Chemisch handelt es sich um ein Übergangsmetall mit dem Symbol Cr. Im Körper spielt vor allem das dreiwertige Chrom (Cr III) eine Rolle. Sechswertiges Chrom (Cr VI), wie es aus industriellen Prozessen bekannt ist, gilt dagegen als giftig und krebserregend — beide Formen sollte man nicht verwechseln, auch wenn sie denselben Namen tragen.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Chrom zwei gesundheitsbezogene Angaben zugelassen: den Beitrag zu einem normalen Makronährstoff-Stoffwechsel und zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels. Diese Aussagen gelten allerdings erst ab der genannten Referenzmenge — 40 Mikrogramm pro Portion beziehungsweise 15 Prozent davon pro 100 Gramm eines Lebensmittels.
In der Ernährung findet sich Chrom in Vollkornbrot, Linsen, Brokkoli, Rindfleisch, Traubensaft und schwarzem Pfeffer. Die tatsächlichen Gehalte schwanken stark, weil sie vom Chromgehalt des Bodens und von der Verarbeitung abhängen. Ein Beispiel zur Einordnung: Wer 40 Mikrogramm allein über Brokkoli aufnehmen wollte, käme je nach Anbau auf mehrere hundert Gramm — die Rechnung zeigt, warum eine gemischte Kost hier sinnvoller ist als eine Einzelquelle. Auch Edelstahl-Kochgeschirr gibt geringe Mengen Chrom an säurehaltige Speisen ab; das ist untersucht, aber unter üblichen Bedingungen unbedenklich.
Die wissenschaftliche Diskussion um Chrom hat sich in den letzten Jahren verschoben. Frühere Vorstellungen eines eigenständigen "Glukose-Toleranz-Faktors" gelten heute als nicht ausreichend belegt. Die EFSA hat 2014 ausdrücklich erklärt, dass Chrom für gesunde Menschen kein essenzieller Nährstoff im engeren Sinne sei — eine Empfehlung für die Zufuhr wurde deshalb nicht mehr abgeleitet. Trotzdem behielt die Kommission die bestehenden Health Claims und Referenzwerte bei. Für Verbraucher ist die Lage also uneinheitlich: Die Kennzeichnung nennt Chrom weiterhin, die Grundlagenbewertung sieht ihn zurückhaltender.
Ein kurioser Hinweis am Rand: Wer im wissenschaftlichen Suchindex nach "Chrom" sucht, landet fast nur bei Arbeiten, die mit dem Spurenelement gar nichts zu tun haben. So beschreibt Fan et al. in Science Advances 2024 unter dem Titel "Chrom-seq" ein Verfahren, um an Chromatin gebundene RNA in lebenden Zellen zu markieren. Ryabykh et al. stellen in Database 2023 die Datenbank "RNA-Chrom" vor, die RNA-Chromatin-Kontakte im Genom sammelt. Lu et al. beschreiben in Briefings in Bioinformatics 2021 mit "Chrom-Lasso" ein Rechenmodell zur Auswertung von Hi-C-Daten. Und in der Augenheilkunde meint "X-Chrom" eine rot getönte Kontaktlinse für Menschen mit Rot-Grün-Sehschwäche — Siegel diskutierte sie schon 1981 in Survey of Ophthalmology, Hartenbaum und Stack 1997 in Occupational Health & Safety. Alle diese Arbeiten tragen "Chrom" im Namen, beziehen sich aber auf Chromatin oder auf ein Linsen-Produkt, nicht auf das Mineral. Wer also Studien zur Chrom-Ernährung sucht, muss präziser suchen — etwa nach "chromium picolinate" oder "chromium supplementation".
Was die Forschung zur Ernährung mit Chrom bisher nicht klar zeigt: Ob eine zusätzliche Zufuhr über das hinaus, was eine normale Mischkost liefert, für gesunde Menschen einen messbaren Nutzen bringt. Belastbare Effekte auf Blutzucker oder Insulinsensitivität bei Personen ohne Mangelzustand sind in Meta-Analysen umstritten. Die zugelassenen EU-Aussagen beziehen sich auf die Rolle des Nährstoffs im Stoffwechsel — nicht auf therapeutische Wirkungen.
