wu et al. (Archives of Toxicology 2016) beschreiben antioxidative, immunmodulierende und antiinflammatorische Aktivitäten von Spirulina in Tier- und Humanstudien, weisen aber auf die Notwendigkeit weiterer Forschung hin. Sorrenti et al. (Marine Drugs 2021) fanden in vorläufigen klinischen Studien Hinweise auf verringerte mentale Ermüdung und positive Effekte bei mangelernährten Kindern. Maddiboyina et al. (Journal of Basic Microbiology 2023) fassen pharmakologische Effekte zusammen, die größtenteils auf Labor- und Tierdaten beruhen.

Dosierung

Gogna et al. (Journal of the American Nutrition Association 2023) nennen für Erwachsene eine übliche Dosis von 3 bis 10 Gramm pro Tag. Bei Presslingen zu 400 bis 500 Milligramm entspricht das 6 bis 8 Stück für 3 Gramm bzw. bis zu 25 Stück für die obere Grenze. Als Pulver reicht ein gehäufter Teelöffel (etwa 3 bis 5 Gramm). Die Studien nutzten unterschiedliche Dosierungen über Wochen bis Monate — eine allgemeingültige Empfehlung leitet sich daraus nicht ab.

Natürliche Quellen

Tropische und subtropische Seen mit hohem pH-Wert; als Pulver, Presslinge oder Kapseln.

Wissenschaftliche Quellen

Gutierrez-Salmean et al., Nutricion Hospitalaria 2015, DOI: 10.3305/nh.2015.32.1.9001 Maddiboyina et al., Journal of Basic Microbiology 2023, DOI: 10.1002/jobm.202200704 Wu et al., Archives of Toxicology 2016, DOI: 10.1007/s00204-016-1744-5 Sorrenti et al., Marine Drugs 2021, DOI: 10.3390/md19060293 Gogna et al., Journal of the American Nutrition Association 2023, DOI: 10.1080/27697061.2022.2103852

Häufige Fragen

Ist Spirulina eine gute B12-Quelle für Veganer?

Spirulina enthält zwar viel Vitamin B12 laut Gutierrez-Salmean et al. (2015), ein grosser Anteil davon liegt jedoch als Pseudo-B12 vor, das der menschliche Stoffwechsel nicht wie echtes Cobalamin nutzt. Als alleinige B12-Quelle bei rein pflanzlicher Ernährung ist sie deshalb nicht zuverläßig.

Wieviel Spirulina pro Tag?

Gogna et al. (2023) nennen 3 bis 10 Gramm täglich für Erwachsene. Das entspricht bei 500-Milligramm-Presslingen 6 bis 20 Stück, beim Pulver etwa einem gehäuften Teelöffel bis knapp zwei Teelöffeln.

Presslinge oder Pulver — was ist besser?

Der Nährstoffgehalt ist gleich. Presslinge sind praktisch für unterwegs, bei höheren Tagesmengen kommen aber schnell 15 bis 20 Stück zusammen. Pulver ist ergiebiger, hat aber einen intensiven erdig-salzigen Geschmack.

Ist Spirulina sicher?

Gutierrez-Salmean et al. (2015) fanden weder akute noch chronische Toxizität. Wichtig ist die Herkunft — offen kultivierte Ware kann Schwermetalle oder Mikrocystine enthalten. Menschen mit Phenylketonurie sollten Spirulina meiden, bei Autoimmunerkrankungen ist Rücksprache mit dem Arzt sinnvoll.

Was ist der Unterschied zwischen Spirulina und Chlorella?

Beide sind Mikroorganismen, aber Spirulina (Arthrospira platensis) ist ein Cyanobakterium, Chlorella eine echte Grünalge. Spirulina hat mehr Protein (60 bis 70 Prozent), Chlorella eine stabilere Zellwand mit anderen Bindungseigenschaften.

Warum wird Spirulina in alkalischem Wasser gezüchtet?

In tropischen und subtropischen Seen mit hohem pH-Wert, oft über 9, kommen kaum andere Organismen zurecht. Das macht die Kultur widerstandsfähig gegen Kontamination durch Fremdkeime.

Hilft Spirulina beim Abnehmen?

Sorrenti et al. (2021) erwähnen Hinweise auf eine zentrale Wirkung auf die Appetitregulation, die Datenlage ist aber vorläufig. Als Abnehmmittel taugt Spirulina nicht — sie liefert selbst rund 4 Kilokalorien pro Gramm.

Auf einen Blick

Kategorie
Algen & Superfoods
Auch bekannt als
Arthrospira platensis, Blaualge
Tags
SuperfoodProteinImmunsystemEisenAntioxidansEnergie

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