In der Natur entsteht MSM als Teil eines biologischen Kreislaufs. Meeresalgen bilden Dimethylsulfoniumpropionat, das über die Atmosphäre zu Dimethylsulfid und schliesslich zu DMSO und MSM oxidiert wird. Regen trägt diese Verbindungen in Boden und Pflanzen zurück. So gelangt MSM in kleinsten Spuren in Obst, Gemüse, Getreide, Milch und Kaffee. Die Konzentrationen liegen dabei typischerweise im Milligramm- oder sogar Mikrogrammbereich pro Kilogramm. Durch Kochen, Trocknen und industrielle Verarbeitung geht ein grosser Teil dieses natürlichen Gehalts verloren, weil MSM bei Hitze flüchtig ist.
Synthetisch wird MSM heute meist aus DMSO (Dimethylsulfoxid) durch Oxidation mit Wasserstoffperoxid hergestellt. Anschliessend wird das Produkt destilliert oder umkristallisiert. Hochreine Ware liegt bei über 99,9 Prozent MSM-Gehalt.
Zum Forschungsstand: Eine Monographie in Alternative Medicine Review 2003 fasst die damals verfügbaren Daten zu Methylsulfonylmethan zusammen und beschreibt Herkunft, Chemie und die untersuchten Anwendungsgebiete. Über diese Übersichtsarbeit hinaus ist die Studienlage zu MSM als isolierter Substanz begrenzt. Es gibt einzelne klinische Untersuchungen zu Gelenkbeschwerden, Belastung nach Sport und Hautthemen, doch belastbare, grosse Meta-Analysen mit klaren Endpunkten fehlen. Eine EU-zugelassene gesundheitsbezogene Aussage (Health Claim) für MSM existiert nicht. Bei der Literaturrecherche ist ein Kuriosum zu beachten: Die Abkürzung MSM steht in der Medizin auch für "men who have sex with men", und viele Treffer in Datenbanken beziehen sich auf HIV-Prävention und Verhaltensforschung, nicht auf die Schwefelverbindung. Arbeiten wie die von Zhang und Chu in Cell Research 2005, von Morris und Little in Current Opinion in HIV and AIDS 2011 oder von LeGrand und Kollegen in Current Opinion in HIV and AIDS 2017 tauchen bei einer MSM-Suche zwar prominent auf, behandeln aber keine Nährstoffe, sondern epidemiologische Fragen.
In Nahrungsergänzungen wird MSM meist als reines Pulver oder in Kapseln angeboten. Übliche Portionsangaben auf dem europäischen Markt bewegen sich zwischen etwa 500 und 3000 Milligramm pro Tag. Zum Vergleich: In frischer Kuhmilch wurden Werte um wenige Milligramm pro Liter gemessen — um mit Lebensmitteln auf eine Kapseldosis von 1000 Milligramm zu kommen, müsste man mehrere hundert Liter Milch trinken. Diese Rechnung erklärt, warum MSM als Einzelstoff praktisch nur über angereicherte Produkte in relevanten Mengen aufgenommen wird — und nicht über die Ernährung.
Der Schwefelanteil im MSM-Molekül liegt bei rund 34 Prozent des Gewichts. Ein Gramm MSM liefert damit etwa 340 Milligramm elementaren Schwefel. Zum Vergleich: Ein Ei enthält je nach Größe ungefähr 65 bis 80 Milligramm Schwefel, gebunden in Aminosäuren wie Cystein. Das heisst nicht, dass MSM ein Ei ersetzt — die Bindungsform ist eine völlig andere — aber es macht die Größenordnung greifbar.
Geschmacklich ist reines MSM leicht bitter. In Pulverform wird es haeufig mit Wasser, Saft oder Smoothies eingerührt. Kapseln umgehen diesen Geschmack. MSM ist hitzestabil bis etwa 100 Grad Celsius in Lösung, oberhalb davon beginnt es zu sublimieren.
Was MSM nicht ist: kein Medikament, kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung, kein belegtes Mittel gegen bestimmte Krankheiten. Wer sich für die Substanz interessiert, sollte auf Reinheit (idealerweise über 99,9 Prozent), Herkunft (destilliert statt nur kristallisiert) und Analysezertifikate achten.