Ein Chrommangel im engeren Sinne ist bei ausgewogener Ernährung kaum beschrieben. Diskutiert wurde er früher bei langer parenteraler Ernährung ohne Spurenelement-Zusatz. Für den Alltag reicht nach heutigem Kenntnisstand eine abwechslungsreiche Kost mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Gemüse.
Wirkung
Die EFSA hat für Chrom zwei Health Claims zugelassen: Beitrag zum normalen Makronährstoff-Stoffwechsel und zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels. In ihrer wissenschaftlichen Neubewertung von 2014 stufte die Behörde Chrom für gesunde Menschen allerdings nicht mehr als essenziellen Nährstoff ein. Studien direkt zum Mineral Chrom liegen in der übergebenen Recherche nicht vor — die gefundenen Arbeiten (Fan et al. 2024, Ryabykh et al. 2023, Lu et al. 2021) beschäftigen sich mit Chromatin, nicht mit Chrom als Spurenelement.
Dosierung
Die EU-Referenzmenge für die Nährwertkennzeichnung liegt bei 40 Mikrogramm pro Tag. Health Claims dürfen ab dieser Menge pro Tagesportion beziehungsweise ab 15 Prozent davon pro 100 Gramm angegeben werden. Eine offizielle empfohlene Zufuhrmenge wurde von der EFSA seit 2014 nicht mehr abgeleitet.
Natürliche Quellen
Vollkornbrot, Linsen, Brokkoli, Rindfleisch, Traubensaft, schwarzer Pfeffer.
Wissenschaftliche Quellen
Fan et al., Science Advances 2024, DOI: 10.1126/sciadv.adn1397 Ryabykh et al., Database 2023, DOI: 10.1093/database/baad025 Lu et al., Briefings in Bioinformatics 2021, DOI: 10.1093/bib/bbab181 Siegel, Survey of Ophthalmology 1981, DOI: 10.1016/s0039-6257(81)80001-x Hartenbaum & Stack, Occupational Health & Safety 1997
Häufige Fragen
Ist Chrom gefährlich?
Man muss zwei Formen unterscheiden. Dreiwertiges Chrom (Cr III) ist die in Lebensmitteln vorkommende Form und gilt in normalen Mengen als unbedenklich. Sechswertiges Chrom (Cr VI) aus industriellen Prozessen ist dagegen giftig und krebserregend.
Wieviel Chrom brauche ich am Tag?
Die EU-Referenzmenge für die Kennzeichnung liegt bei 40 Mikrogramm pro Tag. Eine offizielle Empfehlung im Sinne einer Mindestzufuhr existiert seit der EFSA-Bewertung 2014 nicht mehr, weil die Behörde Chrom für gesunde Menschen nicht mehr als essenziell einstuft.
In welchen Lebensmitteln ist Chrom enthalten?
Vollkornbrot, Linsen, Brokkoli, Rindfleisch, Traubensaft und schwarzer Pfeffer gehören zu den bekannten Quellen. Die tatsächlichen Gehalte schwanken je nach Boden und Verarbeitung stark.
Hilft Chrom beim Abnehmen oder gegen Heißhunger?
Für solche Aussagen gibt es keine zugelassenen EU-Health-Claims. Die EFSA hat nur zwei Angaben freigegeben — zum Makronährstoff-Stoffwechsel und zum normalen Blutzuckerspiegel. Alles darüber hinaus wäre eine unzulässige Werbeaussage.
Was ist der Unterschied zwischen Chrom und Chromatin?
Chrom ist das chemische Element mit dem Symbol Cr. Chromatin bezeichnet das Verpackungsmaterial der DNA im Zellkern. Die beiden Begriffe haben nur den griechischen Wortstamm chroma (Farbe) gemeinsam — inhaltlich sind sie völlig verschieden.
Kann ich einen Chrommangel bekommen?
Bei normaler Mischkost gilt das als sehr unwahrscheinlich. Diskutiert wurde ein Mangel früher vor allem bei langer künstlicher Ernährung ohne Spurenelement-Zusatz.
Warum gibt die EFSA keine empfohlene Zufuhr mehr an?
In der Neubewertung 2014 kam die Behörde zu dem Schluss, dass Chrom für gesunde Menschen keine unverzichtbare Funktion erfüllt, aus der sich eine Zufuhrempfehlung ableiten ließe. Die bestehenden Kennzeichnungs- und Claim-Regeln blieben davon unberührt.


