Der traditionelle Einsatz in Indien reicht laut einer Übersichtsarbeit von Mandlik Ingawale & Namdeo (Journal of Dietary Supplements 2021) rund 3.000 Jahre zurück. In der ayurvedischen Praxis wird sie meist als Wurzelpulver verwendet, oft in Kombination mit anderen Pflanzen. Die moderne Forschung interessiert sich vor allem für den Extrakt, weil sich damit standardisierte Mengen an Withanoliden — den charakteristischen Steroidlaktonen der Pflanze — dosieren lassen.
Der am besten untersuchte Anwendungsbereich ist Stress und Angst. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von Akhgarjand et al. (Phytotherapy Research 2022) hat 12 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 1.002 Teilnehmern ausgewertet, das Altersspektrum lag zwischen 25 und 48 Jahren. Ashwagandha-Supplementierung reduzierte in der zusammengefassten Auswertung den Angst-Score deutlich (standardisierte Mittelwertdifferenz von -1,55, 95%-Konfidenzintervall -2,37 bis darüber hinaus). Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass die Einzelstudien vorher zu widersprüchlichen Ergebnissen gekommen waren — das ist der Punkt einer Meta-Analyse. Eine neuere systematische Übersichtsarbeit von Arumugam et al. (Explore 2024) hat den Fokus explizit auf psychosomatische Beschwerden gelegt und die Sicherheit mitbewertet.
Über Stress hinaus ist der Forschungsstand deutlich dünner. Speers et al. (Current Neuropharmacology 2021) haben Wirkungen bei Angst, Depression und Insomnie zusammengefasst, betonen aber, dass ein Großteil der Studien klein ist und dass Ashwagandha als Adaptogen erst durch die neuere klinische Forschung überhaupt in den Blick der westlichen Neuropsychopharmakologie gerückt ist. Wiciński et al. (International Journal of Molecular Sciences 2023) haben zusammengetragen, was zum Einfluss auf das endokrine System bekannt ist — inklusive Hinweisen auf Schilddrüsenhormone und Cortisol. 'Bekannt' heißt hier: es gibt Untersuchungen, nicht: es ist bewiesen. Für Aussagen zu Alzheimer, Parkinson oder Multipler Sklerose, die in derselben Übersicht genannt werden, gilt das in verschärfter Form — das sind präklinische Beobachtungen, keine klinischen Belege.
Rechnet man die 1.002 Teilnehmer aus der Meta-Analyse von Akhgarjand auf die 12 eingeschlossenen Studien um, kommt man auf einen Schnitt von rund 83 Personen pro Studie. Das ist für eine botanische Substanz vergleichsweise ordentlich, für ein Arzneimittel-Zulassungsverfahren wäre es weit zu wenig. Genau in diesem Zwischenraum bewegt sich die Datenlage: robuster als bei den meisten Kräutern, aber unterhalb der Schwelle, ab der die EU zugelassene gesundheitsbezogene Angaben (Health Claims) erlaubt. Für Ashwagandha gibt es solche zugelassenen Aussagen bisher nicht.
Was die Studien nicht zeigen: eine belastbare Aussage zu Langzeiteffekten über mehrere Jahre, zu Wechselwirkungen mit Psychopharmaka, zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Kindern. Auch die Frage, welche der Extrakt-Standardisierungen (KSM-66, Sensoril, Vollwurzelpulver) den anderen überlegen ist, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt — die einzelnen Studien nutzen unterschiedliche Zubereitungen, und Meta-Analysen fassen das notgedrungen zusammen.
In den ausgewerteten klinischen Studien werden Wurzelextrakte üblicherweise in Dosierungen von 300 bis 600 mg pro Tag über einen Zeitraum von 6 bis 12 Wochen eingesetzt, oft aufgeteilt auf zwei Gaben. Die Meta-Analyse von Akhgarjand fasst genau diesen Bereich zusammen. Mandlik Ingawale & Namdeo (2021) betonen im Sicherheitsteil ihrer Übersicht, dass Ashwagandha in den geprüften Mengen gut vertragen wurde, weisen aber auf Vorsicht bei Autoimmunerkrankungen und Schilddrüsenmedikation hin — vor dem Hintergrund der endokrinen Effekte, die Wiciński et al. beschreiben, ein plausibler Hinweis.
