Kräuterauszüge selbst gemacht: Einfach, wirksam, natürlich
Kräuterauszüge selbst gemacht sind eine wunderbare Möglichkeit, die Kraft der Natur zu nutzen und deine eigene Hausapotheke aufzubauen. Mit wenigen Zutaten und etwas Geduld kannst du wirksame Tinkturen herstellen, die dich das ganze Jahr über begleiten. In diesem Artikel erfährst du alles, was du über die Herstellung, Anwendung und Aufbewahrung von selbst gemachten Kräuterauszügen wissen musst.
Was sind Kräuterauszüge?
Kräuterauszüge, auch Tinkturen genannt, sind flüssige Pflanzenauszüge, bei denen die wertvollen Inhaltsstoffe von Heilkräutern in Alkohol oder anderen Lösungsmitteln gelöst werden. Diese traditionelle Form der Pflanzenheilkunde hat eine jahrhundertealte Geschichte und ermöglicht es dir, die Wirkstoffe von Kräutern konzentriert und lange haltbar zu machen.
Der Vorteil von selbst gemachten Kräuterauszügen liegt in ihrer einfachen Herstellung und ihrer Vielseitigkeit. Du benötigst lediglich getrocknete oder frische Kräuter, einen hochprozentigen Alkohol wie Wodka oder Korn sowie verschließbare Glasgefäße. Der Alkohol dient dabei als Lösungs- und Konservierungsmittel, das die pflanzlichen Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial herauslöst und gleichzeitig die Tinktur über Jahre hinweg haltbar macht.
Die Konzentration der Wirkstoffe in einem Kräuterauszug ist deutlich höher als in einem einfachen Tee. Während beim Aufguss mit heißem Wasser nur wasserlösliche Bestandteile extrahiert werden, löst Alkohol sowohl wasserlösliche als auch fettlösliche Inhaltsstoffe. Dadurch erhältst du ein Vollspektrum der pflanzlichen Wirkstoffe in einer praktischen, tropfenweise dosierbaren Form.
Besonders beliebt sind Auszüge aus Kräutern wie Ringelblume, Schafgarbe, Johanniskraut, Baldrian oder Echinacea. Jede Pflanze bringt ihre eigenen Besonderheiten mit und kann für unterschiedliche Zwecke verwendet werden. Das Schöne daran: Du bestimmst selbst, welche Kräuter du verwendest und kannst auf regionale und saisonale Pflanzen zurückgreifen.
Wie wirken Kräuterauszüge in deinem Körper?
Die Wirkweise von Kräuterauszügen hängt von den verwendeten Pflanzen und ihren spezifischen Inhaltsstoffen ab. Wenn du einen Kräuterauszug einnimmst, gelangen die gelösten Pflanzenstoffe über die Mundschleimhaut und den Verdauungstrakt in deinen Blutkreislauf. Die Aufnahme über die Schleimhäute beginnt bereits im Mund, weshalb es empfehlenswert ist, die Tropfen kurz im Mund zu behalten, bevor du sie schluckst.
Die in den Kräutern enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe wie Flavonoide, ätherische Öle, Bitterstoffe oder Gerbstoffe können verschiedene biologische Prozesse in deinem Körper unterstützen. Viele dieser Substanzen sind als Quelle wertvoller Nährstoffe bekannt und können zur normalen Funktion verschiedener Körpersysteme beitragen. Der Alkohol in der Tinktur beschleunigt dabei die Aufnahme der Wirkstoffe und sorgt für eine gute Bioverfügbarkeit.
Wichtig zu verstehen ist, dass Kräuterauszüge keine Medikamente sind und auch nicht als solche verwendet werden sollten. Sie können jedoch im Rahmen eines gesunden Lebensstils eine sinnvolle Ergänzung sein. Die traditionelle Pflanzenheilkunde nutzt die natürlichen Eigenschaften von Kräutern seit Generationen, und moderne Forschung untersucht zunehmend die Mechanismen, die hinter diesen traditionellen Anwendungen stehen.
