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Alpha-Liponsäure

Alpha-Liponsäure ist ein einzigartiges Antioxidans, das sowohl wasser- als auch fettlöslich ist und eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel und beim Schutz der Nerven spielt.

Alpha-Liponsäure
Alpha-Liponsäure ist eine schwefelhaltige Fettsäure, die in den Mitochondrien praktisch aller eukaryotischen Zellen vorkommt — also auch in jeder Zelle deines Körpers. Sie wird dort in kleinen Mengen selbst hergestellt und ist gleichzeitig über die Nahrung erreichbar, besonders über Innereien wie Herz, Leber und Nieren, dazu Spinat, Brokkoli, Tomaten und Rosenkohl. Die Konzentrationen in Lebensmitteln sind allerdings gering, weshalb sie in Nahrungsergänzungsmitteln meist in isolierter Form vorliegt.

Besonders an ALA ist ihre Doppelnatur: Sie ist sowohl wasser- als auch fettlöslich. Damit unterscheidet sie sich von den meisten anderen Antioxidantien, die entweder das eine oder das andere sind. Vitamin C wirkt in wässrigen Bereichen der Zelle, Vitamin E im fettigen Milieu der Zellmembran — ALA und ihre reduzierte Form, die Dihydroliponsäure (DHLA), bewegen sich in beiden. Superti & Russo bezeichnen dieses Duo in ihrer Übersichtsarbeit in Antioxidants (Basel) 2024 als "antioxidant of antioxidants", weil das Paar Radikale abfangen, Metalle binden und die Regeneration anderer Antioxidantien wie Glutathion beeinflussen kann.

Ein zweiter Punkt, der ALA in der Forschung interessant macht: Der körpereigene Gehalt sinkt mit dem Alter. Shanaida et al. beschreiben in Current Medicinal Chemistry 2025, dass diese Abnahme im Alter Anlass für die Untersuchung von ALA als Nahrungsergänzung war, wenn der Eigenbedarf über Synthese und Nahrung nicht mehr vollständig gedeckt wird. Belastbare Grenzwerte, ab wann die Eigenversorgung nicht mehr reicht, nennen die Autoren nicht.

Der bislang am besten untersuchte Anwendungsbereich ist die diabetische Polyneuropathie, also die Nervenschädigung bei Diabetes. Eine Metaanalyse von Hsieh et al., veröffentlicht in Nutrients 2023, hat randomisierte kontrollierte Studien zur oralen Einnahme ausgewertet. Verglichen wurde ALA gegen Placebo bei Patienten mit diabetischer sensomotorischer peripherer Neuropathie. Ausgewertet wurden unter anderem der Total Symptoms Score (TSS), der Neurological Disability Score (NDS) und Messwerte der Nervenleitgeschwindigkeit. Untersucht wurden Dosierungen von 600, 1200 und 1800 mg pro Tag in einer Subgruppenanalyse. Die Studie ist eine reine Auswertung der vorhandenen Literatur — sie ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Therapie.

Zum Größenverhältnis: In der klinischen Forschung wurden also Tagesdosen zwischen 600 und 1800 mg oral verwendet. Zum Vergleich: 100 g Spinat enthalten nur wenige Mikrogramm ALA — die in Studien eingesetzten Mengen sind über die Nahrung praktisch nicht erreichbar. Das ist einer der Gründe, warum ALA in Studien fast immer als isolierte Substanz gegeben wird und nicht über eine Ernährungsumstellung.

Chemisch trägt ALA mehrere Namen. Du findest sie auf Etiketten und in älteren Texten als Thioctsäure oder schlicht Liponsäure. In wissenschaftlichen Publikationen ist die Abkürzung ALA gebräuchlich, wobei diese Abkürzung leider auch für Alpha-Linolensäure (eine Omega-3-Fettsäure) verwendet wird — beides hat nichts miteinander zu tun. Alpha-Liponsäure ist eine Schwefelverbindung, Alpha-Linolensäure eine ungesättigte Fettsäure.

Was die Forschung offen lässt: Ein Übersichtsartikel in Alternative Medicine Review von 1998 fasste den damaligen Kenntnisstand zusammen, und auch die neueren Arbeiten von 2023, 2024 und 2025 machen deutlich, dass viele Mechanismen noch untersucht werden. Ob die im Labor beobachteten Effekte auf Radikale, Metallbindung und Regeneration anderer Antioxidantien im menschlichen Alltag klinisch bedeutsame Auswirkungen haben, ist außerhalb der Neuropathieforschung nicht abschließend geklärt. Ergebnisse aus Zellversuchen und Tiermodellen lassen sich nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen.

