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Jod

Jod ist ein essenzielles Spurenelement, das für die Produktion von Schilddrüsenhormonen und somit für die Regulierung des Stoffwechsels, das Wachstum und die Entwicklung des Nervensystems unerlässlich ist.

Jod
Ohne Jod steht die Schilddrüse still. Das kleine schmetterlingsförmige Organ am Hals baut aus Jod und der Aminosäure Tyrosin die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) — beide enthalten das Spurenelement direkt im Molekül. Die Zahl im Namen verrät den Jodgehalt: T4 trägt vier Jodatome, T3 drei. Fehlt der Rohstoff, fehlen die Hormone.

Der menschliche Körper enthält insgesamt etwa 10 bis 20 Milligramm Jod, der Großteil davon gespeichert in der Schilddrüse. Aufgenommen wird das Element über die Nahrung: jodiertes Speisesalz, Seefisch wie Kabeljau und Seelachs, Meeresfrüchte, Algen und in geringerem Umfang auch Milchprodukte. Algen sind dabei die mit Abstand konzentrierteste Quelle. Nori-Blätter enthalten meist einige hundert Mikrogramm Jod pro Gramm, Kelp und Braunalgen können mehrere Tausend Mikrogramm pro Gramm erreichen — ein einziges Gramm getrockneter Kelp kann also den geschätzten Tagesbedarf eines Erwachsenen von rund 200 Mikrogramm um das Zehn- bis Zwanzigfache übertreffen.

Genau hier liegt eine Besonderheit von Jod, die in der Medizin einen eigenen Namen bekommen hat: das Jod-Basedow-Phänomen. Damit ist eine Schilddrüsenüberfunktion gemeint, die durch eine plötzlich stark erhöhte Jodzufuhr ausgelöst wird — etwa nach jodhaltigen Kontrastmitteln oder nach dem Verzehr sehr jodreicher Algen. Yamada beschrieb den Mechanismus 1993 in Ryoikibetsu shokogun shirizu unter dem Titel 'Jod-Basedow (iodine-induced hyperthyroidism)'. Der Name selbst geht auf zwei historische Personen zurück, was Navarro und von Basedow 1997 in der Revista clinica espanola in ihrem Artikel 'Jod-Basedow phenomenon: who was Dr. Jod?' aufgearbeitet haben.

Besonders anfällig sind Menschen mit einer bereits vorbestehenden, oft unerkannten Knotenstruma. In Regionen mit lange bestehendem Jodmangel entwickelt die Schilddrüse autonome Bezirke, die ihre Hormonproduktion nicht mehr an den Bedarf anpassen. Bekommen diese Areale plötzlich viel Jod, produzieren sie ungebremst weiter. Der Effekt trägt den Namen des französischen Arztes Coindet, der ihn schon im 19. Jahrhundert bei der Behandlung von Kropf mit Jod beobachtete. Coindet publizierte dazu unter anderem in The New England Journal of Medicine 1973 (DOI 10.1056/NEJM197301112880216).

Der umgekehrte Fall — Jodmangel — ist weltweit das häufigere Problem. Deutschland gilt laut WHO als Land mit mildem bis moderatem Jodmangel. Ohne jodiertes Speisesalz und Milch nehmen viele Erwachsene weniger als die empfohlenen 200 Mikrogramm pro Tag auf. Bei Kindern und Schwangeren liegt der Bedarf höher, bei Schwangeren empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 230 Mikrogramm täglich. Der Grund: Das ungeborene Kind bildet seine Schilddrüsenhormone bis etwa zur zwölften Schwangerschaftswoche komplett aus mütterlichem Vorrat, und diese Hormone steuern die frühe Gehirnentwicklung.

Eine Rechnung, die den Alltag greifbar macht: 5 Gramm jodiertes Speisesalz (etwa ein knapper Teelöffel, die deutsche Salzobergrenze der DGE) enthalten bei üblichen 20 Mikrogramm Jod pro Gramm Salz rund 100 Mikrogramm Jod — also etwa die Hälfte des Tagesbedarfs. Ein 150-Gramm-Filet Kabeljau bringt es je nach Fanggebiet auf 150 bis 300 Mikrogramm. Ein einziges Nori-Blatt für Sushi (rund 3 Gramm) kann bereits 100 bis 200 Mikrogramm liefern. Wer jeden Tag Nori-Snacks isst und dazu jodiertes Salz und Milchprodukte konsumiert, kommt schnell über die von der EFSA festgelegte Obergrenze für Erwachsene von 600 Mikrogramm pro Tag.

Was die Forschung zu Jod nicht zeigt: Die vorliegenden zitierten Arbeiten von Coindet, Yamada sowie Navarro und von Basedow beschäftigen sich mit dem Jod-Basedow-Phänomen und seiner Namensgeschichte — nicht mit einer Steigerung von Leistungsfähigkeit, Immunfunktion oder Energieumsatz durch Jod-Supplemente bei ausreichend versorgten Menschen. Wer bereits genug Jod aufnimmt, profitiert von zusätzlicher Zufuhr nicht, sondern riskiert im Gegenteil eine Überversorgung. Jod ist ein Spurenelement, kein Verstärker.

