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L-Carnitin

L-Carnitin ist eine aminosäureähnliche Verbindung, die eine Schlüsselrolle im Energiestoffwechsel spielt, indem sie Fettsäuren in die Mitochondrien transportiert.

L-Carnitin
Rund 98 Prozent des körpereigenen L-Carnitins stecken in der Skelettmuskulatur. Der Rest verteilt sich auf Herz, Leber und Blut. Der Körper stellt die Verbindung selbst her, aus den Aminosäuren Lysin und Methionin, unter Beteiligung von Vitamin C, B6, Niacin und Eisen. Wer Fleisch isst, nimmt zusätzlich Carnitin über die Nahrung auf — bei Mischköstlern liegt die tägliche Zufuhr grob zwischen 60 und 180 Milligramm, bei streng pflanzlicher Ernährung deutlich darunter.

Der Name kommt vom lateinischen 'carnis' für Fleisch. Das passt zur Verteilung im Lebensmittel: 100 Gramm rohes Lammfleisch liefern grob 190 Milligramm Carnitin, Rindfleisch etwa 95, Schwein rund 30, Hähnchen unter 10, ein Glas Kuhmilch ungefähr 8 Milligramm. In pflanzlichen Lebensmitteln findet sich meist weniger als 1 Milligramm pro 100 Gramm. Wer sich vegan ernährt, kompensiert das über die Eigensynthese — daher gilt Carnitin nicht als essenzieller Nährstoff, sondern als bedingt essenziell.

Die biochemische Rolle ist gut beschrieben: L-Carnitin schleust langkettige Fettsäuren durch die innere Mitochondrienmembran, wo sie in der Beta-Oxidation zu Energie abgebaut werden. Ohne diesen Transporter bleiben die Fettsäuren draußen. Das ist der Grund, warum die Substanz seit Jahrzehnten in der Sportforschung untersucht wird — meist mit gemischten Ergebnissen.

Zum Forschungsstand: Sheikhi et al. haben 2019 im European Journal of Pharmacology eine Meta-Analyse aus vierzehn randomisierten Studien zu L-Carnitin und den Apolipoproteinen B100 und AI veröffentlicht (DOI 10.1016/j.ejphar.2019.172493). Der beobachtete Effekt auf Apo B100 lag im Mittel bei 1,82 mg/dl und war statistisch nicht signifikant. Eine ältere tierexperimentelle Arbeit von Salmanoglu et al. in Redox Biology 2016 untersuchte L-Carnitin (0,6 g/kg/Tag i.p.) und Melatonin an Ratten mit hochfettdiätinduziertem Typ-2-Diabetes und berichtete über Veränderungen bei oxidativem Stress und Endothelmarkern (DOI 10.1016/j.redox.2015.11.007). Ratten sind keine Menschen — die Übertragbarkeit ist offen.

Eine ungewöhnliche Anwendungsrichtung beschrieb Foitzik et al. bereits 2007 im Journal of Dermatological Science: Getestet wurde topisch aufgetragenes L-Carnitin-L-Tartrat und dessen Einfluss auf menschliches Haarwachstum in vivo (DOI 10.1016/j.jdermsci.2007.07.001). Bondarenko et al. 2020 (Wiadomosci Lekarskie) prüften bei Männern mit Fruchtbarkeitsproblemen eine Kombination aus Arginin, Carnitin und Betain hinsichtlich Hormonstatus, Spermiogramm-Parametern und Leberwerten. In beiden Fällen handelt es sich um Einzeluntersuchungen, aus denen sich keine allgemeine Empfehlung ableiten lässt.

Was die Forschung bislang NICHT klar zeigt: Einen belastbaren Fettabbau-Effekt bei gesunden Menschen ohne Carnitinmangel. Trotz jahrzehntelanger Werbung als 'Fatburner' ist die Studienlage widersprüchlich, und viele der positiven Studien wurden an Personen mit Vorerkrankungen durchgeführt, nicht an gesunden Sportlern. Auch die Frage, wie viel oral zugeführtes Carnitin überhaupt in den Muskel gelangt, ist umstritten — die Bioverfügbarkeit von Kapseln liegt in älteren Untersuchungen deutlich unter der aus Fleisch.

Zur Einordnung eine kleine Rechnung: Wer 100 Gramm Rindersteak isst, nimmt rund 95 Milligramm Carnitin auf. Eine typische Kapsel mit 500 Milligramm entspricht damit ungefähr dem Gehalt von etwa 525 Gramm rohem Rindfleisch. Bei 1000 Milligramm Tagesdosis wären das rund ein Kilo Rindfleisch — was die reine Zahl in Relation setzt, aber nichts über die Aufnahme im Körper aussagt, weil die Matrix des Lebensmittels und die reine Substanz sich unterschiedlich verhalten.

In der medizinischen Anwendung ist L-Carnitin als verschreibungspflichtiges Arzneimittel bei diagnostiziertem primärem Carnitinmangel sowie bei Dialysepatienten mit sekundärem Mangel etabliert. Das ist ein anderer Kontext als die Anwendung als Nahrungsergänzung bei gesunden Erwachsenen. Die EFSA hat für L-Carnitin keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen — weder für Ausdauerleistung noch für Fettverbrennung, Gewichtsreduktion oder Regeneration.

