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Was ist Omega-3-Fettsäuren?

Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die für die Herz-Kreislauf-Gesundheit, die Gehirnfunktion und die Entzündungsregulation wichtig sind.

Was ist Omega-3-Fettsäuren?

Der menschliche Körper kann viele Fettsäuren selbst herstellen — Omega-3-Fettsäuren gehören nicht dazu. Sie müssen über die Nahrung aufgenommen werden und zählen deshalb zu den essenziellen Nährstoffen. Chemisch handelt es sich um mehrfach ungesättigte Fettsäuren, bei denen die erste Doppelbindung am dritten Kohlenstoffatom vom Methylende her sitzt — daher der Name.

Drei Vertreter tauchen in Ernährungsfragen immer wieder auf: Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). ALA steckt vor allem in pflanzlichen Quellen wie Leinöl, Chiasamen oder Walnüssen. EPA und DHA finden sich in fettem Seefisch — Lachs, Hering, Makrele, Sardine — und ursprünglich in Mikroalgen, die am Anfang der marinen Nahrungskette stehen. Aus dieser Algenherkunft leitet sich auch die vegane Alternative zum Fischöl ab: Algenöl liefert EPA und DHA direkt aus der Quelle, ohne den Umweg über den Fisch.

Der Körper kann ALA theoretisch in EPA und DHA umwandeln, tut das aber nur in geringem Umfang. Wer sich ausschließlich pflanzlich ernährt, erreicht über Leinöl allein selten die gleichen EPA/DHA-Spiegel im Blut wie ein regelmäßiger Fischesser.

Zum Forschungsstand: Reiner et al. haben 2014 in der Zeitschrift Praxis eine Übersichtsarbeit zu Omega-3-Fettsäuren in der klinischen Medizin veröffentlicht (DOI 10.1024/1661-8157/a001593). Die Autoren fassten zusammen, dass experimentelle Studien den Fettsäuren entzündungsdämpfende, gerinnungsmodulierende und gefäßschützende Eigenschaften zuschreiben. Ältere klinische Studien zeigten Vorteile beim Herz-Kreislauf-Schutz — neuere randomisierte Untersuchungen, in denen Omega-3-Kapseln zusätzlich zu einer bereits etablierten Medikation und einer bewussten Ernährung eingenommen wurden, konnten diese Effekte allerdings nicht bestätigen. Die Autoren führen das auf uneinheitliche Studienpopulationen, unterschiedliche Dosierungen und verschiedene Formen der eingesetzten Fettsäuren zurück. Eine bemerkenswerte Beobachtung aus der Übersichtsarbeit: Die aktuellsten Meta-Analysen sahen einen klaren Nutzen beim Verzehr von Fisch, nicht aber bei der Einnahme von Kapseln.

Das ist eine wichtige Unterscheidung, die im Marketing gerne verschwiegen wird. Ein Fischgericht bringt neben EPA und DHA auch Protein, Jod, Selen, Vitamin D und eine ganze Matrix begleitender Nährstoffe mit. Eine Kapsel liefert isolierte Fettsäuren, oft in Triglycerid- oder Ethylester-Form. Diese Matrixwirkung erklärt möglicherweise, warum die Studienlage bei ganzen Lebensmitteln überzeugender ausfällt.

Was die Forschung nicht zeigt: Es gibt aktuell keine einheitliche Evidenz, dass Omega-3-Kapseln bei bereits gut behandelten Herz-Kreislauf-Patienten zusätzlichen Schutz bieten. Auch bei gesunden Menschen ohne besonderes Risiko ist der Nutzen einer Supplementierung wissenschaftlich umstritten. Die EU-Kommission hat für Omega-3-Fettsäuren nur wenige, sehr eng gefasste Health Claims zugelassen — pauschale Werbeaussagen zu Immunsystem, Konzentration oder Stimmung gehören nicht dazu.

Zur Einordnung von Mengen: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für ALA eine Aufnahme, die 0,5 Prozent der täglichen Energiezufuhr entspricht. Bei einer Kost von 2000 Kilokalorien wären das rund 1,1 Gramm ALA — eine Menge, die schon ein Teelöffel Leinöl (etwa 5 Gramm) mehr als abdeckt, denn Leinöl besteht zu über 50 Prozent aus ALA. Für EPA und DHA werden in vielen Ländern zusammen 250 bis 500 Milligramm pro Tag als Zielgröße genannt. Ein Filet Lachs (150 Gramm) liefert je nach Herkunft 2 bis 3 Gramm EPA plus DHA — mit einer Portion pro Woche ist der Wochenbedarf rechnerisch also gedeckt.

Beim Kauf pflanzlicher Öle mit hohem Omega-3-Anteil spielt die Verarbeitung eine Rolle. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind empfindlich gegenüber Sauerstoff, Licht und Hitze. Leinöl wird deshalb kaltgepresst, in dunklen Flaschen abgefüllt und gehört nach dem Öffnen in den Kühlschrank. Zum Braten ist es ungeeignet — die Doppelbindungen zerfallen bei Temperaturen über etwa 100 Grad.

Ein Wort zur Balance mit Omega-6: In westlichen Ernährungsmustern liegt das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 häufig bei 15:1 oder höher, weil Sonnenblumen-, Distel- und viele Fertigprodukte-Öle stark Omega-6-lastig sind. Ernährungswissenschaftlich gilt ein Verhältnis um 5:1 oder niedriger als günstiger. Wer den Omega-3-Anteil erhöhen will, kann also entweder mehr Omega-3 zuführen oder den Omega-6-Konsum reduzieren — beides wirkt in dieselbe Richtung.

Auch bekannt als

Omega 3, Fischöl, Algenöl

HerzgesundheitGehirnfunktionEntzündungFettsäuren