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Wirkung
In einer Meta-Analyse von 12 randomisiert-kontrollierten Studien mit 1.002 Teilnehmern (Akhgarjand et al., Phytotherapy Research 2022) zeigte Ashwagandha-Supplementierung eine signifikante Reduktion der Angst-Scores (SMD -1,55). Eine neuere systematische Übersichtsarbeit (Arumugam et al., Explore 2024) hat Effekte auf stress- und angstbezogene Beschwerden zusammengefasst. Speers et al. (Current Neuropharmacology 2021) diskutieren zusätzlich Anwendungen bei Insomnie und Depression, weisen aber auf begrenzte Studiengrößen hin.
Dosierung
In den in der Meta-Analyse von Akhgarjand et al. (2022) eingeschlossenen Studien wurden Wurzelextrakte typischerweise mit 300 bis 600 mg pro Tag über 6 bis 12 Wochen dosiert. Die Studien nutzen unterschiedliche Extrakt-Standardisierungen, ein direkter Vergleich der Präparate liegt nicht vor. Für die konkrete individuelle Anwendung gibt es aus den vorliegenden Studien keine allgemeingültige Empfehlung.
Natürliche Quellen
Wurzel der Ashwagandha-Pflanze (Withania somnifera)
Wissenschaftliche Quellen
Akhgarjand et al., Phytotherapy Research 2022, DOI: 10.1002/ptr.7598 Arumugam et al., Explore 2024, DOI: 10.1016/j.explore.2024.103062 Mandlik Ingawale & Namdeo, Journal of Dietary Supplements 2021, DOI: 10.1080/19390211.2020.1741484 Wiciński et al., International Journal of Molecular Sciences 2023, DOI: 10.3390/ijms242216513 Speers et al., Current Neuropharmacology 2021, DOI: 10.2174/1570159X19666210712151556
Häufige Fragen
Was ist Ashwagandha eigentlich?
Ashwagandha ist die Wurzel von Withania somnifera, einem Nachtschattengewächs aus dem indischen Raum. Im Ayurveda wird sie laut Mandlik Ingawale & Namdeo (2021) seit rund 3.000 Jahren verwendet. Die Bezeichnung Indischer Ginseng ist irreführend — botanisch besteht keine Verwandtschaft mit echtem Ginseng.
Was sagen die Studien konkret zu Stress?
Die Meta-Analyse von Akhgarjand et al. (Phytotherapy Research 2022) fasst 12 randomisiert-kontrollierte Studien mit zusammen 1.002 Teilnehmern zusammen und findet eine signifikante Reduktion der Angst-Werte (SMD -1,55). Vorher waren einzelne Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen gekommen — deshalb überhaupt die Meta-Analyse.
Wie wird Ashwagandha in Studien dosiert?
In den ausgewerteten klinischen Studien werden meist 300 bis 600 mg Wurzelextrakt pro Tag über 6 bis 12 Wochen verwendet, oft aufgeteilt auf zwei Portionen. Die verwendeten Extrakte unterscheiden sich in der Standardisierung.
Hilft es beim Einschlafen?
Speers et al. (Current Neuropharmacology 2021) haben in ihrer Übersicht Insomnie als Anwendungsbereich diskutiert, weisen aber auf die begrenzte Studienlage hin. Belastbare Aussagen wie bei einem Schlafmittel gibt es nicht.
Für wen ist Vorsicht angebracht?
Mandlik Ingawale & Namdeo (2021) und Wiciński et al. (2023) verweisen auf Effekte im endokrinen System, unter anderem auf die Schilddrüse. Bei Schilddrüsenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Einnahme von Psychopharmaka sollte die Anwendung ärztlich abgeklärt werden.
Warum darf niemand mit Wirkungen werben?
In der EU sind für Pflanzenstoffe wie Ashwagandha bislang keine gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) zugelassen. Auch wenn es klinische Studien gibt, dürfen Hersteller nur den Forschungsstand referieren, keine Wirkung im Sinne eines Arzneimittels versprechen.
Wurzelpulver oder Extrakt — was ist besser?
Diese Frage ist in der Forschung nicht abschließend geklärt. Die klinischen Studien nutzen überwiegend standardisierte Extrakte, weil sich die Withanolid-Menge dort besser dosieren lässt. Ein direkter Kopf-an-Kopf-Vergleich der gängigen Extraktarten liegt nicht vor.