Chemisch existiert die Verbindung in zwei Formen: L-Carnitin (biologisch aktiv) und D-Carnitin (inaktiv, teils als Antagonist wirkend). Nahrungsergänzungsmittel enthalten ausschließlich die L-Form, oft als L-Carnitin-Tartrat, Acetyl-L-Carnitin oder Propionyl-L-Carnitin. Diese Varianten unterscheiden sich in Löslichkeit und untersuchten Einsatzgebieten. Acetyl-L-Carnitin wird beispielsweise in der neurologischen Forschung erwähnt, während Tartrat-Formen in Sportstudien häufiger auftauchen.

Wirkung

In einer Meta-Analyse von Sheikhi et al. (European Journal of Pharmacology 2019) über vierzehn RCTs zeigte L-Carnitin-Supplementierung eine nicht-signifikante Veränderung von Apo B100 (mittlere Differenz 1,82 mg/dl). Salmanoglu et al. (Redox Biology 2016) untersuchten die Substanz in einem Rattenmodell zu Typ-2-Diabetes und berichteten über Veränderungen bei Endothelmarkern und oxidativem Stress. Foitzik et al. (Journal of Dermatological Science 2007) testeten topisches L-Carnitin-L-Tartrat im Zusammenhang mit menschlichem Haarwachstum.

Dosierung

In der Literatur werden orale Tagesdosen im Bereich von 500 bis 2000 Milligramm untersucht. Salmanoglu et al. verwendeten im Tiermodell 0,6 g/kg pro Tag intraperitoneal — das lässt sich nicht direkt auf den Menschen übertragen. Über die Nahrung liegt die typische Aufnahme bei Mischköstlern zwischen etwa 60 und 180 Milligramm täglich, bei rein pflanzlicher Kost unter 10 Milligramm. Bei diagnostiziertem Mangel gehört die Dosierung in ärztliche Hand.

Natürliche Quellen

Die Hauptquelle für L-Carnitin in der Nahrung ist rotes Fleisch, insbesondere Lamm und Rind. In geringeren Mengen ist es auch in Geflügel, Fisch und Milchprodukten enthalten. Pflanzliche Lebensmittel enthalten nur sehr wenig Carnitin.

Wissenschaftliche Quellen

Foitzik et al., Journal of Dermatological Science 2007, DOI 10.1016/j.jdermsci.2007.07.001 Salmanoglu et al., Redox Biology 2016, DOI 10.1016/j.redox.2015.11.007 Sheikhi et al., European Journal of Pharmacology 2019, DOI 10.1016/j.ejphar.2019.172493 Bondarenko et al., Wiadomosci Lekarskie 2020, DOI (keine)

Häufige Fragen

Muss ich als Veganer L-Carnitin ergänzen?

Nicht zwingend. Der Körper stellt L-Carnitin aus Lysin und Methionin selbst her, weshalb es als bedingt essenziell gilt. Bei rein pflanzlicher Ernährung liegen die Blutspiegel im Mittel niedriger als bei Fleischessern, klinische Mangelerscheinungen sind bei gesunden Erwachsenen aber selten dokumentiert.

Ist L-Carnitin ein Fatburner?

Die Substanz transportiert Fettsäuren in die Mitochondrien, wo sie zu Energie abgebaut werden. Ob eine zusätzliche Zufuhr bei gesunden Menschen ohne Mangel den Fettabbau tatsächlich steigert, ist in der Forschungsliteratur umstritten. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben der EFSA gibt es dazu nicht.

Was ist der Unterschied zwischen L-Carnitin und Acetyl-L-Carnitin?

L-Carnitin ist die Grundform, Acetyl-L-Carnitin trägt zusätzlich eine Acetylgruppe. Letzteres wird häufiger in Studien mit neurologischem Fokus verwendet, während Tartrat-Formen eher in Sportkontext untersucht werden. Beide Formen liefern nach Aufnahme freies L-Carnitin.

Wie viel L-Carnitin steckt in Fleisch?

100 Gramm rohes Lammfleisch enthalten grob 190 Milligramm, Rindfleisch etwa 95, Schwein rund 30 und Hähnchen unter 10 Milligramm. Milchprodukte liefern kleine Mengen, pflanzliche Lebensmittel meist unter 1 Milligramm pro 100 Gramm.

Warum heißt Carnitin auch Vitamin BT?

Der Name stammt aus einer Zeit, in der man die Substanz für einen essenziellen Nährstoff hielt, den bestimmte Insekten (der Mehlwurm Tenebrio molitor, daher das T) unbedingt aus der Nahrung brauchen. Für den Menschen gilt Carnitin heute nicht als Vitamin, weil die Eigensynthese ausreicht.

Was zeigen die Studien zu L-Carnitin und Blutfetten?

Die Meta-Analyse von Sheikhi et al. 2019 fand über vierzehn randomisierte Studien hinweg eine mittlere Veränderung von Apo B100 um 1,82 mg/dl — statistisch nicht signifikant. Das spricht gegen einen deutlichen Effekt auf diesen Marker.

Kann L-Carnitin äußerlich angewendet werden?

Foitzik et al. beschrieben 2007 im Journal of Dermatological Science eine topische Anwendung von L-Carnitin-L-Tartrat in einer Untersuchung zum menschlichen Haarwachstum. Das ist eine Einzelstudie und keine allgemeine Empfehlung, sondern ein Hinweis auf ein Forschungsfeld.

Auf einen Blick

Kategorie
Aminosäuren & Derivate
Auch bekannt als
Carnitin, Vitamin BT
Tags
EnergiestoffwechselFettverbrennungSportHerzgesundheit