In der Küche spielt ALA übrigens keine Rolle als Zutat, sondern als natürlicher Bestandteil von Gemüse und Innereien. Wer Spinat und Brokkoli regelmäßig isst, nimmt geringe Mengen automatisch mit auf.

Wirkung

Superti & Russo (Antioxidants Basel 2024) beschreiben ALA und ihre reduzierte Form DHLA als amphiphiles Redoxsystem, das Radikale abfangen und Metalle binden kann. Hsieh et al. (Nutrients 2023) haben in einer Metaanalyse randomisierter Studien orale ALA-Dosen von 600 bis 1800 mg pro Tag bei diabetischer sensomotorischer peripherer Neuropathie untersucht und Symptom-Scores wie den TSS ausgewertet. Shanaida et al. (Current Medicinal Chemistry 2025) verweisen darauf, dass der körpereigene ALA-Gehalt mit dem Alter abnimmt.

Dosierung

In der Metaanalyse von Hsieh et al. (Nutrients 2023) wurden orale Tagesdosen von 600, 1200 und 1800 mg in einer Subgruppenanalyse verglichen. Diese Werte stammen aus klinischen Studien an Patienten mit diabetischer Polyneuropathie und sind keine allgemeine Verzehrempfehlung. Für die Einordnung einer individuellen Dosierung ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll, besonders bei Diabetes oder gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten.

Natürliche Quellen

Innereien (Herz, Leber, Nieren), Spinat, Brokkoli, Tomaten, Rosenkohl

Wissenschaftliche Quellen

Superti & Russo, Antioxidants (Basel) 2024, 10.3390/antiox13101228 Shanaida et al., Current Medicinal Chemistry 2025, 10.2174/0109298673300496240416114827 Alpha-Lipoic Acid, Alternative Medicine Review 1998 Hsieh et al., Nutrients 2023, 10.3390/nu15163634

Häufige Fragen

Was ist Alpha-Liponsäure eigentlich?

Eine schwefelhaltige Fettsäure, die in den Mitochondrien aller eukaryotischen Zellen vorkommt und dort in kleinen Mengen selbst gebildet wird. Sie ist sowohl wasser- als auch fettlöslich und kommt in Lebensmitteln wie Spinat, Brokkoli, Tomaten, Rosenkohl und Innereien vor.

Warum wird sie das "Antioxidans der Antioxidantien" genannt?

Diesen Begriff verwenden Superti & Russo in ihrer Übersichtsarbeit in Antioxidants (Basel) 2024. Grund ist die Doppelnatur: ALA und ihre reduzierte Form DHLA können sowohl in wässrigen als auch in fettigen Bereichen der Zelle wirken und laut den Autoren die Spiegel anderer Antioxidantien wie Glutathion beeinflussen.

Ist ALA dasselbe wie Alpha-Linolensäure?

Nein, das sind zwei verschiedene Stoffe, die leider beide mit ALA abgekürzt werden. Alpha-Liponsäure ist eine schwefelhaltige Verbindung, Alpha-Linolensäure eine Omega-3-Fettsäure aus Lein- oder Rapsöl.

Welche Dosierungen wurden in Studien untersucht?

Hsieh et al. haben in ihrer Metaanalyse in Nutrients 2023 orale Dosen von 600, 1200 und 1800 mg pro Tag verglichen — bei Patienten mit diabetischer Polyneuropathie. Das sind Studiendosierungen, keine allgemeinen Empfehlungen.

Kann ich meinen Bedarf über Spinat und Brokkoli decken?

Der Gehalt in Lebensmitteln ist gering — 100 g Spinat liefern nur wenige Mikrogramm. Die in klinischen Studien verwendeten Mengen liegen um mehrere Größenordnungen darüber und sind über normale Ernährung nicht erreichbar.

Warum sinkt der körpereigene Gehalt im Alter?

Shanaida et al. (Current Medicinal Chemistry 2025) beschreiben die altersbedingte Abnahme der körpereigenen ALA-Synthese. Die genauen Ursachen sind Teil der laufenden Forschung, konkrete Schwellenwerte für ein Defizit werden im Artikel nicht genannt.

Heißt Alpha-Liponsäure auch anders?

Ja. Gebräuchlich sind die Bezeichnungen Thioctsäure und Liponsäure sowie die Abkürzung ALA. Alle drei meinen denselben Stoff.

Auf einen Blick

Kategorie
Antioxidantien
Auch bekannt als
ALA, Thioctsäure, Liponsäure
Tags
AntioxidansNervensystemBlutzuckerEnergiestoffwechsel