Interessant ist der Blick auf Algen als Lebensmittel: Der Jodgehalt schwankt bei Kelp, Wakame oder Kombu je nach Art und Verarbeitung zwischen 500 und mehr als 8.000 Mikrogramm pro Gramm. Deutsche Behörden empfehlen deshalb, bei getrockneten Algen auf die Deklaration zu achten und Sorten mit sehr hohem Jodgehalt nur in Miniaturmengen zu verzehren. Nori zählt zu den moderateren Vertretern, Kombu zu den extremen.

Wirkung

Zum Jod-Basedow-Phänomen — einer Schilddrüsenüberfunktion nach plötzlich hoher Jodzufuhr — liegen historische und klinische Beschreibungen vor, unter anderem von Coindet (The New England Journal of Medicine 1973, DOI 10.1056/NEJM197301112880216) sowie Yamada (Ryoikibetsu shokogun shirizu 1993). Die Namensgeschichte des Phänomens haben Navarro und von Basedow 1997 in der Revista clinica espanola nachgezeichnet. Eine Wirkung von Jod-Supplementen bei ausreichend versorgten Menschen ist in den vorliegenden Studien nicht Gegenstand.

Dosierung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene einen Referenzwert von rund 200 Mikrogramm Jod pro Tag, für Schwangere 230 Mikrogramm. Die EFSA hat als tolerierbare obere Aufnahmemenge (UL) für Erwachsene 600 Mikrogramm täglich festgelegt. Über jodiertes Speisesalz, Seefisch, Milch und gelegentliche Algen wird dieser Bereich in Deutschland meist erreicht, ohne ihn zu überschreiten. Bei bekannten Schilddrüsenknoten oder Autonomie sollte zusätzliche Jodzufuhr über Nahrungsergänzung mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden — hier ist das von Coindet, Yamada und anderen beschriebene Jod-Basedow-Risiko relevant.

Natürliche Quellen

Jodiertes Speisesalz, Seefisch (Kabeljau, Seelachs), Meeresfrüchte, Algen (Nori, Kelp), Milchprodukte.

Wissenschaftliche Quellen

Coindet: Jod-Basedow (or jod-Coindet). The New England Journal of Medicine 1973. DOI: 10.1056/NEJM197301112880216 Yamada: [Jod-Basedow (iodine-induced hyperthyroidism)]. Ryoikibetsu shokogun shirizu 1993. Navarro & von Basedow: [Jod-Basedow phenomenon: who was Dr. Jod?]. Revista clinica espanola 1997.

Häufige Fragen

Wieviel Jod brauche ich am Tag?

Die DGE empfiehlt Erwachsenen rund 200 Mikrogramm pro Tag, Schwangeren 230 Mikrogramm. Etwa 5 Gramm jodiertes Speisesalz decken rund die Hälfte davon, eine Portion Seefisch kann den Bedarf allein decken.

Ist Jod aus Algen gefährlich?

Es kommt auf die Sorte an. Kombu und Kelp können mehrere Tausend Mikrogramm Jod pro Gramm enthalten und die EFSA-Obergrenze von 600 Mikrogramm pro Tag mit weniger als einem Gramm Alge sprengen. Nori ist deutlich moderater, dennoch lohnt sich ein Blick auf die Deklaration.

Was ist das Jod-Basedow-Phänomen?

So nennt man eine Schilddrüsenüberfunktion, die durch plötzlich stark erhöhte Jodzufuhr ausgelöst wird. Beschrieben wurde sie bereits im 19. Jahrhundert von Coindet und später klinisch aufgearbeitet, etwa von Yamada (1993). Betroffen sind vor allem Menschen mit autonomen Schilddrüsenknoten.

Brauche ich Jod-Tabletten, wenn ich jodiertes Salz nutze?

Meist nicht. Wer regelmäßig jodiertes Salz, Milchprodukte und gelegentlich Seefisch verzehrt, liegt in der Regel im Zielbereich. Zusätzliche Supplemente sind vor allem in Schwangerschaft und Stillzeit ein Thema und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Warum ist Jod für Schwangere so wichtig?

Bis etwa zur zwölften Schwangerschaftswoche bildet das ungeborene Kind seine Schilddrüsenhormone komplett aus mütterlichem Jod. Diese Hormone steuern die frühe Gehirnentwicklung. Deshalb liegt die Empfehlung mit 230 Mikrogramm täglich höher als für andere Erwachsene.

Kann man zuviel Jod essen?

Ja. Die EFSA nennt 600 Mikrogramm pro Tag als Obergrenze für Erwachsene. Bei bestehenden Schilddrüsenknoten kann bereits eine einzelne sehr algenreiche Mahlzeit zu einer Überfunktion führen — das ist das oben genannte Jod-Basedow-Phänomen.

Enthält Meersalz automatisch Jod?

Nein. Der natürliche Jodgehalt von Meersalz ist gering und geht bei der Trocknung weitgehend verloren. Wer Jod über Salz aufnehmen will, sollte gezielt zu jodiertem Speisesalz greifen — üblich sind rund 20 Mikrogramm Jod pro Gramm Salz.

Auf einen Blick

Kategorie
Mineralstoffe
Auch bekannt als
Iod, Iodum
Tags
MineralstoffeSchilddrüseStoffwechselKognitive FunktionNervensystem