Die Wirkung setzt je nach Pflanze unterschiedlich schnell ein. Manche Auszüge entfalten ihre Eigenschaften bereits nach wenigen Minuten, andere benötigen eine regelmäßige Einnahme über mehrere Wochen. Die Alkoholmenge in der üblichen Dosierung ist dabei minimal und liegt weit unter der Menge, die in einem alkoholischen Getränk enthalten wäre. Für Menschen, die Alkohol vollständig meiden möchten, gibt es auch Alternativen wie Glycerinauszüge.
Kräuterauszüge selbst gemacht: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die Herstellung von Kräuterauszügen selbst gemacht ist überraschend einfach und erfordert keine besonderen Vorkenntnisse. Du startest mit der Auswahl deiner Kräuter – dabei kannst du entweder frische oder getrocknete Pflanzenteile verwenden. Getrocknete Kräuter haben den Vorteil, dass sie weniger Wasser enthalten und die Tinktur dadurch konzentrierter wird.
Für die Herstellung füllst du ein sauberes Schraubglas etwa zu einem Drittel mit dem zerkleinerten Pflanzenmaterial. Bei getrockneten Kräutern kannst du das Glas lockerer füllen, bei frischen Kräutern etwas fester. Anschließend gießt du hochprozentigen Alkohol darüber, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind und etwa zwei Finger breit Flüssigkeit darüber steht. Als Alkohol eignet sich Wodka, Korn oder Weingeist mit mindestens 40 Prozent Alkoholgehalt, besser noch 50 bis 70 Prozent.
Nun verschließt du das Glas fest und beschriftest es mit dem Namen der Pflanze und dem Datum. Die Mischung lässt du an einem dunklen, zimmerwarmen Ort für mindestens drei bis sechs Wochen stehen. Täglich solltest du das Glas einmal kräftig schütteln, damit sich die Wirkstoffe optimal lösen können. Du wirst beobachten, wie sich die Farbe der Flüssigkeit verändert – ein Zeichen dafür, dass die Extraktion funktioniert.
Nach der Ziehzeit filterst du den Auszug durch ein feines Sieb oder einen Kaffeefilter in dunkle Tropfflaschen ab. Die Pflanzenreste presst du dabei gut aus, um wirklich alle wertvollen Inhaltsstoffe zu gewinnen. In gut verschlossenen, dunklen Flaschen und kühl gelagert ist dein selbst gemachter Kräuterauszug mehrere Jahre haltbar. Die übliche Dosierung liegt bei dreimal täglich 20 bis 30 Tropfen in etwas Wasser.
Die besten Kräuter für deine ersten Tinkturen
Wenn du mit der Herstellung von Kräuterauszügen beginnst, empfiehlt es sich, mit einfachen und gut verträglichen Kräutern zu starten. Ringelblume ist ein hervorragender Einstieg – ihre leuchtend orangenen Blüten ergeben einen milden Auszug, der sich vielseitig verwenden lässt. Auch äußerlich angewendet auf der Haut hat Ringelblumenauszug eine lange Tradition.
Melisse ist eine weitere ideale Anfängerpflanze. Der frische, zitronige Duft macht die Herstellung zum Vergnügen, und der fertige Auszug kann zur Entspannung beitragen. Melisse wächst in vielen Gärten und lässt sich leicht selbst ernten. Für die Tinktur verwendest du am besten die Blätter kurz vor der Blüte, wenn sie besonders aromatisch sind.
Thymian ist ein Küchenkraut, das sich auch hervorragend für Tinkturen eignet. Sein würziger Geschmack ist charakteristisch, und die Pflanze ist eine Quelle wertvoller ätherischer Öle. Eine Thymian-Tinktur gehört in viele traditionelle Hausapotheken. Beachte allerdings, dass ätherölreiche Pflanzen in konzentrierter Form intensiv wirken können.
Für fortgeschrittene Tinkturenmacher sind Kräuter wie Johanniskraut, Baldrian oder Beifuß interessant.