Wirkung
Eine Monographie in Alternative Medicine Review 2003 fasst Chemie, Vorkommen und untersuchte Anwendungen von MSM zusammen. Grosse, aussagekräftige klinische Meta-Analysen zu isoliertem MSM fehlen bislang, und eine EU-zugelassene gesundheitsbezogene Aussage (Health Claim) existiert nicht.
Dosierung
Übliche Portionsangaben in Nahrungsergänzungen bewegen sich zwischen 500 und 3000 Milligramm MSM pro Tag, oft aufgeteilt auf zwei Portionen. In der Monographie in Alternative Medicine Review 2003 werden Dosierungen aus einzelnen klinischen Untersuchungen in diesem Bereich beschrieben. Wer MSM einnehmen möchte, sollte niedrig einsteigen und die individuelle Verträglichkeit beobachten. Konkrete Empfehlungen für bestimmte Beschwerdebilder lassen sich aus der Datenlage nicht ableiten.
Natürliche Quellen
MSM kommt in geringen Mengen in vielen frischen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Getreide, Milch und Kaffee vor. Der Gehalt wird durch Verarbeitung und Erhitzen stark reduziert.
Wissenschaftliche Quellen
Alternative Medicine Review 2003: Methylsulfonylmethane (MSM). Monograph. Zhang & Chu, Cell Research 2005, DOI: 10.1038/sj.cr.7290359 (behandelt HIV-Epidemiologie, nicht Methylsulfonylmethan) Morris & Little, Current Opinion in HIV and AIDS 2011, DOI: 10.1097/COH.0b013e3283476c29 (behandelt HIV-Epidemiologie, nicht Methylsulfonylmethan) LeGrand et al., Current Opinion in HIV and AIDS 2017, DOI: 10.1097/COH.0000000000000400 (behandelt HIV-Selbsttests, nicht Methylsulfonylmethan)
Häufige Fragen
Was ist MSM eigentlich chemisch?
MSM ist die Kurzform für Methylsulfonylmethan, auch Dimethylsulfon genannt. Es ist eine einfache organische Schwefelverbindung aus zwei Methylgruppen, einem Schwefel- und zwei Sauerstoffatomen. Der Schwefelanteil im Molekül liegt bei rund 34 Prozent.
Kann ich MSM über die Ernährung aufnehmen?
Theoretisch ja, praktisch kaum in nennenswerten Mengen. MSM kommt in Obst, Gemüse, Milch, Getreide und Kaffee nur in Spuren vor, meist im Milligramm- oder Mikrogrammbereich pro Kilogramm. Kochen und Verarbeiten reduzieren den Gehalt zusätzlich.
Warum finde ich bei PubMed unter MSM so viele HIV-Studien?
Die Abkürzung MSM wird in der Medizin auch für "men who have sex with men" verwendet. Arbeiten wie die von Zhang und Chu (Cell Research 2005) oder Morris und Little (Current Opinion in HIV and AIDS 2011) betreffen Epidemiologie und haben mit der Schwefelverbindung nichts zu tun.
Wie wird MSM hergestellt?
Meist synthetisch aus DMSO (Dimethylsulfoxid), das mit Wasserstoffperoxid zu MSM oxidiert wird. Hochwertige Ware wird anschliessend destilliert und erreicht Reinheiten über 99,9 Prozent. Kristallisierte Ware ist tendenziell weniger rein als destillierte.
Wie schmeckt MSM-Pulver?
Reines MSM ist ein weisses, kristallines Pulver mit leicht bitterem Geschmack. Es löst sich gut in Wasser. Viele mischen es in Saft oder Smoothies, um den Eigengeschmack abzumildern. Kapseln umgehen den Geschmack vollständig.
Gibt es einen offiziellen Health Claim für MSM?
Nein. In der EU ist für MSM keine gesundheitsbezogene Aussage nach der Health-Claims-Verordnung zugelassen. Aussagen zu Gelenken, Haut oder Immunsystem dürfen daher nicht gemacht werden.
Ist MSM hitzestabil?
In wässriger Lösung ist MSM bis etwa 100 Grad Celsius stabil. Oberhalb davon beginnt die Verbindung zu sublimieren, das heisst direkt in die Gasphase überzugehen. In Lebensmitteln geht durch Erhitzen und Trocknen ein Teil des natürlich enthaltenen MSM verloren.


